Obwohl ich nun schon 20 Jahre durch die Welt reise (die ersten 15 Lebensjahre verbrachte ich aus Geldmangel zuhause), bin ich im Herzen doch noch ein Kind geblieben. Und deshalb musste ich mir natürlich eine Ausstellung über Spielfiguren unbedingt ansehen.

Ausstellung (06.06.2003 - 19.10.2003)

Die Ausstellung im Spielzeugmuseum Nürnberg handelte im Wesentlichen von den Elastolin Figuren der Firma Hausser. Im Besonderen wurde die Geschichte der Entstehung der einzelnen Modellreihen geschildert und an Hand von spannenden Dioramen dem Ausstellungsbesucher nahe gebracht.

Schon beim Betreten des Museums stieß ich auf die erste Installation im Rahmen der Ausstellung. Eine Gruppe von zu allem entschlossenen Ritter-Figuren versuchten eine Burg zu erstürmen.

Hier verbrachte ich schon mal einige Zeit bis ich alle Details der Burg und der Figuren für mich erfasst hatte (und dabei hatte ich noch gar keine Eintritt bezahlt!).

Nach der Kassa ging es dann gleich spannend weiter. Ich stieß auf einen großen römischen Palast, vor dem eine Hundertschaft von römischen Legionären eine Parade abhielten. Auch hier verbrachte ich einige Zeit mit zusammengekniffenen Augen um die einzelnen Uniformdetails der Römer zu checken. Ob alles historisch korrekt war möchte ich jetzt nicht beurteilen, auf jeden Fall war es prächtig.

Im Ausstellungsraum selbst prallte ich dann gleich noch mal gegen etwas römisches. Hier wurde in einem großen Schaukasten eine Szene bei Carnuntum dargestellt. Eine Truppe Römer marschierte am Heidentor vorbei auf die Stadt zu. Als liebevolles Detail waren vor dem Schaukasten kleine Schemel aufgestellt, damit auch die kleinen Kinder einen guten Einblick haben. Das Diorama fand ich insofern bemerkenswert, weil Carnuntum in der Nähe von Wien liegt, und ich es samt Heidentor gut kenne.

Dann wurde es langsam informativ. Die Schautafeln erklärten mir die Produktpalette der Firma Hausser, die es ja leider seit 1983 nicht mehr gibt. Sie musste damals Konkurs anmelden, allerdings wird die Produktpalette zum Teil von der Firma Preiser weitergeführt.

Bei den vorgestellten Produkten konzentrierte man sich hauptsächlich auf Produktreihen nach dem 2. Weltkrieg. Hier dominierten vor allem Römer, Ritter und Indianer. Warum das so war, wurde mir erst im Laufe der Ausstellung klar.

Die Produktpalette war nämlich ein Abbild des Zeitgeistes. Während im 2. Weltkrieg hauptsächlich deutsche Miniatursoldaten die Bänder der Fabrik verließen, entwickelte sich der Geschmack der Kinderherzen nach dem Krieg hauptsächlich entlang der erfolgreichen Kinofilme und Jugendromane.

So führten so genannten "Sandalenfilme" wie etwa "Ben Hur" oder "Spartakus" zur Römerserie, solche Comic Serien wie "Prinz Eisenerz" zur Ritterserie und Romanverfilmungen von Karl May zur Indianerserie. Bezüglich Winnetou ging man sogar so weit, das man den Figuren die Gesichtszüge von Pierre Brice (Winnetou) und Lex Barker (Old Shatterhand) gab.

Damit habe ich eigentlich den Informationsgehalt der Ausstellung schon umrissen. Erwähnenswert sind aber auf jeden Fall die weiteren Dioramen, die ich zu sehen bekommen hatte.

So konnte ich weitere Burgen sehen, bei denen gerade versucht wurde, die Tore einzurennen. Oder Städte des Wilden Westens, wo die Kutschen durch die Straßen fuhren. Oder eine Nachbildung des römischen Limes, der zweifellos gerade das Problem eines heftigen germanischen Einfalles zu Bewältigen hatte.

Auch der Prototyp eines Wikingerschiffes wurde ausgestellt. Allerdings ging dieses Spielzeug nie in Serie, da es zu kompliziert war (ich hätte es bestimmt innerhalb einer Stunde nachhaltig ruiniert)

Darum haben mir meine Eltern wohl nie diese Burgen geschenkt, die man während meiner Kinderzeit kaufen konnte. Bei einer der ausgestellten Burgen war doch glatt noch der Preiszettel aufgeklebt! Sie kostete rund 39 DM, allerdings war das ein Preis aus dem Jahre 1971. Damals sicher zu teuer für viele Familien.

Schon billiger mussten damals die Kulissenschachteln gewesen sein, die mir als Kind nicht mehr aufgefallen waren. Dabei wurden die Figuren in Schachteln angeboten, die vollständig entfaltet eine passende Kulisse zu den Figuren bildeten. Meiner Meinung nach eine sehr clevere Idee!

Größtes Schaustück der Ausstellung war übrigens ein Spielzeugladen, der scheinbar irgendwo aufgekauft wurde und in das Museum verfrachtet wurde. Hier konnte ich weitere interessante Schachteln mit Figuren entdecken, allerdings bevorzugt Ausgaben auf den 50iger Jahren.

Nachdem ich mir also an der Auslage eines Spielzeugladens der 50iger Jahre die Nase platt gedrückt hatte, verließ ich die Ausstellung und suchte Labung in einem Nürnberger Biergarten.

Wer selbst mal diese Dioramen sehen möchte, hier noch einige Infos:

Lage

Die Ausstellung war im Erdgeschoß des Spielzeugmuseums in Nürnberg untergebracht. Erreicht habe ich es zu Fuß, indem ich vom Hauptbahnhof geradeaus durch die Königsstraße bis zum Hauptmarkt ging und hinter dem schönen Brunnen nach links abbog. Die Museen sind in Nürnberg alle schön ausgeschildert, man kann sie gar nicht verfehlen.

Parken

Wer trotzdem mit dem Auto fährt, könnte seine Karosse gut im Parkhaus schräg gegenüber dem Spielzeugmuseum unterbringen.

Eintritt

Ich bezahlte keinen Eintritt, weil ich mit einer Nürnberg Card unterwegs war (18 Euro, freier Eintritt in ca. 30 Museen, darunter auch der Tiergarten). Ansonsten beträgt der Eintritt 4 Euro (Vollpreis.)

Gastronomie

Gastronomie gab's im Museum keine, aber nicht weit vom Museum entfernt wimmelt es nur so von leckeren Biergärten und Weinstuben.

Toiletten/Mobilität

Die Ausstellung war für Rollstühle geeignet. Die Toiletten befanden sich in einem anderen Teil des Museums. Eine eigene Behindertentoilette fiel mir allerdings nicht auf.

Museumsshop

Im Museumsshop gab es jede Menge Figuren zu kaufen. Die Preise betrugen so zwischen 9,50 Euro bis 22,50 Euro. Eigentlich kann ich mir diese Figuren heute genau so wenig leisten wie seinerzeit meine Eltern.

Audio Guide/Führungen

Ein Audio Guides wurde nicht angeboten. Es gibt allgemeine Führungen zum Museum, die Ausstellung selbst scheint keine eigene Führung zu haben.

Resümee

Für mich was es eine schöne Gelegenheit das Spielzeug meiner Kindheit etwas näher kennen zu lernen. Die Ausstellung war vielleicht nicht so informativ, trotzdem war sie durch die Dioramen sehenswert und in ihrer Gesamtheit eine interessanter Einblick wie die Spielzeuggestaltung durch Film und Romane beeinflusst wurde.

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Bildnachweis
Travelwriter (1)