Schon immer übten die Plakate früherer Zeiten eine seltsame Faszination auf mich aus. Fast scheint man in den Farben und Formen dieser Werke ein wenig das Lebensgefühl dieser Zeiten erfahren zu könne und so eilte ich kurz nach ihrer Eröffnung zur neuesten Ausstellung über Plakate nach Wien.

Lage

Die Ausstellung befand sich im historischen Museum der Stadt Wien am Karlsplatz. Durch diese erstklassige Lage hatte ich auch Gelegenheit mir in Anschluss an der Ausstellung die prächtige Karlskirche und die Pavillons von Otto Wagner anzusehen.

Die nächstgelegenen Stationen der öffentlichen Verkehrsmittel waren die U-Bahnstation Karlsplatz und die Straßenbahnhaltestellen Schwarzenbergplatz oder Gußhausstraße der Linie D.

Parken

Das Museum hatte keine eigenen Parkplätze, Autofahrer müssten sich nach diesen erst in den umliegenden Straßen umgucken. Also besser gleich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.

Wien bietet eine tolle 72 Stunden Karte an, mit der man alle öffentlichen Verkehrsmittel benutzen kann und die gleichzeitig Vergünstigungen in zahlreichen Museen einräumt.

Eintritt

Für mich betrug der Eintritt 3,60 Euro (Vollpreis). Als Eintrittskarte bekam ich eine kleine Blechmarke mit dem Logo des Museums. Diese konnte ich bequem an meinem Hemd befestigen und war so zum Eintritt in alle Abteilungen des Museums legitimiert. Ich konnte mir also auch das andere Programm des Museums ansehen.

Garderobe/Fotografieren

Die Garderobe war bewacht und nahm meinen Rucksack kostenlos zur Verwahrung entgegen. Die Frage nach dem Fotografieren konnte nicht eindeutig beantwortet werden. Im Museum selbst ist das Fotografieren ohne Blitz erlaubt, bei besprochenen Ausstellung eher nicht.

Ausstellung

In Wien hatte ich mir schon einmal eine sehr schöne Ausstellung über Plakate angesehen. Diese fand im Theatermuseum von Wien statt, wo ich schon mit großer Begeisterung durch die mondänen Reiseplakate und grausam kämpferischen Plakaten der politischen Parteinen schlendern konnte.

Gibt es dazu eine Steigerung? Ja, die gibt es und ich fand sie bei der Ausstellung "Kraftflächen - "Wiener Plakatkunst um 1900". Schon der Titel ließ mir erahnen, auf was die Ausstellungsleitung hinaus wollte. Auf die seltsame Kraft, die auf uns Plakate nun mal ausüben können, mit der sie uns gleichsam in ihren Bann ziehen können.

Allerdings überraschte mich dann die Ausstellung auf einem anderen Gebiet. Bisher waren Plakate für mich eben nur hübsch bedrucktes Papier, wo es müssig war zu fragen, wer eigentlich die Plakate entworfen hatte.

Hier in Wien wurde ich aber eines Besseren belehrt! Den um die Jahrhundertwende waren die Plakate nicht bloß ein Mittel zum Zweck, nein, die berühmtesten Künstler der Zeit betrachteten sie als weiteres Medium um ihre Kunst auszudrücken.

So beteiligten sich so anerkannte Künstler wie Egon Schiele, Oskar Kokoschka und Gustav Klimt am Gestalten von Plakaten. Und genau diese Plakate waren zum Teil als Originalvorlage bei dieser Ausstellung zu sehen!

Statt einigen Ausgewählten Exemplaren von Massenware stand ich rund 80 Plakaten gegenüber, wo einige einen beträchtlichen Wert für sich darstellten.

Trotzdem waren sie nicht wie Kunstwerke aufgehängt, sondern hangen ziemlich knapp nebeneinander an grauen Wandflächen in relativ dunklen Gängen. Wie ich bei einer Führung mithören konnte, wollte man mit dieser Anordnung an die Straßen der Jahrhundertwende anspielen, wo die Plakate dicht an dicht an den Wänden hingen und förmlich um die Aufmerksamkeit der Vorbeigehenden schrieen.

Einige Exemplare waren dabei wirklich entsetzlich schrecklich, die Benetton Werbung von heute ist dagegen einen blühende Wiese mit Gänseblümchen. Aber das war scheinbar zum Teil der Zeitgeist in den letzten Jahren der österreichischen Monarchie.

Wie diese Straßenwände tatsächlich ausgesehen haben, zeigte mir eine Diashow, die mich ebenfalls begeisterte. So wurden auf einer großen Wand Bilder von Straßen um 1900 gezeigt, die voller Plakate waren. Der angenehme Nebeneffekt von solchen Bildern ist natürlich, dass man gut erkennen kann, wie die Straßen Wiens vor 100 Jahren ausgesehen haben. Ein Paradies für Nostalgiker!

Mein persönliches Paradies waren vor allem die klassisch schönen Werke von Klimt, die zur diversen Kunstausstellungen einluden.

Bemerkenswert fand ich Plakate die zu einfachen Sommerfesten einluden, aber prächtig ausgeführt waren. Heute hängt man ja eher ein gelbes A4 Blatt hinter die Scheibenwischer der Autos.

Interessant dabei waren auch die verschiedenen historischen Details, die man da rauslesen kann. Heute übernimmt mal ein Bundespräsident den Ehrenschutz zu so einem Fest, damals waren es die Gräfin von so und so weiter.

Am liebsten mitgenommen hätte ich die mondänen Plakate, die damals noch für die österreichischen Seebäder an der Adria warben, so eindrucksvoll waren sie. Leider kosten solche Plakate nicht eben mal 7 Euro, sondern sehr viel mehr.

Aber einen Gusto machten sie mir schon und so ging ich mit Wasser im Mund aus dieser spannenden Ausstellung raus und suchte in einem Café meinen Appetit zu stillen.

Gastronomie

Das Museum verfügte über ein eigenes Café, bei der ich bei  einem leckeren Toast und einem "Seiderl" Bier auch im Internet kostenlos surfen konnte.

Toiletten/Mobilität

Die Toiletten befanden sich im Kellergeschoß unter dem Café. Eine eigene Behindertentoilette fiel mir nicht auf. Die Ausstellung war durchgänging für Rollstühle geeignet. Die Räume wirkten allerdings etwas dunkel für meinen Geschmack.

Museumsshop

Der Museumsshop bot ein reichhaltiges Angebot an Büchern, Videos und Souvenirs, hauptsächlich mit Themen über Wien. Zur besprochenen Ausstellung selbst wurde ein Katalog um 25 Euro angeboten. Ich blätterte ein wenig darinnen und stellte fest, das er vor allem sehr schöne Abbildungen der Plakate enthält. In den Begleittexte wird thematisch auf die Plakate eingegangen, es werden aber nicht alle explizit erklärt.

Audio Guide/Führungen

Ein Audio Guide wurde nicht angeboten. Leider versäumte ich es, meinen Besuch auf den Beginn einer Führung abzustimmen. So konnte ich nur zu einem Teil bei einer Führung "mithören". Das Gehörte reichte aber für mich aus, um zu sagen, dass die Führungen ein echter Mehrgewinn darstellen.

Die Führerin schien sich mit der Materie sehr gut auseinandergesetzt zu haben und konnte zu den einzelnen Plakaten echt unglaubliche Geschichten erzählen.

Laut der Dame an der Kassa sind die Führungstermine am SA, SO, DI und DO um 16:00, sowie am SO um 11:00

Resümee

Insgesamt hat mir die Ausstellung sehr gut gefallen, den durch sie erfuhr ich doch einiges neues: Zum Beispiel, dass damals Plakate einerseits wahre Kunstwerke waren, zum Anderen das es schon zur Jahrhundertwende so etwas wie eine Plakatflut gab. Ich war begeistert von der Ausstellung und habe ihren Besuch nicht bereut.

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Wien Museum am Karlsplatz
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Bildnachweis
Travelwriter (1)