Vielleicht hat schon der eine oder andere diese rätselhaften Plakate bemerkt, mit denen diese Ausstellung beworben wird. Es wird darauf ein Goldhut gezeigt, der vor tausenden von Jahren in unseren Breiten eine kultische Bedeutung hatte.
Diesem faszinierenden Hut wollte ich natürlich auf den Grund gehen und so besuchte ich die Ausstellung Gold und Kult der Bronzezeit im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg.
Der Untertitel der Ausstellung lautete "Mystik der prähistorischen Sonnenreligion" und schon beim Betreten des Ausstellungsraumes wurde ich von dem Thema in den Bann gezogen. Die Gestalter hatten den Raum zu einem Kreisrund organisiert, in dessen Zentrum die Goldhüte auf einem erhöhten Podest standen. Die Kuppel wurde von einem Sternenhimmel verziert.
Ich befand mich also von Anfang an in einer Atmosphäre, als ob ich mir in einer vom Vollmond erhellten Nacht auf einem kreisrunden Hain verschiedenen Kultgegenstände nähern würde.
Die Kultgegenstände waren allerdings diebstahlsicher in einer Vielzahl von Vitrinen untergebracht, die spiralförmig um das Zentrum der Ausstellung angeordnet waren.
Dabei gingen die Aussteller so raffiniert vor, das sie mit Hilfe von Spiegeln auch die Unterseiten der ausgestellten Gegenstände anstrahlten.
Leider gelang es mir nicht ganz, die Anordnung der Vitrinen richtig zu deuten, zweifellos gab es einen roten Faden, den ich aber nicht für mich entdecken konnte.
Aber das lag wohl daran, dass ich voller Neugier sofort zur Mitte der Ausstellung schritt und mich über eine Rampe den Goldhüten näherte. Dabei musste ich der Rampe folgend die Hüte mehrmals umrunden, ganz so wie ich im Londoner Tower die britischen Kronjuwelen umkreisen musste. Das gab dem Ganzen noch einen besonderen Reiz.
Nachdem ich die Goldhüte ausgiebig bewundert hatte wandte ich mich den anderen Schätzen zu. Da stand zum Beispiel in einer Ecke die Figur eines alten Priester, der eben einer dieser Goldhüte trug und mir ein Gefühl dafür gab, wie diese Hüte auf einem Menschen gewirkt haben mussten.
Dazu hörte ich mystische Musik, die auf einer Lure gespielt wurde. Die Noten dazu wurden zwar erst jetzt geschrieben, allerdings wurden sie so komponiert wie man die Musik von damals vermutet. Sie wurde vom Musikarchäologen Joachim Schween komponiert. Hätte einer gedacht, das es so was wie Musikarchäologen gibt? Also ich, bisher nicht!
Der Priester blickte mit seinem Hut und seinem Stab übrigens auf den Sternenhimmel des Raumes, wo deutlich das Sternbild der Plejaden zu erkennen war. Diese Sterne scheinen schon sehr früh eine Rolle im Denken der Menschen gespielt zu haben, jedenfalls glaubt man es auch auf der inzwischen berühmt geworden Himmelsscheibe vom Mittelberg (bei Nebra) entdeckt zu haben. Diese allerdings auch sehr umstritten Scheibe war in der Ausstellung leider nur als Foto vorhanden, aber ich konnte mir dieses zumindest mal aus nächster Nähe genau ansehen.
Irgendwie hatten diese Völker auch eine besondere Beziehung zur Sonne und ihrem Lauf am Himmel. Zahlreiche Symbole stellten entweder die Sonne dar, oder ihre Bewegung am Himmel. Heute kratzt uns dies ja weniger, wir werden höchstens von einem zu tief fliegenden Starfighter irritiert.
Ein wenig stolz war ich als ich auch einige Fundstücke aus meiner Heimat vorfand. Und zwar handelte es sich um Funde aus der Hallstatt Zeit, die in einem Ort namens Kleinklein ausgegraben wurde. Dieser Ort liegt nicht unweit von mir und ist wider Erwarten tatsächlich nicht besonders groß.
Richtig groß hingegen waren ein paar antike Kalender. Darunter der Kalender von Coligny. Er stammte zwar aus dem 2. Jh. nach Christus, war also nicht mehr so alt, beinhaltete aber viel Text in gallischer Sprache. So konnte ich mal die Sprache von Asterix und Obelix genauer betrachten.
Deutlich älter waren dann wieder Funde von der Nuraghenkultur auf Sardinien. Auch die Werkstätte ganzer Schmiedewerkstätten der Bronzezeiten wurden gezeigt. Faszinierend auch goldene Rasiermesser mit seltsamen Symbolen.
Das seltsamste Symbol war für mich jedenfalls eine Abbildung, wo ein Fisch einen Menschen schluckt. Eine Frühform der Warnung vor dem weißen Hai am Badestrand? Oder doch etwas kultisches?
Leider fand ich keine Antwort darauf, den das Ausstellungsende an diesem Tage näherte sich mit Riesenschritten. Rasch sah ich mir noch ein paar Minuten auf einem Video an, das in einem kleinen abgeteilten Raum gezeigt wurde. Dabei handelte es sich um eine Berichterstattung über Funde im Traisental und über festgestellte Krankheiten der damaligen Zeit. Schade, das hätte ich mir gerne mal genauer angesehen...
Wer sich die Ausstellung und das Video selbst ansehen möchte, hier noch ein paar Details:
Die Ausstellung befand sich im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Dieses erreichte ich vom Hauptbahnhof aus zu Fuß, indem ich durch die Königsstraße marschierte und bei der Mauthalle nach links einbog. Nach einer Minute konnte ich dann schon das große Gebäude des Museums erkennen.
Gegenüber dem Museum sah ich die Einfahrt eines Parkhauses. Ansonsten gab es nur wenige Parkplätze in den umliegenden Straßen.
Der Eintritt war für mich kostenlos, da ich mit einer Nürnbergcard unterwegs war (18 Euro, 2 Tage gültig, kostenloser Eintritt in ca. 30 Museen)
Der reguläre Eintritt hätte 5 Euro gekostet. Die Eintrittskarte gilt dann aber für das ganze Haus.
Direkt vor dem Ausstellungssaal befand sich die Museumsgastronomie.
Die Toiletten befanden sich im Tiefparterre direkt neben der Garderobe. Leider waren sie nur über Stufen erreichbar und waren somit nicht rollstuhltauglich.
Obwohl ich den Aufzug selbst nicht bemerkte, kann man lt. Museumspersonal die Stufen zur Ausstellung via Aufzug überwinden. Die Ausstellung selbst erschien mir rollstuhltauglich.
Der Museumsshop des Germanischen Nationalmuseums bietet eine Vielzahl von Büchern zu den Themenkreisen Kunst, Geschichte und Völker an.
Hervorheben möchte ich das Angebot zum Ausstellungskatalog. Dieser kostet während der Ausstellung nur 19,00 Euro, während er im Buchhandel um 24,90 Euro angeboten wird.
Zwar entdeckte ich einige Geräte, aber diese werden angeblich nur während den Führungen eingesetzt. Es gibt Regelführungen zu bestimmten Zeiten.
Ich war von der Präsentation dieser Ausstellung wirklich beeindruckt. Hier wurden nicht nur ausgegrabene Stücke präsentiert, hier wurde bewusst eine faszinierende Welt des Kultischen erzeugt. Unter diesem Eindruck kann ich dieser Ausstellung nur die Bestnote geben!
Weitere Reisenotizen und Links
Webseite des Museums