Graz ist im Jahre 2003 europäische Kulturhauptstadt und viele kulturbegeisterte Bahnfahrer werden vielleicht deshalb in diesem Jahr einen Besuch in der steirischen Landeshauptstadt ins Auge fassen. Ein Grund für mich über den gerade neu renovierten Bahnhof der Stadt an der Mur zu berichten.
Der Bahnhof liegt im Südosten Österreichs und bildet einen kleinen Knotenpunkt zwischen der Südbahn, die nach Slowenien führt und zwei Nebenbahnen, die den weststeirischen und den oststeirischen Raum erschließen. Über den oststeirischen Raum gelangt man durch das hügelige Voralpenland bis nach Ungarn.
Innerhalb der Stadt Graz liegt der Bahnhof nicht unbedingt in der Stadtmitte, aber auch nicht am Stadtrand. Durch einen Busbahnhof und einen Straßenbahnknotenpunkt ist er aber sehr gut mit vielen verschiedenen Viertel von Graz verbunden. Wer z.B. mit der Straßenbahn vom Bahnhof in die Innenstadt von Graz fahren möchte, braucht dafür weniger als 10 Minuten
Direkt vor dem Hauptbahnhof befindet sich eine eher klein gehaltene Kurzparkzone, wo man maximal 60 Minuten Parken darf und dafür einen Euro bezahlen muss. Direkt unter dem Hotel IBIS befindet sich eine öffentliche Tiefgarage der Kette APCOA.
Die Bahnsteige sind nicht übermäßig lang und weisen an zwei Enden Treppen zu den Verbindungsgängen auf. Ich würde jedem empfehlen, die Rolltreppen oder den Aufzug zu nehmen, da nur diese direkt in die Schalterhalle führen. Die festen Treppen führen zwar auch zum Ausgang, aber sie bilden eigentlich einen Umweg.
Die Ausschilderung vor allem zu den Bahnsteigen empfinde ich als ausreichend. Von Vorteil ist, das die Bahnsteige nicht sehr lange sind, und der abfahrende Reisende nur über eine einzige Rolltreppe im Bahnhofsgebäude zu den Zügen marschiert. Dabei kann er sich kaum verirren. Allerdings wird es zu Stoßzeiten dort schon mal ziemlich voll.
Der Fahrkartenverkauf erfolgt sowohl durch vier Bahnkassen, als auch in einem bahneigenen Reisebüro. Wer nur die Fahrkarte kaufen möchte und keine weiteren Informationen benötigt kann diese Karten auch bei 4 Automaten beziehen.
Hier ist der Bahnhof vielleicht gegenüber größeren deutschen Bahnhöfen oder gegenüber Wien im Nachteil. Bahnpersonal für Informationszwecke oder Gepäckträger habe ich noch nicht gesehen.
Die Schließfächer befinden sich im Untergeschoß des Bahnhofes auf Höhe des Verbindungsganges zwischen den einzelnen Bahnsteigen. Dadurch sind sie ständig im Blickfeld der durchströmenden Fahrgäste.
Die Toiletten befinden sich im Erdgeschoß und sind nur über ein Drehkreuz erreichbar. Dieses kann man gegen Einwurf von 50 cent passieren. Wer nur Euromünzen in der Tasche hat kann sie bei einem Automaten wechseln. Die Toiletten sind sehr groß ausgeführt, theoretisch könnte man auch mit einem Rollstuhl rein fahren. Die eigentliche Behindertentoilette befindet sich aber außerhalb des Drehkreuzes und lässt sich nur durch Kontaktaufnahme via Gegensprechanlage zum Sicherheitsdienst öffnen. Bemerkenswerterweise werden die Toiletten ähnlich wie in Restaurants periodisch kontrolliert, wobei das Reinigungspersonal Eintragungen an einer Wandtafel macht.
Die Information zu den Zügen erfolgt über eine große Schautafel im Eingangsbereich. Auf den Bahnsteigen kann man sich über Anschlusszüge lediglich auf Plakaten informieren. Die Lautsprecherdurchsagen waren für mich bisher immer gut hörbar. Da die Züge nicht in einer Halle stehen, gibt es auch nicht diese Lärmentwicklung wie ich sie z.B. vom Münchner Hauptbahnhof kenne.
Was ich vermisse sind Zuglaufpläne. Das sind Pläne, die mir anzeigen, wo ich mich am Bahnsteig hinstellen muss, um gleich in den von mir reservierten Wagen zu steigen. Auch sind die Bahnsteige nicht in Sektoren eingeteilt, die solche Zuglaufpläne unterstützen würden.
Die Tourismusinformation befindet sich in der selben Ecke wie die Bahnschalter.
Seit dem Umbau verfügt der Grazer Bahnhof über eine abwechslungsreicherer Gastronomie als vorher. So kann man seinen Hunger sowohl bei einem MC Donald als auch in einer Cafeteria der Kette LAVAZZA stillen. Auch ein großes Restaurant ist angeschlossen, das allerdings in seiner Atmosphäre den Wartehallencharakter ein wenig kopiert. Dazwischen gibt es noch Möglichkeit sich mit Gebäck und Mehlspeisen einzudecken. Auch einen Laden für steirische Spezialitäten gibt es, in dem man z.B. kurz vor der Abfahrt noch das berühmte steirische Kürbiskernöl erwerben kann.
Die aktuellste Modezeitschrift oder einen Bildband über die schöne Bahnstrecke über den Semmering kann man sich in einer kleinen Buchhandlung im Bahnhofsgebäude kaufen. Nebenan befindet sich sogar ein weiterer Buchladen, der allerdings etwas leer wirkt.
Seit April 2003 gibt es auch eine großen Postshop und einen SPAR Supermarkt im Bahnhofsgebäude. Wer mehr Zeit überbrücken muss kann sich auch in ein Internetcafe setzen. Die Läden sind alle in der Größenordnung von 06:00 beginnend bis zwischen 20:00 und 22:00 offen. Allerdings gibt es dann im Supermarkt wegen den österreichischen Ladenschlussgesetzen in den Abendstunden nur mehr Reiseproviant/bedarf zu kaufen.
Die Taxis stehen am Bahnhofsvorplatz auf der linken Seite, wenn man das Gebäude verlässt. Meiner Beobachtung nach, kommt es hier abends öfters zu Engpässen und Reisende müssen auf das Eintreffen von weiteren Taxis warten.
Das liegt daran, das sich der Öffentliche Bus- und Straßenbahnverkehr nach 20:00 deutlich ausdünnt und zuletzt nur mehr im 30 Minuten Takt fährt. Für meine Züge sind die Anschlüsse mit öffentlichen Verkehrsmitteln zwar einigermaßen okay, aber bei starken Verspätungen meiner Abendzüge kann es schon passieren, das ich zu Fuß oder mit dem Taxi nach Hause komme.
Wer ohnehin lieber mit dem Leihwagen fährt, findet einen DENZEL im Bahnhofsgebäude.
Wer am Abend noch schnell ein Hotel braucht, findet gleich drei Hotels in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof. Dabei handelt es sich um eines der BEST WESTERN Kette (Hotel Daniel), einer der IBIS Kette und eines der AUSTRIAN TREND HOTEL Kette (Hotel Europa). Ich würde das IBIS Hotel empfehlen, da es meiner Erfahrung nach, das preiswerteste ist (auch wenn dort die Zimmer sicher auch die kleinsten sind).
Das Design des Hauptbahnhofes ist nach seiner jüngsten Renovierung sehr modern. Allerdings bekam er schon 1994 einen Designpreis verliehen. Dieser nannte sich Brunel Award und wurde "For Outstanding Visual Design" verliehen. Ich bin zwar nicht der Meinung, das man jetzt nur wegen dem Hauptbahnhof nach Graz reisen sollte, aber ein bisschen stolz ist man dann als Grazer schon. Zumal die Empfangshalle gerade jetzt besonders cool aussieht, weil sie innen in rot und weiß eine sehr bizarre Zeichnung an den Wänden trägt.
Im Bahnhofsgebäude ist eine Polizeiwache integriert, deren Beamten sehr oft am Bahnhofsgelände präsent sind. Im Vergleich zu anderen Bahnhöfen gibt es am Grazer Bahnhof vielleicht etwas mehr Herumtreiber als anderswo, aber ich hatte deswegen noch nie ein unsicheres Gefühl.
Der Grazer Bahnhof ist durch seinen jüngsten Umbau auf neuestem Stand und hat sowohl für den Konsumenten als auch für Menschen mit Behinderungen ein optimales Angebot. Ob ihr extra wegen dem Bahnhof nach Graz kommt, bleibt natürlich euch überlassen.
Weitere Reisenotizen und Links
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