Über das antike Liebespaar Caesar und Kleopatra wurde schon sehr viel geschrieben. Unter anderem hat auch der für seine historischen Romane bekannte Autor Philipp Vandenberg ein Buch verfasst, dessen Taschenbuchausgabe ich hier kommentieren möchte.

Der Autor schreibt in einem leicht lesbaren Buch über die Geschichte von Caesar und Kleopatra und die letzten Tage der römischen Republik. Dabei spielt er auf den Umstand an, dass der Tod Caesars das Ende der Republik einleitete und durch den Triumph des bald darauf allein herrschenden Octavian über Kleopatra endgültig Gewissheit wurde.

Autor

Als Namen kannte ich Vandenberg schon länger. Zufällig lernte ich dann im Sommer eine Fremdenführerin kennen, die mir die Zweitwohnung von Vandenberg auf der Burg von Burghausen zeigte. Dies nahm ich zum Anlass mir mal ein Buch des Autors durchzulesen. Vandenberg scheint sehr gerne Bücher über historische Themen zu schreiben, die nach den bisher gelesenen Buchberichten zwischen Sachbuch und Roman schwanken ("Die Sixtinische Kapelle", "Der Schatz des Priamos")

Inhalt

Schon die ersten Seiten des Buches begannen für mich mit einem Knalleffekt. Vandenberg erzählt über Caesar und seinen jungen Jahren. Dabei schilderte er den späteren Feldherren als bi-sexuell und ausgesprochenen Frauenheld. Das warf für mich natürlich ein ganz anderes Licht auf die Romanze zwischen Kleopatra und Caesar. Angeblich war sie so hübsch, das es ihr gelang, den römischen Feldherren zu verführen. Nur, wenn er so ein Frauenheld war, wer hat da wen verführt?

Natürlich hat Caesar nicht nur Frauen gejagt, nein, er jagte auch durch halb Gallien bis rauf an die Küsten Britanniens und entlang den  Rheinufern Germaniens. Diesem Teil der Geschichte widmete der Autor doch einige Seiten und schildert wie Caesar seine nächsten Schachzüge immer politisch klug plante.

Schon etwas weniger Worte verlor dann der Autor über den Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius. Meiner Meinung nach, verkürzte er die Darstellungen derart, dass man auf Grund dieses Buches keinen richtigen Eindruck von diesem Bürgerkrieg bekommen würde.

Ein für mich amüsantes Bild zeichnete Vandenberg von Cicero, den wohl jeder Latein geplagte Schüler kennt. Aber wer weiß schon, was für ein eingebildete Geck dieser Cicero gewesen sein soll?

Vandenberg lässt kein gutes Haar an ihm, beschreibt ausführlich wie Cicero immer und immer wieder versuchte, sich selbst als Retter der Nation anzupreisen. Zum Schluss konnte er sich selbst nicht retten und starb den Tod des verkannten Menschenfreundes.

Ich musste bei Cicero schon alleine deshalb lächeln, weil er mich doch stark an einen österreichischen Politiker erinnerte, der während einer TV Diskussionsrunde gleich 2x hintereinander anbot, die Spitzenkandidatur für seine Partei zu übernehmen, nur keiner ging auf seine Angebote ein, es gab kein Ja, kein Nein, die totale Ignoranz vor 100.000 Zuschauern.

Aber zurück zum Buch. Was mir sehr gut an dem Buch gefallen hatte, Vandenberg erzählt sehr viel über die Vorfahren von Kleopatra. So beschreibt er ausführlich die verschiedenen Ptolemäer und Kleopatras, beginnend mit dem Tod Alexanders des Großen bis zur jener Kleopatra, um die es in diesem Buch eigentlich ging.

So wurde mir als Leser erst wieder so richtig bewusst, Kleopatra war weniger Ägypterin, eigentlich mehr Griechin. Auch über die kulturellen und technischen Entwicklungen am Hofe der Ptolemäer schrieb er derartig eindrucksvoll, dass ich gute Lust bekam, mich mal in eine Zeitmaschine zu setzen und dort vorbei zu sehen. So schilderte er einen Palast wo die Besten der Besten ihr Leben lang gegen freie Kost und Logis ihren Forschungen nachgehen konnten. Einer soll sogar kurz vor der Erfindung der Dampfmaschine gewesen sein.

Bei seinen Ausführungen verwendete Vandenberg übrigens immer die vollständigen Namen der handelnden Personen und so erfuhr ich auch den richtigen Namen des gemeinsamen Sohnes von Caesar und Kleopatra. Die meisten Autoren, die ich bisher gelesen hatte, nannten ihn immer nur Caesarion, was aber laut Vandenberg nur ein Spottname gewesen sein soll.

Dabei fällt mir ein, mich hatte immer schon eines interessiert: Wenn Caesar so ein Filou war, warum werden kaum Kinder erwähnt? Vandenberg beschäftigt sich in seinem Buch auch ein wenig mit diesem Thema, tatsächlich wurden überhaupt nur zwei Kinder Caesars bekannt, darunter der gemeinsame Sohn mit Kleopatra. Könnte es vielleicht sein, dass Caesar impotent war?

Peinliches Thema, vor allem für einen Feldherrn! Darum wechseln wir es gleich. Packend beschrieben sind die Wochen Caesars, während denen er im Palast Kleopatras von den wütenden Ägyptern belagert wird. Die Hintergründe dazu sind zwar kompliziert aber doch gut geschildert, spannend jedenfalls wie Caesar versucht den Belagerungszustand durch allerlei Finten zu durchbrechen.

Auch den Tratsch im guten alten Rom lässt Vandenberg nicht aus, als Kleopatra irgendwann später mal in die Hauptstadt des Imperiums zu Besuch kommt. Geschickt versucht Vandenberg zu beweisen, dass Caesar sich eigentlich schon von Kleopatra abwandte, bis er schließlich unter den Dolchen seiner Mörder starb.

Zurück bleiben eine trauernde Kleopatra und gleich zwei Nachfolger Caesars, die sofort beginnen ihre Claims abzustecken: Sein Adoptivsohn Octavian und sein General Antonius.

Antonius ist ja bekanntlich der nächste, der sich von Kleopatra verführen lässt und mit ihr gleich mehrere Kinder zeugt, bzw. Welteroberungspläne schmiedet.

Allerdings  lässt Vandenberg den neuen Gemahl Kleopatras nicht besonders gut aussehen, er schildert ihn eher als einen eitlen General, der durch den Kontakt zu Kleopatra fortwährend eine Fehlentscheidung nach der anderen trifft. So verbockt er den Feldzug gegen die Parther, während sein stocksteifer Gegenspieler Octavian Zug um Zug Pluspunkte bei seinen Feldzügen am Balkan sammelt.

In der Entscheidungsschlacht zwischen Antonius und Octavian im Golf von Actium verliert Antonius nicht nur seine Haltung sondern auch gleich seine Flotte und seine Legionen. Völlig verbittert kehrt in die Arme seiner Geliebten Zurück und endet durch Selbstmord. Auch Kleopatra tötet sich daraufhin selbst.

Hier überrascht Vandenberg den durch TV und Kino gebildeten Leser, den das Liebespaar stirbt keineswegs gemeinsam. Erst nachdem Kleopatra feststellen musste, dass sie Octavian nicht verführen kann, richtet sie sich selbst. Leider kein Happy End in diesem Buch.

Angereichert war das Buch mit einigen wenigen Karten, darunter die Schlachtordnung bei der Seeschlacht von Actium. Weiters gab es Stammbäume von Caesar und Kleopatra zu entziffern. Interessant fand ich eine Beschreibung von politischen Ämtern im alten Rom, Staatsbürgerkunde für Jungrömer sozusagen.

Resümee

Es fällt mir schwer, dieses Buch richtig zwischen Sachbuch und Belletristik einzuordnen. Die romanhaften Inhalte sind nur sehr vereinzelt vorhanden, für ein Sachbuch erscheint mir der Quellenverweis zu dürftig. Ich würde sagen, es ist ein spannend lesbares Buch für die Bahnfahrt oder für die Schlummerlektüre. Für ein Referat würde ich es nicht verwenden, es sei den der Lehrer schätzt Referatstitel wie "Wer war der Vater von Caesar`s Sohn?"

Zurück nach oben

Cäsar und Kleopatra
Philipp Vandenberg
Bastei Lübbe 2000
ISBN 3-404-61454-2

Neue Seite

© Impressum

 

 

Mehr Reisenotizen über
Römerliteratur