Wer sich mit römischer Geschichte beschäftigt, wird bald solche Städte wie Rom oder Pompeji kennen lernen. Oder wenn wir in Deutschland bleiben, die beeindruckenden Reste römischen Lebens in Trier und Xanten besucht haben. Aber wer kennt Heerlen?
THEMA
In den Jahren 1988/1989 fand in Deutschland und den Niederlanden eine Wanderausstellung über die römischen Ursprünge der niederländischen Stadt Heerlen statt. Das mir vorliegende Heft wurde damals als Katalog zur Ausstellung heraus gebracht.
INHALT
Das Heft beginnt mit einer Einführung über die Lage und der Gründungsgeschichte von Coriovallum, dem römischen Heerlen. Dabei wird auch auf verschiedenen römischen Landkarten Bezug genommen, darunter auch die Peutinger Karte, die ich schon in vielen Faksimiles selbst betrachten konnte.
Dabei geht der Autor auch auf dem Umstand ein, dass sich der römische Name des Ortes nicht eindeutig festmachen lässt, es sind auch Schreibweisen wie Coriovalium oder gar Cortovallio bekannt.
Nach dieser Einführung berichtet der Autor über den grundsätzlichen Aufbau der römischen Siedlung und wo man diesen im heutigen Stadtbild von Heerlen wieder finden kann.
Coriovallum scheint auch einen Töpferstadt gewesen zu sein, was in dem Heft an Hand von Bildern besprochen wird. Auch eine Inschrift auf einen der Krüge wurde zitiert. Das bemerkenswerte an dieser Inschrift war für mich, dass ihr voranstehend das ganze lateinische Alphabet angeführt wurde. Als ob da jemand probiert hätte, ob er noch alle Buchstaben beherrsche?
Interessant fand ich die Ausführungen über die villae, die römischen Gutshöfe. Hier erfuhr ich, dass man im 19. und 20. Jh. in erster Linie die Hauptgebäude untersuchte und die Nebengebäude und sonstigen landwirtschaftlichen Details außer Acht ließ. Dies sollte sich aber inzwischen bereits gründlich geändert haben.
Noch interessanter war für mich aber die Grabungsgeschichte der Thermen. 1940 waren die Niederlande von deutschen Truppen besetzt worden und die Kriegsereignisse zwangen die niederländische Regierung mehr Flächen für die Lebensmittelproduktion bereit zu stellen.
Dabei wurden auch Flächen innerhalb des Ortes Heerlen für die Landwirtschaft frei gegeben. Bei der Bestellung der Felder entdeckte man nun die Thermen von Coriovallum und begann unter Kriegsbedingungen diese archäologische Stätte freizulegen.
Leider musste dieses Bemühen durch die Kriegswirren wieder abgebrochen werden, aber in den Zeilen über diese Ereignisse erfuhr ich ein wenig, wie man damals versuchte hatte mit primitiven Mitteln die archäologischen Stätten gegen den Verfall zu schützen.
Bekanntlich kann man ja einer archäologischen Stätte nichts schlimmeres antun, als sie freizulegen. Tut man es für Forschungszwecke trotzdem, muss man Maßnahmen ergreifen, um sie gegen Verwitterung aber auch gegen Zerstörung durch Neugierige zu schützen.
Zurück zu den Thermen! Die Funktionsweise der einzelnen Räume der Thermen sind in dem Heft gut beschrieben. Die Beschreibungen sind zum Teil mit recht anschaulichen Skizzen erweitert. Zum Beispiel werden Grundriße gezeigt, wo man die Entwicklung der Thermen in den verschiedenen Bauphasen erkennen kann.
Von den ausgegrabenene Resten der Therme sind auch einige Fotos im Heft enthalten.
Den Abschluss der Schilderungen über die Thermen bildete übrigens ein Spruch, den man auf dem Grabstein eines gewissen Tiberius Claudius Secundus fand: 'Baden, Wein und Liebe richten unsere Körper zugrunde, aber sie machen das Leben erst lebenswert!'
Woran er dann konkret gestorben ist, stand leider nicht am Grabstein.
Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, kann sich die römischen Ausgrabungen in Heerlen selbst ansehen. Dort wird er im so genannten Thermenmuseum fündig werden.
BESCHAFFENHEIT
Das Heft wurde im quadratischen Format herausgebracht und verfügt über keinen Schutzumschlag. Die 42 Seiten sind geklammert. Das Papier ist glänzend. Die Skizzen sind sehr informativ, die Bilder weniger spektakulär wenn man schon sehr viele Bücher über die römische Antike gelesen hat.
Bemerkenswert ist der Umstand, dass das Heft die Texte sowohl in deutscher, als auch in niederländischer Sprache beinhaltet. Dabei sind beide Sprachen gleichberechtigt vertreten, was leider in vielen Büchern und Katalogen nicht immer der Fall ist.
Resümee
Das Heft beschreibt konzentriert die Erkenntnisse der Wissenschaft über das römische Heerlen mit dem Forschungsstand von 1988. Allgemein neue Informationen bot das Heft für versierte Romkenner nicht, trotzdem gab es für mich das eine oder andere Aha Erlebnis.
Travelwriter, 05.2003
Römisches Leben in Heerlen
T.J. Jamar
Städtisches Museum Schloss Rheydt
ISBN 3-925526-30-X