Ein Wochenende vor Weihnachten 2002 verschlug es mich auf meiner Burgen- und Schlösser Tour zur Marienburg ca. 20km südlich von Hannover. Die Burg, die eigentlich mehr ein Schloss ist, war für mich eine der Hauptattraktionen im Raum Hannover (nach meiner charmanten Begleiterin natürlich)

Bei unserer Anfahrt von konnten wir sie schon von weiten sehen, allerdings hinderte der starke Nebel uns daran gute Fotos zu schießen. Ich nehme aber an, das bei klarer Sicht die Burg ein sehr schönes Fotomotiv darstellt.

Bei der Anfahrt muss man dann mit dem PKW einige Höhenmeter erledigen. Der Parkplatz ist dafür nur einige Gehminuten von der Burg entfernt und ist wohl für moderaten Besuch ausreichend groß. Eine Parkgebühr wurde nicht erhoben.

Vom Parkplatz mussten wir dann ein paar Minuten auf einer ebenen Straße durch den Wald laufen. Auf diese Weise erreicht man die Burg auf ihrer Rückseite, die man so selten auf Ansichtskarten abgebildet sieht. Sie hat von hinten mehr Ähnlichkeit mit einer Burg als von vorne oder aus der Luft.

Die Burg ist übrigens nur mit Führung besuchbar. Die Karten für die Führung bekommt man an einer schlichten Kassa im kleineren Burghof. Der integrierte Museumsshop hatte kein besonderes Angebot, was mich gereizt hätte (ein bisschen Kram mit dem Burgenmotiv, kein interessantes Werk über die Burg selbst oder über umliegende Burgen und Schlösser) Leider ließ man uns trotz eisiger Kälte im Burghof warten. Das Warten fiel uns umso schwerer, weil zwar wir, aber nicht die Führerin pünktlich war.

Aber dann wurden wir doch eingelassen und in den großen Burghof geführt. Hier erfuhren wir schon die erste Besonderheit der Burg. Bereits zum Zeitpunkt der Errichtung der Burg gab es so etwas wie ein Einbahnsystem. Die Wagen fuhren bei einem Hoftor hinein und beim anderen Tor hinaus.

In der großen Eingangshalle bekamen wir, wie in Schlösser so oft üblich, diese unvermeidlichen Filzpantoffeln angesteckt und wurden über die Hausregeln aufgeklärt. Fotografieren war leider nicht erlaubt, das Mobiltelefon musste ausgeschaltet werden.

Nach dem wir uns also alle den strengen Regeln des Burgherren unterworfen hatten ging es über eine schöne Treppe in die oberen Stockwerke. Der Burgherr ist übrigens in Deutschland kein Unbekannter. Es handelt sich dabei um Prinz Ernst August von Hannover, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg.

Eine für mich viel interessantere Persönlichkeit ist aber der erste Besitzer dieser Burg. Während der Führung erfuhren wir, das die Burg ein Geschenk des Königs Georg V. von Hannover an seine Frau Marie war. Um genau zu sein, er schenkte ihr zunächst mal nur das Grundstück. Die Burg wurde dann in der 2. Hälfte des 19. Jh. im neugotischen Stil errichtet.

Dieser neugotische Stil macht die Burg auch so beeindruckend romantisch. Leider konnte der König diese Romantik nicht genießen, den er war zu diesem Zeitpunkt bereits blind (!). Deshalb hat die Marienburg noch eine weitere Spezialität aufzuweisen. Die Türbeschläge sind in den einzelnen Bereichen der Burg verschieden ausgeführt! Dadurch konnte sich der blinde König in seinen Räumlichkeiten orientieren.

Die Burg war übrigens nur für den Sommer gedacht und war entsprechend ausgestattet. Diese Ausstattung erzählt heute noch viel über das Leben des blinden Königs und seinem Schicksal. Nach seiner Absetzung durch die Preußen musste er leider diese schöne Stätte für immer verlassen.

Nach einer guten Stunde Führung verließen aber auch wir das Schloss. Wie mir die Führerin beim Hinausgehen erklärte wäre es nicht ratsam gewesen, die Burg außerhalb der Besuchszeiten oder gar nachts zu besuchen. Sie wird von Hunden scharf bewacht. Während meines Besuchs begegnete mir allerdings kein Hund. Bei dem kalten Wetter jagt man wahrscheinlich keine Hunde vor die Tür.

Apropos Wetter. Die Burg war als Sommerresidenz gedacht und deshalb ist sie nicht wirklich beheizbar. Für Touristen wird sie offensichtlich gar nicht beheizt. Ein Besuch während der kalten Winterszeit ist also keine so gute Idee. Tatsächlich war es in den unbeheizten Burgräumlichkeiten kälter als im Hof.

Trotzdem habe ich die Burg nicht in eisiger sondern in angenehmer Erinnerung. Ihre neugotische Architektur und ihre schöne Inneneinrichtung machen sie zu einer Perle des Burgenbaus in Niedersachsen. Ich kann sie deshalb für Besuche während der sonnigen Jahreszeit wärmstens empfehlen.

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