Jeder kennt den Wolpertinger, oder? Das ist ein Fabeltier, das nur in bayrischen Wäldern vorkommt. Als ich erfuhr, das dieser Wolpertinger im Jagd- und Fischereimuseum von München ausgestellt sei, musste ich ihn mir natürlich gleich mal ansehen.
Lage
Das Museum befindet sich in der ehemaligen Augustinerkirche in der Neuhauser Straße 2. Es
liegt damit mitten auf der schönen Einkaufsstraße zwischen Stachus und dem Marienplatz
und war in meine Sightseeing-Tour gut integrierbar.
Parken
Parkplätze hatte ich keine entdeckt. Ich kann mir aber ohnehin nicht vorstellen, mit
einem Auto in die Innenstadt von München zu fahren. Die Tageskarte für die öffentlichen
Verkehrsmittel in München kostet nur 4,50 Euro und so würde ich jedem vorschlagen mit
der U-Bahn bis zum Stachus oder bis zum Marienplatz zu fahren. Von dort ist es vielleicht
fünf Minuten bis zum Museum. Die Website des Museums empfiehlt für Autofahrer das
Parkhaus Färbergraben zu verwenden.
Eintritt
Den Eingang fand ich übrigens sofort, da mir beim Eingangstor eine überdimensionale
Wildsau kühn ihre Hauer entgegen streckte. Der Eintritt betrug 3,50 Euro (Vollpreis).
Angesichts des Angebotes empfand ich den Preis als angemessen. Der reduzierte Preis hätte
2,50 Euro betragen (Studenten, Kinder, Senioren, etc.)
Museumsshop
Im Museumsshop hätte ich allerlei Bücher über die Jagd kaufen können, dazu allerlei
Schnick Schnack, wie zum Beispiel den Wolpertinger als Plüschtier (Aha, es gibt ihn
zumindest als Plüschtier!).
Außerdem erfuhr ich im Gespräch mit der Dame an der Kasse, dass es ein Zweigmuseum auf
Schloss Tambach gäbe. Das liegt in der Nähe von Coburg und bietet neben einer
historischen Schau mit lebensgroßen Figuren auch einen Wildpark an.
Jagdmuseum
Aber nun zum Museum selbst. Das Jagdmuseum verteilt sich auf drei Geschosse und nähert
sich der Jagd auf vielerlei Art. Im Erdgeschoß wurde vor allem das Wild als solches
beschrieben. Die Tiere selbst konnte ich in ihre natürlichen Größe betrachten. An Hand
von standardisierten Tafeln erfuhr ich etwas über ihren Namen, ihre Verbreitungsgebiete,
ihr Paarungsverhalten, Tragzeit und Jagdzeiten. Die präparierten Tiere standen dabei in
Dioramen, die allerdings die natürliche Umgebung nur andeuteten. Hier hätte die
Museumsleitung vielleicht etwas mehr unternehmen können. Andererseits blieb dadurch der
Blick auf das eigentlich Tier unverstellt.
Besonders bemerkenswert fand ich einige Schautafeln über verschiedene Organisationen, die
sich mit der Beobachtung und Erforschung von Tieren befassen. So erfuhr ich, das es eine
Organisation gibt, die weltweit die Schwingen von erjagten Vögeln einsammelt und
Messungen an diesen vornimmt. Daraus werden dann Statistiken über Vogelflug und
Populationsgrößen gemacht.
Im Zwischengeschoß entdeckte ich eine Streichelecke mit einem interessanten Detail. Hier
durfte ich als Museumsbesucher die ausgestopften Tiere anfassen und so die Unterschiede
bei den einzelnen Fellstrukturen erfahren. Diese Ecke war nicht nur für Kinder gedacht,
sondern auch für blinde Menschen. Auf den Sockeln stand die Beschreibung der Tiere
deshalb in Brailleschrift (Blindenschrift).
Bei den Aufgängen zum Zwischengeschoß kam wieder der Schlösserfreund in mir zum Zug. In
einigen Schaukästen wurden mit Hilfe von Dioramen Jagdszenen gezeigt, die allesamt in der
Nähe von Schlössern stattfanden. Diese Schlösser wurden meistens auch dargestellt,
wobei natürlich das Jagdgeschehen das Spannendere war. Besonders beeindruckt war ich von
einer Jagd, wo Rotwild in einem See getrieben und von einem Schiff aus erlegt wurde. Naja,
ehrlich gesagt war ich mehr von der Perversität des Geschehens beeindruckt (und zwar
negativ) als von seiner Originalität.
Fischereimuseum
Im Zwischengeschoß war auch das Fischereimuseum untergebracht. Zuerst einmal muss ich
gestehen, dass ich kaum etwas von Fischerei oder von Fischen, geschweige den von
Fischgerichten verstehe. Darum guckte ich mich in diesem Teil des Museums besonders gut
um, damit ich endlich weiß, wie der Dorsch vorher aussah, bevor er derart quadratisch auf
meinem Teller landete.
Das Museum zeigt neben einer Menge von ausgestopften Fischen auch sehr viel über die
Fischerei selbst. So konnte ich mal die ganzen Angelgeräte von der Vorzeit bis heute aus
nächster Nähe sehen. Auch die Vielzahl von verschiedenen Ködern für die verschiedenen
Zielgruppen unter den Fischen fand ich interessant. So konnte ich lernen welchen Zweck
diese unterschiedlichen Köder haben und was sie dem freßgierigen Fisch vorgaukeln
sollen.
Weißer Saal
Im Obergeschoß gelangte ich dann in den weißen Saal. Das ist ein Saal der durch die
hohen Kirchenfenster wunderbar erhellt ist. Hier fand ich vor allem Bilder über die Jagd,
sowie diverse Accessoires des Jägers. Zum Beispiel Jagdmesser, Patronentaschen,
Pulverfläschchen und so weiter. Aber auch Halsbänder für die Hunde oder Peitschen für
die Pferde. Im Hintergrund des Saales stand ich dann noch vor ein paar seltsam aussehenden
Schlitten. Das waren Jagdschlitten der hohen Herren, die sich auf den zum Teil sehr
luxuriös wirkenden Gefährten durch den Schnee ziehen ließen.
Sonderausstellung
In einem Nebenraum des weißen Saals gelang ich dann zur gerade laufenden
Sonderausstellung. Die Sonderausstellung während meines Besuches handelte von "Biber
und Menschen". Diese Ausstellung empfand ich als sehr lehrreich. So erfuhr ich, das
der Biber einst in Bayern heimisch war, mit der Zeit aber ausstarb.
Seit einigen Jahren wird er wieder an bayrischen Gewässern ausgesetzt, was aber die
Landwirte gar nicht erfreut. Der Biber hat nämlich die Neigung seine Umwelt stark zu
verändern. Seine Dämme führen zu Hochwasser, seine Höhlen wirken auf
landwirtschaftliche Maschinen wie Fallgruben. Und sein Bautrieb lässt Obstbäume
umknicken während sein Appetit so manchen Ernteertrag schmälert.
Auf mehreren Schautafeln erfuhr ich, wie die Behörden versuchen diesen natürlich
Gegensatz zwischen Biber und Landwirtschaft zu lösen. So werden z.B. Biberberater
ausgebildet. Weiters werden finanzielle Mittel bereitgestellt, mit deren Hilfe
landwirtschaftliche Flächen am Gewässerrändern abgelöst werden können. Auch
Schutzvorrichtungen gegen Biberfraß und Bibertunnel sollen damit finanziert werden.
Außerdem erfuhr ich auch einiges über den Biber selbst, warum er seine Höhlen so baut
und nicht anders, wie das Fleisch, das Fell, das Fett der Biber früher genutzt wurde und
wie sehr der Biber in die Orts- und Gewässernamen Deutschlands eingeflossen ist. Auch
konnte ich dem Biber über das Fell streicheln und feststellen das es sehr weich ist.
Also, wer immer schon mehr über Biber wissen wollte, kann sich das noch bis zum 21. April
2003 in München ansehen.
Wolpertinger
Aber was war jetzt mit dem Wolpertinger? In einer Vitrine im Erdgeschoß stand ich
tatsächlich einer Vielzahl von Wolpertingern gegenüber! Sie sahen sehr interessant aus,
erinnerten mich stark an Füchse und Biber im Karneval.
Hier zeigte die Museumsleitung großen Humor (Natürlich gibt es den Wolpertinger nicht
wirklich). Die Beschreibung des Tieres wurde auf gleiche Art und Weise durchgeführt, wie
bei den tatsächlich lebenden Tieren. So erfuhr ich, das sich der Wolpertinger besonders
gerne von norddeutschen Rundschädeln ernährt, und das seine Größe und Gewicht
unbekannt aber tragbar sind. Seine Jagdzeit ist übrigens immer ca. 15 Tage vor einem
Gewitter, wobei diese Angaben natürlich allesamt ohne "Gewehr" sind.
Resümee
Das Museum war ein sehr informatives Erlebnis für mich. Neben dem Informationsgehalt
gefielen mir auch die in einem ehemaligen Kirche untergebrachten Räumlichkeiten und die
zum Teil sehr originelle Ausstattung. Bei der nächsten Sonderausstellung werde ich
sicherlich wieder einen Abstecher in dieses Museum machen.
Weitere Reisenotizen und Links
Webseite des Museums
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