Das Reisen ist Leben - Wie umgekehrt das Leben Reisen ist!

Dieser Spruch von Jean Paul stand am Eingang zur neuen Sonderausstellung im Siemens Forum über die Geschichte der Fortbewegung. Genau so sehe ich das auch! Was ich noch gesehen habe, möchte ich euch in diesem Bericht beschreiben.

Lage

Die Ausstellung befand sich im Siemens Forum am Oskar-von-Miller-Ring 20. Wegen dem schönen Wetter spazierte ich diesmal vom Hauptbahnhof weg vielleicht 15 Minuten dorthin. Bei Regen wäre ich wahrscheinlich mit der U-Bahn bis zur Station Odeonsplatz gefahren und die restlichen 300 Meter gelaufen.

Parken

Parkplätze sah ich dort keine, lediglich entlang der umliegenden Straßen gab's moderate Abstellplätze.

Eintritt

Der Eintritt zur Sonderausstellung als auch zur Dauerausstellung des Siemens Forums war kostenlos! Das Siemens Forum hat ja den Zweck Werbung für Siemens Produkte zu machen und verzichtet dabei auf einen Eintrittspreis.

Ausstellung

Die Ausstellung war über zwei Stockwerke verteilt und gliederte sich grob in drei Teile. Im ersten Teil wurde über die Entwicklung der Fortbewegung von den Antike bis ins vorige Jahrhundert gesprochen, im zweiten Teil ging es mehr oder weniger um die jüngsten Jahrzehnte und im dritten Teil (Obergeschoß) ging es um die nächste Zukunft.

Der überwiegende Teil der Ausstellung wurde mit Texten und Bildern abgehandelt, dazwischen einige Videos und nur vereinzelt Exponate. Eine Vielfalt von technischem Gerät wie etwa im Deutschen Museum wurde nicht angeboten.

Der Mangel an Gerät wurde aber durch eine Vielzahl von für mich überaschenden Infos ausgeglichen. Zum Beispiel wusste ich noch nicht, das die Chinesen zur selben Zeit wie die Römer ein sehr gutes Straßennetz hatten.

Oder das sie schon sehr viel früher als die Europäer einen Seekompaß bei ihren Fahrten einsetzten.

Auch über unschöne Dinge des Verkehrs wurde berichtet, z.B. über den Dreieckshandel zwischen Europa - Afrika - Amerika, wo Billiggüter nach Afrika, Sklaven nach Amerika und hochwertige Güter nach Europa im Kreisverkehr gefahren wurden.

Schon etwas lustiger fand ich eine Computeranimation, wo ich die verschiedenen Posthornsignale aus der guten alten Postkutschenzeit ausprobieren konnte. Die waren allerdings verdammt laut und so war die Ausstellung für einige Zeit von "meinen" Signalen beschallt.

Aber ganz ohne Exponate war die Ausstellung dann doch nicht. Zum Beispiel konnte ich einen Daimler Stahlradwagen aus dem Jahre 1889 aus nächster Nähe bewundern. Dieses Fahrzeug hatte damals noch gar kein Lenkrad, sondern noch eine Lenkstange!

Andere Dinge waren nicht so neuartig für mich, z.B. wurden auch Teile der Zeppelin, einem großen Luftschiff, gezeigt. Aber hierzu hatte ich schon Rekonstruktionen der Salons und der Kabinen des Luftschiffs Hindenburg im Zeppelinmuseum in Friedrichshafen gesehen.

Richtig witzig fand ich ein Modell der ersten in Deutschland eingesetzten Ampel, die 1924 in Berlin zum Einsatz kam. Kurios fand ich auch den Hinweis, das die erste Ampel in London im Jahre 1868 kurz nach ihrer Aufstellung explodierte! Ich frage mich, womit die Engländer diese Ampel betrieben haben? Mit Dampf?

Der Bereich rund um die explodierende Ampel war dann etwas weniger spannend. Es wurden vor allem Statistiken rund um das Verkehrswesen nahe gebracht. Zum Beispiel das ein Autobahnkleeblatt gleich viel Platz wie die halbe Salzburger Innenstadt verbraucht. Hier hatte ich mich spontan gefragt, wie man bei diesem Beispiel auf die Salzburger Innenstadt kam?

Vielleicht war bei der Gestaltung der Ausstellung auch ein Salzburger dabei, zumindest eine Firma wirkte mit. Diese zeigte an einem Terminal eine CD, die sich als Lexikon zum Thema Luftfahrt präsentierte. Ich blätterte allerdings nicht lange darinnen, die Infos waren mir zu dürr.

Aber im dritten und letzten Teil der Ausstellung wurde es dann doch sehr spannend! Hier zeigte Siemens in unvergleichlicher Selbstdarstellung was für Produkte es doch für unsere Zukunft bereithielt.

Zum Beispiel wurde in einem 1:1 Modell eines Wagens, gezeigt, wie viel Elektronik in einem modernen PKW schon steckt. Dabei wurden die einzelnen elektronischen Komponenten als Original an der richtigen Position des Modellwagens platziert.

Auch Designstudien über die Autocockpits der Zukunft waren zum Angreifen nahe.

An Hand von Schautafeln wurden die neuesten Ideen bezüglich dem "personalisierbaren" Auto gezeigt. In Zukunft soll man seine persönlichen Einstellungen im Auto (Sitzposition, Spiegeleinstellungen etc.) abspeichern können. Tolle Idee, obwohl es mich  ein wenig an das Personalisieren einer Computeroberfläche erinnerte. Na, ich hoffe, sie verwenden nicht MS Windows für dieses Projekt.....

Ein anderes Projekt habe ich ehrlich gesagt gar nicht erst verstanden, so spektakulär klang es in meinen Ohren. Da möchte man doch glatt Frachtzüge bauen, die sich ihre Strecke zum Ziel alleine aussuchen.

Apropos Züge, als Vielfahrer interessierte mich natürlich besonders das Siemens Angebot zur Eisenbahn der Zukunft. Hier wurde ebenfalls einiges gezeigt. Zum Beispiel das Modell eines Transalpin, der in China bereits Geschwindigkeiten über 400 km/h erreichen möchte. Das bedeutet ja schon Fliegen auf Höhe 0!

Und das in manchen Projekten auch noch ganz ohne Fahrer! So soll schon 2006 eine vollautomatische U-Bahn ohne Fahrpersonal in Nürnberg in Betrieb genommen werden. Okay, das war jetzt nicht so neu für mich. Ich bin schon 1994 mit einer fahrerlosen U-Bahn in Lyon gefahren und 1993 mit einer Hochbahn ohne Fahrer durch die Londoner Docklands.

Trotzdem fand ich gerade diesen Teil sehr interessant. Wenn ich zum Beispiel die ganzen Hinweise zum Thema Elektronik und Fahrzeugsicherheit her nehme, so ist diese Ausstellung um Ecken informativer als das, was zur Zeit im BMW Museum zur selben Thematik gezeigt wird. Vor allem der Neuigkeitswert ist höher.

Die Texte waren übrigens durchwegs in Deutsch und Englisch vorhanden, was also den Besuch auf für ausländische Gäste interessant macht.

Und nun ein paar andere Details:

Gastronomie

Im Keller gab es einen Automaten, wo man sich kalte Getränke und Kaffee selbst ausschenken konnte. Im obersten Geschoß gab es auch ein Café, das aber gänzlich unbesucht war.

Toiletten/Mobilität

Das WC befand sich im Tiefgeschoß und hatte einen eigenen Bereich für Behinderte.

Die Ausstellung war im gesamten Bereich für Rollstühle geeignet. Zwischen den Ausstellungsteilen gibt es zwar eine Treppe, Rollstuhlfahrer können diese aber durch einen Aufzug umgehen, der sich am Anfang der Ausstellung befindet.

Museumsshop

Der Empfang bot auch ein paar Bücher zum Thema Siemens an und ein paar Merchandising Sachen zur Marke Siemens.

Audio Guide/Führungen

Eine Audio Guide gab es nicht, eine Abendführung durch das ganze Haus gibt's jeden 1. Dienstag im Monat um 19:00.

Resümee

Nach ein paar interessanten Schmankerln am Anfang der Ausstellung war ich zunächst etwas enttäuscht von soviel Text aber nur wenig Exponaten. Aber das änderte sich im oberen Bereich der Ausstellung wo ich wirklich faszinierende Informationen über die Zukunft unseres Verkehrswesens erhielt.

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