Wien an der schönen blauen Donau ist für viele eine pulsierende Musicalstadt, für andere eine Stadt der Operette und für manche Marketingleute einfach nur anders. Für mich ist Wien auch eine Stadt von römischen Ursprungs. Wie dieser genau ausgesehen haben mag, sollte mir das hier besprochene Buch Aufschluss geben.
THEMA
Das Buch schilderte mir die römischen Ursprünge Wiens und besprach zahlreiche römische Funde. Ergänzend wurde auch über das allgemeine Leben im römischen Reich erzählt. Es ist damit Teil 1 einer mehrbändigen Serie des Verlages Pichler über die Geschichte Wiens.
INHALT
Der Inhalt war in 14 Kapitel unterteilt, wobei bei manchen Kapiteln Exkurse zu weiteren Themen gemacht wurden. Der thematische Zusammenhang dieser Exkurse mit den Kapiteln war mir zwar nicht immer verständlich, zweifelsohne waren die darin angeführten Informationen spannend und lesenswert.
Der Einfachheit halber strukturiere ich meine Buchbesprechung an Hand der Kapitelüberschriften.
ZUR FORSCHUNGSGESCHICHTE
Die Forschungsgeschichte umfasste nur ein paar Seiten und erzählte im wesentlichen ab wann man sich in Wien erst so richtig mit der römischen Geschichte beschäftigt hatte und welche Personen sich hier besonders hervorgetan hatten.
DIE RÖMER AN DER DONAU
Dieses Kapitel unterteilte sich in vier Abschnitte, die den Titel "Die Kelten", "Markomannen und Quaden", "Marc Aurel", und "Die Germanen" trugen. Im wesentlichen wurden hier jene geschichtliche Ereignisse skizziert, die auf die Entwicklung des römischen Wiens Einfluss hatten.
DAS LEGIONSLAGER VINDOBONA
In meinen Augen war dieses Kapitel eines der informativsten Teile des Buches. Das Lager wurde sowohl von seiner Funktion, als auch seiner Beschaffenheit und seiner Lage innerhalb der Wiener Innenstadt sehr gut beschrieben.
Besonders hilfreich empfand ich eine Skizze wo die Lagerumrisse über den Stadtplan von Wien gelegt wurden. So wusste ich bei meinem anschließend Wien Besuch genau, woher der "Graben" in Wien konkret seinen Namen hatte (tatsächlich befanden sich hier die Spitzgräben des Legionslagers als Annäherungshindernis)
DIE LAGERVORSTADT
Die römischen Legionslager hatten gewöhnlich eine Lagervorstadt, wo sich viel Volk sammelte das von den Bedürfnissen der Soldaten lebte. Wo man was über diese Lagervorstadt gefunden hatte wurde hier in ein paar Absätzen beschrieben.
Interessant fand ich den Exkurs über die römische Küche, wo ich so Dinge erfuhr, das die Römer den Eigengeschmack des Essens sehr gerne mit allerlei Kräuter verdeckten.
DIE ZIVILSTADT
Im Bereich des dritten Bezirkes wird ja die römische Zivilstadt vermutet. In dem Kapitel erfuhr ich hauptsächlich etwas über die Entwicklung der politischen Größe des römischen Wiens.
Im Exkurs wurde ein wenig über die Hygiene der Römer geschrieben, wobei natürlich ein Foto über die Toiletten der Römer nicht fehlen durfte.
RÖMISCHE FUNDSTÄTTEN IN WIEN
Die Kapitelüberschrift war vielleicht etwas irreführend. Es wurden nämlich nicht nur Fundstätten in Wien beschrieben sondern auch Orte wie z.B. Baden bei Wien oder Mödling. Allerdings waren die Beschreibungen hier eher gering und wurden dann im Kapitel über die römischen Ruinen ausführlicher.
FLANKENLAGER UND VORPOSTEN
Hier verließ das Buch ebenfalls die engen Grenzen des Stadtgebietes von Wien und beschrieb kleinere militärische Anlagen der Römer in den Gebieten von Kloster Neuburg, Schwechat und nördlich der Donau.
In einem Exkurs, der mir ausnahmsweise mal passend zum Kapitel erschien, wurden die römischen Orte entlang des norischen Limes aufgezählt und ganz kurz beschrieben.
DAS RÖMISCHE STRASSENNETZ AN DER DONAU
Nach einer kurzen Einführung über die Bauweise der römischen Strassen wurde der Verlauf diverser römischer Strassen durch Wien an Hand der heute bekannten Straßennamen aufgezählt. Dabei empfand ich es als besonderes Überaschungserlebnis wie gering oft die Anzahl der Funde sind, die solche Beschreibung stützen.
DIE LEGIONEN
In diesem Kapitel erfuhr ich ein wenig über den Aufbau und die Ausrüstung der römischen Legionen. Besonders gefielen mir hier die Skizzen über die Ausrüstungsteile und die Nennung ihrer lateinischen Bezeichnungen.
Im Exkurs zu diesem Kapitel wurde ein wenig über die Hunnen erzählt wobei mehr über deren Vorgehen in ganz Europa geschrieben wurde und kaum etwas über die Ereignisse in Wien selbst.
KULTE UND RITEN DER RÖMISCHEN LEGIONÄRE
Hier wurden in wenigen Absätzen die wichtigsten Kulte der Legionäre aufgezählt. Beginnend mit dem lange Zeit offiziellen Staatskult bis über die diversen eingeschleppten orientalischen Kulte. In dem vom gleichen Verlag herausgegebenen Buch "Das römische Österreich" empfand ich die Darstellung der römischen Götterwelt umfassender.
HAUS UND HOF IN DER RÖMERZEIT
Dieses Kapitel empfand ich vor allem von den Abbildungen her recht spannend. So wurden römische Häuser und Bäder skizzenzhaft abgebildet und Fotos vom Hausrat und vom Mobilar gezeigt.
In einem Exkurs las ich über das Leben des heiligen Severin, der eine wichtige Rolle im Donauraum zwischen Passau und Wien der Spätantike gespielt hatte. In diesem Exkurs erfuhr ich dann noch einiges über die Friedhöfe der Römer.
DIE WIRTSCHAFTLICHEN GRUNDLAGEN
Bei den wirtschaftlichen Grundlagen wurde vor allem die Abhängigkeit der Wirtschaft vom Legionslager dargestellt. So erfuhr ich eigentlich weniger über die Besonderheiten von Wien, als eher über die Wechselwirkung zwischen Legionslager und umgebender Wirtschaftsraum.
Bei der Darstellung der einzelnen Werkzeuge und vor allem dem landwirtschaftlichen Gerät fiel mir auf, das die Abbildungen allesamt nicht von Wiener Funden stammten.
In einem Exkurs wurde dann über die Zeit der Langobarden im Wiener Raum Bezug genommen.
RÖMISCHE RUINEN IM STADTBILD
Hier wurden eigentlich nur die drei bekanntesten Ruinenfelder beschrieben, obwohl es mehr davon im Raum Wien gibt: Hoher Markt, Am Hof und Michaelerplatz. Die Beschreibung der römischen Ruinen am Hohen Markt entsprach dabei schon der Beschreibung eines Museumsrundgangs.
DIE WICHTIGSTEN FUNDE
Hier wurden vor allem Kleinfunde aufgezählt, die zum Teil auch mit Farbfotos abgebildet waren. Bei einem Teil der Funde waren auch die Fundadressen angegeben, so dass ich beim Spazieren durch Wien einen ungefähren Eindruck der Fundlagen bekommen konnte.
ZEITTAFEL
Die Zeittafel begann mit der indogermanischen Einwanderung und endete mit der Einrichtung der Karolingischen Mark um 800. Bei den Ereignissen wurde vor allem dargestellt, welche Völkerschaft durch den Wiener Raum zogen und z.B. welche römische Kaiser wann in dieser Gegend anwesend waren.
BESCHAFFENHEIT
Das Buch war ordentlich gebunden und wies einen Schutzumschlag auf. Durch seine flache Ausführung konnte ich es auch leicht in einer Aktenmappe tragen. Die 184 Seiten waren mit Farbfotos und sehr eindrucksvollen teilweise ebenfalls färbigen Skizzen aufgelockert.
Resümee
Ich empfand das Buch als eine gut lesbare Übersicht über die römische Zeit und die römischen Funde im Raum Wien. Rätselhaft erschien mir lediglich die Wahl der Exkurse, die keinen echten Zusammenhang zu den Kapiteln hatten.
Besonders möchte ich zweifellos die zahlreichen Bilder, die mir in einer sehr guten Qualität eine Vielzahl von römischen Gegenständen, Steinen, Münzen usw. nahe brachten. Hier machte das Betrachten wahre Freude.
Wenn ich allerdings den Informationsgehalt des Buches mit dem aus dem gleichen Verlag erschienen Buch "Das römische Österreich" vergleiche, würde ich sagen, dass man sich zuerst das Buch über Österreich kaufen sollte, da in diesem die Stadt Wien ausreichend abdeckt, und man sehr interessante Infos über Österreich dazu bekommt.
Anschließend kann man den Kauf des Buches "Das römische Wien" noch immer in Erwägung ziehen.
Das römische Wien
Reinhard Pohanka
Pichler Verlag GmbH 1997
ISBN 3-85058-145-4
© 1997 - 2010 Impressum