Römer und Rumänien! Diese beiden Begriffen klingen nicht nur ähnlich, nein sie haben sogar einen historischen Bezug zueinander. Dieser geht bis auf jene Zeit zurück, als das römische Reich unter Führung seiner Kaiser versuchte das Volk der Daker zu unterwerfen. und genau zu diesem Volk habe ich mir jüngst in der Bibliothek ein Buch ausgeliehen.

THEMA

Bei dem von mir gelesenen Buch handelte es sich um das Begleitbuch zur Ausstellung "Die Daker" im römisch-germanischen-Zentralmuseum in Köln im Jahre 1980.

Darin wird die Geschichte des Volks der Daker beschrieben, die zur Zeit des römischen Reiches auf dem Gebiet des heutigen Rumäniens siedelten.

AUTOREN

Bei den Autoren handelte es sich um eine ganze Autorengruppe, gebildet aus deutschen und rumänischen Vertretern der Archäologie.

INHALT

Der Inhalt gliederte sich in einem sehr ausführlichen erzählenden Teil und in einen Katalogteil, wo ich eine Vielzahl von Abbildungen der Ausstellungsstücke vorfand.

Die Zeit vor den Dakern

Nach den bei Katalogen üblichen Einführungsworten verschiedener Vertreter der Ausstellungsverantwortlichen widmete sich das Buch der Zeit vor den Dakern. Im wesentlich erfuhr ich hier, dass diese Kultur zuerst von der mykenischen, später von der Hallstätter Kultur beeinflusst wurde. Das war für mich natürlich interessant , den der Ort Hallstatt liegt ja nicht so weit von mir entfernt.

Eisengewinnung und -verarbeitung

Zu diesem Teil des Buches hatte ich eine besondere Bezug, hatte ich doch ein Jahr zuvor die Ausstellung "Das Gold der Daker" im Bergbaumuseum Bochum besucht und hier erstmals Bilder von den römischen Bergwerken in Rumänien gesehen.

Recht anschaulich war in dem Buch die Eisengewinnung und -verarbeitung beschrieben, sei es der Aufbau der Brennöfen, seien es die verschiedenen Methoden der Herbeiführung der optimalen Brenntemperatur.

Da mein Heimatland Österreich auch einige Fortschritte bei der Eisengewinnung erzielt hatte, war es faszinierend zu lesen, dass das Prinzip des Luft Einblasens schon vor 2000 Jahren bekannt war.

Das Eisen in Ackerbau und Handwerk

Natürlich war ich dann gespannt zu erfahren, wie die Daker das Eisen für den täglichen Gebrauch angewandt hatten. Die nachfolgenden Texte sprachen hauptsächlich über landwirtschaftliche Geräte, wobei ich für mich überraschend erfuhr, dass man in der antiken Zeit nur sehr selten den Rechen kannte und einige der wenigen Exemplare ausgerechnet im ehemaligen Dakien gefunden wurden.

Die Handelsbeziehungen der Daker

Da frage ich mich natürlich warum diese Rechen nicht an andere Völker verkauft wurden? Im Kapitel über die Handelsbeziehungen erfuhr ich darüber nichts, dafür einige andere interessante Neuigkeiten. Durch penibles Zählen der Fundorte und der Anzahl von Münzen (wird im Buch genau erklärt), stellte man fest, dass die Daker lange vor ihrer Niederlage gegen Kaiser Traian bereits die römische Währung übernommen hatten und überhaupt bevorzugt mit Italien und weniger mit den direkten Nachbarn handelten.

Das Dakische Kunsthandwerk

Dem dakischen Kunsthandwerk war mit 28 Seiten relativ viel Platz im Buch gewidmet. Davon waren einige Seiten mit sehr eindrucksvollen Fotos von Fundstücken geziert. Ich muss zugeben, dass ich mir gerne Kunstwerke ansehe, aber nicht so gerne darüber lese.

Geblieben ist mir aber von den sehr ausführlichen Texten, dass die dakischen Kunstschmiede schon damals die Fähigkeit beherrschten, selbst 1 mm dünne Schmuckstücke aus verschiedenen Materialien herzustellen (innen minderwertiges Silber, und außen eine hauchdünne hochwertige Silberschicht)

Dakische Gottheiten und Heiligtümer

Zum Thema Heiligtümer fand ich in dem Buch eine Beschreibung des Heiligtums bei Sarmizegetusa vor. Hier konnte ich mir nicht nur durch einige Fotos von den Ausgrabungen sondern auch durch ein Modell ein Bild über diese heilige Stätte machen.

Das Reich der Daker

Dieser Teil des Buches handelte von der politischen Geschichte der Daker während der Kriege mit dem römischen Imperium und wurde von Hadrian Daicoviciu verfasst. Ich erwähne den Namen des Autors diesmal explizit, da ich es als schönen Zufall empfinde, dass der Autor mit einem Teil seines Namens gleich heißt wie jener Kaiser Hadrian, der dem Eroberer von Dakien auf dem Thron folgte.

Die Texte beschreiben im wesentlichen den Aufstieg des Dakerreiches unter den Königen Burebista und Decebal, wobei auch auf die einzelnen römischen Feldzüge vor dem endgültigen großen Krieg unter Traian eingegangen wird.

Besonders interessant fand ich Skizzen und Fotos des dakischen Befestigungssystems zum Schutz ihres religiösen Mittelpunkts Sarmizegetusa.

Beeindruckend auch die Beschreibung der 'murrus Dacicus', die dakische Art Mauern zu bauen, wo man sich schon Gedanken machte, wie man Wasser abrinnen lassen und die Holzteile gegen die Brandpfeile der Feinde schützen könne. Auch die Beschreibungen über die verschiedenen Torschutzanlagen waren spannend, erinnerten sie mich doch an Vorformen der bei den mittelalterlichen Burgen angewandten Zwinger.

Höhepunkt der Beschreibungen waren für mich natürlich die Seiten über die Feldzüge der Kaiser Domitian und Kaiser Traian, durch die ich ja zum ersten Mal von dem Volk der Daker erfuhr.

Leider ist die Quellenlage zu dieser Periode der römischen Geschichte nicht wirklich gut, zahlreiche geschriebene Dokumente gingen leider verloren. Ein Großteil des Wissens über die Dakerkriege stammen deshalb von den Abbildungen auf der Traianssäule, die noch heute in Rom unweit des Forum Romanum zu bewundern ist.

In dem Buch wurden hierzu auch Ausschnitte aus dieser Säule gezeigt. Leider wurde in dem Buch nicht genau geschildert mit welcher Methode man von den Bildern auf die historischen Fakten schloß, das wäre aber wahrscheinlich ein eigenes Buch wert.

Die Dakerkriege in der römischen Kunst

Diese Kapitelüberschrift war etwas irreführend, tatsächlich wurden auf den nächsten Seiten nur über Münzen und abermals über das Relief auf der Traianssäule erzählt.

Die Beschreibungen der Münzen waren aber für mich insofern interessant, als hier auch über die Symbolik der römischen Münzen gesprochen wurde. Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Kapitel auch für Numismatiker interessant wäre.

Weiters wurden mehrere Fotografien der Traianssäule und des Traiansforum in Rom gezeigt. Während die Bilder der Traianssäule im vorigen Kapitel noch Stiche waren, konnte ich hier erstmals Fotos von den besprochenen Szenen auf dieser Säule sehen.

Interessant auch die Fotos von Teilen eines weiteren Siegesdenkmals, dass Traian in Adamclisi errichten ließ, ein Ort im heutigen Rumänien. Leider ist von diesem Denkmal nur mehr der Kern übrig geblieben und eine Vielzahl von Bildtafeln, die auf Fotos in diesem Buch abgebildet worden sind.

Die Daker unter römischer Herrschaft

Auf leider nur vier Seiten schreibt dann zum Schluss Constantin Pop über die römische Herrschaft im ehemaligen Gebiet der Daker. Dabei erfuhr ich einiges über den hohen Grad der Romanisierung des Gebietes, die sich bis in die Neuzeit in einzelnen Details halten konnte. So ist Rumänisch keine slawische, sondern eine romanische Sprache.

Nicht unspannend dabei auch die Beschreibung der Namengebung innerhalb der nunmehr römischen Provinz Dacien. Immer mehr dakische Bürger wählten römische Namen, während die gängigsten drakischen Namen oft nur mehr außerhalb des Kernlandes angewandt wurden.

Geschichte der archäologischen Forschung in Rumänien

Die Geschichte der archäologischen Forschung las sich am Anfang etwas trocken, da mit die Aufzählung der rumänischen Archäologen nichts sagte. Es wurde dann zumindest spannender, als z.B. verschiedene Ausgrabungsorte aufgezählt wurden. Diese könnten mir einen Anhaltspunkt geben, wenn ich einmal das Land bereisen sollte.

Spannend fand ich zuletzt die Aktivitäten der Rumänen seit dem letzten Weltkrieg. So wurde erzählt, dass 1955 erst 69 schutzwürdige dako-römische Denkmäler bekannt waren, 1974 waren es hingegen schon 508.

Der Katalog

Normalerweise mag ich Kataloge ja weniger, weil sie mich gewöhnlich mit einer Vielzahl von Fotos und oft nur sehr kurzen Texten förmlich erschlagen. Hier war ich aber durch die Texte im Vorderteil des Bandes derartig neugierig auf die Form und Farbe der beschriebenen Gegenstände, dass ich es genoss, diese dann in Katalog nachschlagen zu können.

Resümee

Meine Neugierde bzgl. dem Volk der Daker wurde durch diesen Ausstellungsbegleitband nur zum Teil gedeckt, da der Teil speziell über die Feldzüge der Römer relativ klein war. Trotzdem gab es mir zumindest einen schönen Überblick über die Geschichte des antiken Rumäniens, der mir vor allem half, die sprachlichen Wurzeln des heutigen Rumäniens zu verstehen.

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Die Daker
Philipp von Zabern 1980
ISBN 3-8053-0457-9

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