Angeblich ist Salzburg das Bayreuth für Leute die Wagner nicht mögen. Das soll wohl eine Anspielung auf die Salzburger Festspiele sein, die genauso elitär gehandhabt werden, wie die in Bayreuth. Allerdings spielt man bei uns kaum Wagner. Als ich nach Salzburg kam, wurde sogar überhaupt nichts gespielt und deshalb besuchte ich stattdessen die Residenzgalerie.
Ausstellung
Die Galerie bestand aus einigen wenigen sehr großen Räumen, deren Wände Bilder im großen Abstand voneinander trugen. Damit möchte ich sagen, es war alles sehr übersichtlich und ich hatte keinen Stress mir alles einigermaßen aufmerksam anzusehen.
Auffallend und auch geschmackvoll waren kleine Tische mit gläsernem Aufsatz, in denen aufgeschlagene Kataloge der Galerie gezeigt wurden. So konnte ich mir ein Bild davon machen, was es bedeuten würde, so einen Katalog zu besitzen.
Sehr attraktiv aber auch sehr teuer wirkte die Beleuchtung der Bilder, die an zarten Schienen über den Bildern für gutes Licht sorgten. Wie man meinen Ausführungen vielleicht spätestens jetzt entnehmen kann, war ich von den Räumen schon bald mehr begeistert als von den Bildern.
So fand ich eine große Vase mit Seidenblumen in einer Ecke des Raumes absolute Spitze, in diesen ansonsten nur sparsam möblierten Räumen. Lange Zeit verbrachte ich auch vor den wertvoll wirkenden Kaminen, die wie Luxusgüter in den Ecken der Ausstellungsräume auf ihre Benutzung warteten.
Die Bilder selbst fand ich zum Teil langweilig, aber das ist eben auch ein Ausdruck meiner kaum vorhandenen Kenntnisse über alte Meister. Spektakulär fand ich ein, in einer speziellen Vorrichtung gesichertes, Gemälde von Rembrandt mit dem Titel "Die betende Frau". Das Bild war eher klein und die Frau eher unattraktiv gemalt, doch scheint man in der Galerie darauf besonders stolz zu sein.
Hier wäre vielleicht ein kleiner Exkurs angemessen. Laut Website wurde die Galerie im Jahre 1923 gegründet und startete zunächst mal nur mit Leihgaben!
Die Residenz hatte seinerzeit das Problem, dass nicht nur die dort residierenden Bischöfe eifrige Bildersammler waren, sondern auch die vorbeiziehenden napoleonischen Truppen. Seitdem mangelnde es an Kunstwerken, was erst im Laufe der Zeit wieder in Ordnung gebracht werden konnte.
Zur Zeit verfügt die Galerie hauptsächlich Bilder der europäischen Malerei des 16. bis 19. Jahrhunderts. Davon hauptsächlich Bilder des Barocks aus Italien, Frankreich, Österreich und den Niederlanden. Bekannte Maler wären wohl Rubens, Breughel, Rembrandt, Makart, Amerling und Waldmüller.
Dann war es soweit! Ich traf auf die ersten Bilder, die mich wirklich bewegten. Es waren Landschaftsbilder. Aber die hatten es in sich. Eine Landschaft inmitten bäuerlicher Gegend mit einem reißenden Bach im Vordergrund zog mich derartig in den Bann, dass ich am liebsten unsere geordnete Welt mit ihren Straßen, Brücken und Ampeln verlassen hätte um in diesem Bild der blanken Natur zu begegnen, wo sich noch jeder selbst seinen Weg bahne musste.
Auch hatte ich den Eindruck, als ob der Maler die Sonnenstrahlen an jenem Tag im Bild gefangen genommen hätte und ich mich in ihrem Glanze erwärmen könnte.
Also meditierte ich eine Zeit lang vor diesem und ähnlichen Bildern und ging dann in einen Raum mit Salzburger Ansichten weiter. Solche Ansichten mag ich sehr, den sie geben mir einen Eindruck wie eine Stadt mal vor 100 oder 200 Jahren ausgesehen haben mag.
Salzburg war zum Beispiel während des 30 jährigen Krieges sehr stark befestigt, doch keiner würde diese Befestigungen heute noch erkennen. Es sei denn, er betrachtet solche Bilder und sucht in ihnen bekannte Straßenzüge.
Das war aber dann schon der letzte Raum und mit dem Vorsatz, genau jene in den Bildern entdeckten Festungsbauten zu fotografieren, verließ ich die Galerie.
Für Besucher der Stadt Salzburg, die nun auf den Geschmack gekommen sind, ein paar weiterführende Infos:
Lage
Die Residenzgalerie befindet sich im zweiten Obergeschoß des Osttraktes der Residenz am Residenzplatz 1. Sie liegt damit im Herzen der Innenstadt Salzburgs und ist gut kombinierbar mit dem Besuch des Dommuseums, der Festsäle der Residenz oder einer Fahrt mit der Festungsbahn rauf zur Festung von Salzburg.
Parken
Ich selbst fuhr ja mit öffentlichen Verkehrsmitteln, weil das mit der Salzburg Card zu 19 Euro kostenlos möglich war. Eine gute Karte wie ich finde, den Autofahrer haben deutlich die schlechteren Karten. Ich konnte bei besten Willen keine Parkplätze erkennen, wenn ich mal die Standplätze der Fiaker außer Betracht lasse.
Eintritt
Der Eintritt hätte für mich 5 Euro (Vollpreis) betragen, aber mit der Salzburg Card war auch dieser kostenlos. Diese Karte bietet auch bei vielen anderen Museen freien Eintritt und ermöglicht Rabatte bei einigen interessanten Geschäften Salzburgs.
Garderobe/Fotografieren
Eine Garderobe war innerhalb des Kassenbereichs untergebracht und damit sehr gut bewacht. Das Fotografieren war nicht erlaubt.
Gastronomie
Neben dem Kassenbereich befanden sich ein paar Kaffeetische, die vom Kassenpersonal mit bedient wurden. Es wurden in erster Linie Getränke (z.B. Cola zu 1,20 Euro) und Süßigkeiten angeboten.
Toiletten/Mobilität
Die Toiletten befanden sich im mittleren Bereich der Ausstellungsräume. Sie waren äußerst modern ausgerüstet und verfügten sogar über eine automatische Deckelreinigungsanlage. Das musste ich natürlich ausprobieren und so ertönten so manche Schleif- und Putzgeräusche aus der Zelle.
Offiziell ist die Residenzgalerie nur über die sehr lange Treppe erreichbar. Besucher, die nicht so gut zu Fuß sind, können sich aber beim Portier am Eingang der Residenz melden. Er sorgt dann dafür, dass man auch mit dem Transportaufzug in die Residenzgalerie fahren kann. Oben sind dann alle Wege eben, eine eigene Behindertentoilette fiel mir aber nicht auf.
Museumsshop
Der Museumsshop befand sich gleich neben der Kasse und verfügte über ein sehr breites Angebot, dass weit über das eigentliche Ausstellungsthema hinausging. So wurden auch Regenpellerinen und Kochbücher angeboten. Es gab auch ein Wörterbuch Deutsch - Österreichisch um 2,50 Euro. Besonders preiswert waren sehr schöne Poster von vergangenen Ausstellungen um nur 1,00 Euro!
Resümee
Mir haben nur einige wenige Bilder wirklich gefallen, die waren aber dafür ein Erlebnis. Sollte mal jemand mit kunstbegeisterten Freunden die Galerie besuchen "müssen", bleibt der Trost, dass sie recht überschaubar ist und nicht viel Zeit in Anspruch nehmen wird.
Weitere Reisenotizen und Links
Webseite der Residenzgalerie