Auf 219 Seiten beschreibt Udo von Alvensleben seine Eindrücke auf seinen Reisen zu Burgen und Schlösser in Deutschland und Österreich. Zahlreiche Fotos runden die Beschreibung ab.
Das Buch ist keines der üblichen Bücher über Schlösser und Burgen. Es informiert nicht umfassend zu jedem Objekt, noch zeigt es farbenprächtige Ganzseitenfotos. Vielmehr ist es eine Art Tagebuch, ein Tagebuch eines Reisenden in Sachen Schlösser und Burgen.
Udo von Alvensleben besuchte vor und nach dem zweiten Weltkrieg zahlreiche Sitze seiner Familie, aber auch von Freunden und Bekannten. Dabei hielt er seine Eindrücke notizartig fest, ohne wohl an eine Veröffentlichung zu denken. Erst nach seinem Tod fasste Harald von Koenigswald diese Notizen zusammen und brachte sie als Buch heraus.
Dadurch hat das Buch für mich einen ganz speziellen Charme. Die Zeilen des Verfassers sind nicht um Erklärung oder Beschreibung versucht. Vielmehr sind es eine Aneinanderreihung von kunsthistorischen Details oder auch eine Beschreibung von Verwandtschaftsverhältnissen unter den Schlossbesitzern.
Die Sätze wirken dabei oft sehr schnell, auch wenn die vielen kulturhistorischen Details oft auch etwas ermüdend wirken. Dafür helfen dann lebendige Beschreibungen von Familienritualen und Eigenheiten der Großtante oder der Großcousine.
Spannend zu erfahren sind auch die Unterschiede in den Eintragungen vor und nach dem zweiten Weltkrieg. Viele Objekte besuchte Udo von Alvensleben zwei Mal. Nur waren sie nach dem Krieg oft nicht mehr so vorhanden wie vor dem September 1939. Deshalb liest es sich auch um so interessanter, wie nun so manch verschwundenes Palais vor dem Krieg ausgesehen hat.
Die gesamte Geschichte der einzelnen Schlösser und Burgen wird kaum beschrieben. So eignet sich das Buch kaum für eine Recherche oder für eine Anleitung, was man sich wo ansehen soll. Aber gerade die Erzählungen über die Jahre nach dem Krieg geben ein wertvollen Input, wenn man diese Zeit verstehen will.
Oft erwähnt der Autor, wie die Schlösser in dieser Zeit genutzt wurden, nämlich als Wohnungen für Flüchtlinge und ausgebombte Familien. Und er beschreibt auch, wie die einst adeligen Besitzer der Schlösser mit sehr bürgerlichen Berufen versuchen sich selbst, ihre Familien und ihre Häuser über die Runden zu bringen.
Beschrieben werden hauptsächlich Objekte in Süddeutschland (Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern). Nur für ein paar Seiten wechselt der Autor über die Grenze und besucht Schlösser in Österreich, zum Beispiel in Wien.
Die Zeilen des Autoren werden durch rund 130 Abbildungen illustriert, die alle in schwarz-weiß ausgeführt sind. Am Ende des Buches gibt es ein Orts- und ein Personenregister zum leichteren Nachschlagen nach Schloss und Grafen.
Insgesamt war für mich das Buch ein interessantes Lesebuch, dass Schlösser und Burgen mal aus der Sicht eines seiner Bewohner beschrieb. Dabei waren für mich besonders die Beschreibungen über die Lebensumständen auf den Schlössern nach dem zweiten Weltkrieg eine interessante Information.
Schlösser und Schicksale
Udo v. Alvensleben und Harald v. Koenigswald
Verlag Ullstein 1970