Im Dezember 2002 besorgte ich mir einen gerade neu erschienen Stadtführer über Graz. Wozu brauche ich als Grazer einen Stadtführer von Graz? Eigentlich gar nicht, wären da nicht die Verwandten...
Die Verwandten, die da jährlich auf Besuch kommen, und genau wissen wollen, wo etwas in Graz ist und wo man in Graz isst. Man beachte den Unterschied zwischen ist und isst. Um da jetzt keine Fehler zu machen, besorgte ich mir also einen Stadtführer.
Da kam es mir gerade recht, das der Grazkenner Johannes Koren ein neues Buch heraus gebracht hatte, in dem er auf sieben Tagesreisen aufgeteilt allerlei Spezielles über Graz verrät.
Anfangs blätterte ich das Buch nur ein wenig durch und konzentrierte mich auf die Fotos, die zum Großteil von Johannes Koren selbst angefertigt wurden. Leider wurden sie in diesem handlichen Büchlein nur sehr klein abgedruckt.
Aber sonst wäre es ja auch kein handliches Büchlein geblieben, das ich nun auf meinen Stadttouren bequem in meiner Jackentasche mit mir führte.
Was mir aber an den Fotos sofort auffiel: Sie zeigten mir einerseits bekannte Grazer Bauwerke in ihrer vollen Ansicht, wechselten sich aber mit einer Vielzahl von Detailaufnahmen ab. Aufnahmen wie Haustüren oder seltsamen Fassadendekorationen.
Zum Teil versetzten mich diese Fotos zurück in meine Schulzeit. Denn natürlich hatten wir vieles schon in der Schulzeit ansehen und 'lernen' müssen. Und auch heute fällt es mir schwer, die Sehenswürdigkeit in den Objekten zu akzeptieren.
'Das kann doch keine Sehenswürdigkeit sein, da gehe ich ja jeden Tag daran vorbei?', dachte ich mir öfters, und lernte daraus, dass wir wohl nur das Rare schätzen.
Die sieben Tagesreisen von Johannes Koren begannen am Tag 1 bei der Weikharduhr am Grazer Hauptplatz. Ein guter Startpunkt, denn die Weikharduhr ist der Treffpunkt Nr. 1 in Graz. Egal ob zum romantisches Date oder nur zum gemeinsamen Shoppen.
Und mit diesem Insidertipp beginnend führte mich das Buch zunächst in Gedanken, später auch in Echt kreuz und quer durch Graz. Vorbei an sehenswerten Fassaden, vorbei an Geburtsorten, vorbei an Sagen und Anekdoten der vergangenen Jahrhunderte.
Vorbei auch an so manchem gar schrecklichen Tatort, oder vorbei an harmlosen Gasthäusern, die aber schon einige weniger harmlose Gäste beherbergt haben. In praktisch keiner Zeile unterließ es Koren auf das Besondere an dem jeweiligen Ort hinzuweisen, wo man gerade mit dem Buch steht.
Und nach sieben Tagen hatte ich nicht nur die Geschichte der schwarzen Gräfin im Ferrischlössel kennen gelernt, sondern wusste auch wo Nachfahren des amerikanischen Präsidenten Washington in Graz ihre Villa hatten.
So fühlte ich mich gut gerüstet für alle weiteren Anfragen in Bezug auf Graz. Besonders gut gefiel mir an dem Buch die praktische Aufteilung der Sehenswürdigkeiten auf sieben Tagesreisen.
Dies würde mir eine große Hilfe sein, meinen Verwandten die Sehenswürdigkeiten von Graz in Rahmen von Spaziergängen zeigen zu können. Obwohl - ich hoffe - die bleiben jetzt nicht gleich sieben Tage....?
Unbekanntes Graz - Ein etwas anderer Stadtführer
Johannes Koren
Steirischer Verlagsgesellschaft
ISBN 3-85489-079-6