Afrika! Land der Hitze, der Wüste, der wilden Tiere und noch wilderen Masken und Rituale. Nun gut, afrikanische Hitze hatten wir im Sommer 2003 auch mitten in München.

So beschloss ich dies als Anlass zu nehmen, mir die Sonderausstellung "Afrika Impressionen" mit Bildern des bekannten Kinoplakatmalers Renato Casaro im Deutschen Jagd- und Fischereimuseum München anzusehen.

Das Jagd- und Fischereimuseum war mir übrigens zu diesem Zeitpunkt bereits gut bekannt, besuchte ich es doch öfters anlässlich von Sonderausstellungen und wegen seiner sehenswerten Dauerausstellung über das heimische Wild und über die Geschichte der Fischerei. Aber das ist eine andere Story, jetzt möchte ich über meine afrikanischen Impressionen berichten:

Ausstellung

Nach der Bezahlung des Eintritts schritt ich als Stammgast des Museums den mir schon sehr vertrauten Weg über die Stufen des großen Treppenhauses hinauf ins zweite Obergeschoß. Dort sind gewöhnlich die Sonderausstellungen im Jagd- und Fischereimuseum München untergebracht.

Schon auf dem Weg dorthin bekam ich eine Einstimmung auf Afrika, als ich im Zwischenstock auf ein präpariertes Krokodil stieß. Dieses Krokodil war allerdings nicht in Vollkörperform präpariert worden, sonder flach, quasi als exotischer Bettvorleger.

Da es mir in dieser Variante völlig ungefährlich erschien, näherte ich mich fasziniert dem Riesending und hatte Gelegenheit, mir mal die Oberfläche eines Krokodilrückens so richtig in Ruhe zu betrachten. Bei der Betrachtung der vielfältigen Formen auf der Haut des Ungetiers musste ich unwillkürlich an Drachen denken. Vielleicht hatten auch die Leute im Mittelalter denselben Eindruck wenn sie mal ein Krokodil auf ihren Kreuzzügen sahen?

Auf diese Art und Weise eingestimmt ging ich weiter in den eigentlichen Raum der Sonderausstellung. Dieser war nicht gar so groß, eher ein langgestreckter Raum neben der eigentlich Halle des ehemaligen Kirchenschiffes. Doch der Inhalt zog mich gleich in den Bann.

Zunächst einmal wurde der Künstler vorgestellt. Der Maler Renato Casaro war eigentlich durch seine eindrucksvollen Kinoplakate bekannt geworden, war aber auch auf anderen Gebieten künstlerisch tätig. So entstand ein Afrika Zyklus, eine Sammlung von Bildern, wo er versuchte die Tiere und Landschaften Afrikas so realistisch wie möglich darzustellen.

Beim Betrachten seiner Bilder kam mir eine Diskussion unter Arbeitskollegen in den Sinn, die ich just am Vortag geführt hatte. In Österreich gab es gerade ein lautes Hallo bezüglich einer Statue eines nackten Mannes in Salzburg. Und beim Diskutieren fragte ein Kollege so treffend: 'Warum glauben so viele Künstler, dass Kunst immer provozieren muss? Warum kann Kunst nicht einfach mal nur schön sein?'

Genau dies kam mir in den Sinn, als ich die Bilder Casaros betrachtete. Hier wurde mit provozierenden Effekten sparsam umgegangen. Hier wurde versucht die Realität auf Leinwand zu bannen, vielleicht angereichert mit der gerade empfundenen Stimmung. Hier war ein Elefant noch ein Elefant, und ein Löwe ein Löwe.

Die zahlreichen Gemälde Casaros wechselten sich ab mit Trophäen von afrikanischem Wild, wobei meistens nur deren Köpfe an den Wänden hingen, ganz wie wir es schon von dem einen oder anderen Jagdschloss oder dem einen oder anderen rustikalen Gasthaus gewohnt sind.

Dazwischen fand ich in den Vitrinen allerlei afrikanischer Kunst vor, maßvoll beschriftet, keine endlosen Texte und auch keine knappen Bezeichnungen ausschließlich auf lateinisch.

Die Tiere waren meistens mit ihrem deutschen, englischen und lateinischen Namen beschrieben, dazu kamen noch Angaben über deren Verbreitungsgebiet in Afrika. Interessant fand ich einige Dioramen, wo ich auch einem ausgestopften Löwen mal kämpferisch ins Auge blicken konnte.

Unter den Kunstgegenständen stach besonders ein Kampfhelm mit Antilopenhörnern hervor, der mir kurzzeitig darüber nachdenken ließ, ob vielleicht die Wikinger bis Afrika vorgestoßen seien? Der Text klärte mich aber auf, das dieser seltsam gehörnte Helm durchaus eine afrikanische Form der Kopfbedeckung   darstellte.

Neben allerlei nützlichem Zeug wie etwa afrikanische Fischreusen gab es auch einiges aus Gold zu sehen, z.B. Goldgewichte vom Volke der Akan (wobei ich nicht sagen möchte, dass Gold nicht nützlich sei).

Auch etwas Kommerz war vorhanden, so warb eine Firma mit ihrem Angebot, die selbst erjagten Trophäen aus Afrika in Schmuck kunstvoll zu integrieren. Allerdings fehlte auch nicht der Warnhinweis, dass die Gesetze es nicht gestatten, alles zu erlegen, was einem vor die Flinte läuft und die Einfuhr der Beute in die Bundesrepublik wäre oftmals schon gar nicht erlaubt.

Mich interessierten aber die Bilder des italienischen Malers viel mehr als eventuelle Trophäen und betrachtete sie deshalb ausgiebig. Dabei fiel mir auf, das sie gänzlich anders auf mich wirkten, als die Kinoplakate, die Renato Casaro schuf. Scheinbar müssen Kinoplakate in die Kinos locken, während der afrikanische Zyklus einfach der künstlerische Ausdruck des Malers war.

Ich hätte übrigens seine Bilder auch kaufen können, von einem erfuhr ich ziemlich konkret den Preis: 770 Euro. Vom Erlös gehen 10% an die Stiftung des Museums. Wer also seinen unechten Rembrandt gegen einen echten Casaro eintauschen möchte, bis 31.10.2003 befinden sich dessen Bilder noch im Jagd- und Fischereimuseum in München.

Damit ihr auch wisst, was euch sonst noch erwartet, hier ein paar weiterführende Details:

Lage

Das Museum befand sich in der ehemaligen Augustinerkirche in der Neuhauser Straße 2. Es lag damit mitten auf der schönen Einkaufsstraße zwischen dem Stachus und dem Marienplatz und war für mich vom Bahnhof innerhalb von 15 Minuten erreichbar.

Parken

Parkplätze hatte ich keine entdeckt. Ich kann mir aber ohnehin nicht vorstellen, mit einem Auto in die Innenstadt von München zu fahren. Die Tageskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel in München kostete mir nur 4,50 Euro und so würde ich jedem vorschlagen mit der U-Bahn bis zum Stachus oder bis zum Marienplatz zu fahren. Von dort sind es vielleicht fünf Minuten bis zum Museum. Die Website des Museums empfiehlt für Autofahrer das Parkhaus Färbergraben zu verwenden.

Eintritt

Während man die ehemalige Augustinerkirche vielleicht noch übersehen kann, die überdimensionale Wildsau vor dem Eingang des Museums übersieht keiner und so fand auch ich den Weg leicht zur Kasse. Der Eintritt betrug für mich 3,50 Euro (Vollpreis). Der reduzierte Preis hätte 2,50 Euro betragen (Studenten, Kinder, Senioren, etc.)

Museumsshop

Im Museumsshop hätte ich allerlei Bücher über die Jagd kaufen können, dazu allerlei Schnick Schnack, wie zum Beispiel den Wolpertinger (Fabeltier in Bayern) als Plüschtier oder das eine oder andere Gemälde von Renato Casaro. Auch ein Katalog zur Ausstellung war um 20 Euro erhältlich. Dieser beinhaltete aber im Wesentlichen nur die Bilder des Künstlers.

Toiletten/Mobilität

Eine Toilette entdeckte ich übrigens erst im Obergeschoß. Da ich keinen Aufzug fand, bezweifle ich, das Menschen mit Rollstühlen diese Ausstellung genießen können würden.

Gastronomie

Obwohl es an den Wänden von erlegtem Wild nur so wimmelte, gab es im Museum nichts zu essen, die nahen Bierstuben und Biergärten Münchens sollten aber jeden für den Museumsbesuch entschädigen.

Audio Guide/Führungen

Einen Audio Guide gab es nicht. Führung durchs eigentliche Museum wären nach telefonischer Vereinbarung möglich.

Resümee

Sicherlich können sich die afrikanischen Impressionen nicht mit einer Rembrandt Ausstellung messen, doch für mich war es eine preiswerte Möglichkeit mitten in München mal nach Afrika abzutauchen und eine Stunde später mit vielen neuen Eindrücken und Gedanken bei Brezel und Bier im Biergarten zu landen.

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