THEMA

Obwohl das Buch den Titel jener ägyptischen Königin trägt so scheint es mir viel mehr von jenen drei römischen Männern zu handeln, die eng mit der Geschichte Kleopatras verbunden waren. Das Buch schildert die Geschehnisse im Mittelmeerraum, beginnend mit dem Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompejanus (an dessen Ende Caesar auf Kleopatra traf), bis zum tragischen Selbstmord Kleopatras in der damaligen Hauptstadt Ägyptens Alexandreia nach dessen Eroberung durch Octavian.

INHALT

Der Inhalt ist in drei Teilen und 70 Kapitel eingeteilt, wobei die Kapitel im Schnitt 3 bis 5 Seiten lang sind. Die drei Teile sind jenen drei römischen Persönlichkeiten gewidmet, die zum Schicksal Kleopatras geworden waren: Iulius Caear, Antonius und Oktavian. Im folgenden beschreibe ich kurz die Inhalte der drei Teile:

IULIUS CAESAR

Im ersten Teil schildert der Autor in einer sehr leicht lesbaren Sprache die Umstände über den Konflikt zwischen Caesar und Pompeius, in dessen Folge Caesar nach Ägypten gelangte und dort Kleopatra das erste Mal begegnete. Dabei fällt auf, das der Autor dem nach der Macht greifenden Caesar in einem besseren Licht stehen lässt als den auf der Seite des Senats stehenden Pompeius.

Quasi nach dem Tod von Pompeius tritt Kleopatra zum ersten Mal ins Leben Caesars und auch in diesem Buch in Erscheinung. Es wird der alexandrinischen Krieg anschaulich geschildert, in dem Caesar mit Kleopatra im Palast von Alexandria eingeschlossen waren. Der Vorwurf, das dabei die Römer die Bibliothek von Alexandria durch Brand vernichtet haben, wird in diesem Buch nicht erhoben. Stattdessen wird der Brand als Folge jener Kämpfe gesehen, in denen die Ägypter die römische Flotte in Brand steckten.

In weiterer Folge skizziert der Autor die Beweggründe für das Zusammengehen von Caesar und Kleopatra, die seiner Meinung nach nahezu das Gleiche wollten. Kleopatra wollte als Nachfahrin von Alexander des Großen dessen gewaltiges Reich im Orient wieder errichten, Caesor wollte in seinem ständigen Drang nach mehr Erfolg in die Fußstapfen des einstigen makedonischen Eroberers treten.

Doch die beiden erreichen ihre Ziele nicht, den vielen Senatsmitgliedern ist der autoritäre Stil Caesars ein Dorn im Auge und so ermorden sie ihn während einer Senatssitzung.

ANTONIUS

Mit dem Tod ihres Partners und Gönners wäre Kleopatra eigentlich am Ende ihrer Pläne gewesen, aber durch eine glückliche Fügung tritt einer der größten Feldherren Caesars in dessesn Fußstapfen und das nicht nur in der Politik sondern auch bei Kleopatra.

In diesem Buch werden anschaulich geschildert wie Antonius zunächst Kleopatra vor Gericht bringen möchte um ihre Rolle bei Caesars Ermordung zu klären. Doch bereits vom ersten Tag an erliegt er den Reizen der schönen Königin am Nil, die nun versucht mit Antonius das fort zu setzen was mit Caesar so je endete.

Während in vielen anderen Darstellungen, Antonius wie ein stählerner Held voller Prinzipien und römischer Tugenden wirkt, stellt der Autor dieses Buches den römischen Feldherren eher als prunksüchtigen launischen Menschen dar. Erst Kleopatra bringt ihn auf den Gedanken sein Glück als Eroberer des Orients zu versuchen.

Doch da er diese Ideen nicht konsequent angeht und sich dabei gleich mehrere sehr große strategische Fehler erlaubt, unterliegt er schließlich in der Schlacht bei Actium seinem Widersacher Octavian, der sich als testamentarisch geregelter Nachfolger Caesars sieht, im Gegensatz zu Antonius aber eine reine römische Expansion ohne Beteiligung Ägyptens anstrebt.

Die Schlact bei Actium wird leider nicht sehr ausführlich geschildert, bemerkenswert finde ich hier jeweils die Darstellung der psychologischen Aspekte in der Entscheidungsfindung von Antonius. So lässt ihn der Autor als liebeskranken, entscheidungsschwachen Feldherren aussehen, der in der Stunde der Entscheidungsschlacht durch die Beeinflußung Kleopatras die falsche strategische Entscheidung trifft und deshalb auch dem nüchternen Octavian unterliegt.

OCTAVIAN

Während der Teil über Caesar sehr ausführlich abgehandelt wird, wird der Teil über Antonius nur gestrafft dargestellt. In beiden Fällen werden aber die Charaktere der beiden Feldherren ausführlich beschrieben und man kann sich gut in deren Lage hineindenken.

Ganz anders ist es dann im letzten Teil des Buches, wo über Octavian berichtet wird, der eher als kaltblütig und berechnend dargestellt wird, ohne das seine Taten näher ausgeführt werden. Auch werden in diesem Kapitel mehr die letzten Stunden von Kleopatra und Antonius beschrieben, als die Taten des Octavian während seines Feldzuges gegen Ägypten.

GESTALTUNG

Das Buch ist fest gebunden und wies zum Zeitpunkt meines Lesens keinen Schutzumschlag mehr auf. Neben dem in normaler Schrift verfassten Text gibt es lediglich eine Landkarte und einige Fotos von Büsten zur Auflockerung.

Die Fotos zeigen in Schwarz Weiß die Büsten der in dem Buch handelnden Personen. Die Landkarte zeigt die Ausdehnung des römischen Reiches zur Zeit Iulius Caesars wobei eine Vielzahl von lateinischen Ortsbezeichnungen enthalten sind.

Diese Karte stellte für mich eine große Hilfe beim Einordnen der im Buch angeführten Ortsbezeichnungen dar. Auch ein Stadtplan des antiken Alexandreia half mir die Situation des belagerten Caesar während des alexandrinischen Krieges besser zu verstehen.

Die Fußnoten sind am Ende des Buches zusammengefasst, was ich immer als etwas mühsam empfinde. Allerdings wird der Leser in diesen Fußnoten mit sehr ausführlichen Zusatzinformationen versorgt und nicht nur mit bloßen Quellenverweisen.

Resümee

Ich halte das Buch für sehr gut geschrieben und angenehm lesbar. Die doch von meinem Geschichtsbild abweichende Darstellung der handelnden Personen hat mich überrascht, aber natürlich lassen die unterschiedlichen Quellen auch unterschiedliche Ansichten zu. Obwohl der Titel Kleopatra heißt, muss man sich im Klaren sein, dass man mehr über ihre geschichtlichen Partner erfährt als über sie selbst.

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Kleopatra
Benoist Méchin
Verlag Kohlhammer 1966

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