Im Februar 2004 stieg ich wieder mal im Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe um und stand im Zug, während ich auf den Zug wartete.
Bei diesem Bahnhof muss ich gleich mal vorweg erwähnen, dass es sich nicht um den Hauptbahnhof von Kassel handelt, obwohl er durch die nur hier haltenden ICE zweifellos der größere und wichtigere Bahnhof ist. Ich spekuliere mal, dass er gerade wegen den ICE Zügen etwas abseits des Stadtzentrums gebaut wurde. Die Busse und Straßenbahnen direkt vor dem Bahnhof bringen die Besucher der Stadt Kassel aber rasch ins Zentrum. Extra auf einen Zug zum Kassel HBF zu warten würde ich persönlich nicht machen.
Baulich gesehen liegt der Bahnhof sehr speziell. Die Züge fahren nämlich unter der Bahnhofshalle durch, wie überhaupt alle Gleise auf tieferem Niveau als der Rest der Gegend liegen. Dadurch gibt es zum Verbinden der einzelnen Bahnsteige keine Personentunnel, sonder man bewegt sich von den Zügen entweder über Treppen und Rampen (ideal für Fahrradfahrer) auf die Bahnhofshalle zu, oder man fährt mit den Aufzügen direkt auf den Parkplatz, welcher sich über den Gleisen befindet.
Genau diesen Parkplatz entdeckte ich, als ich die Aufzüge des Bahnhofes ausprobierte. Er befindet sich auf dem Dach über den Gleisen, ist aber von den Straßen Kassels ebenerdig erreichbar. Laut dem Parkscheinautomaten kostet jede Stunde Parken 1,50 Euro. Für den ganzen Tag muss man 15 Euro berappen. Allerdings gibt es bei der Tagesgebühr einen Preisnachlaß, wenn man über bestimmte DB Karten verfügt. Genaue Details sollten sich beim Service Point erfragen lassen.
Im empfand den Bahnhof als übersichtlich, obwohl er durch die Treppen und Rampen nicht gerade "durchblickbar" ist. Bei Rendezvous würde ich eher Punkte oben in der Halle ausmachen, z.B. vor dem Servicepoint.
Die Ausschilderung empfand ich als ausreichend. Während meines letzten Besuches war allerdings die zentrale Anzeige über die aktuellen An- und Abfahrten deaktiviert und durch Anzeigen direkt bei den Bahnsteigen ersetzt worden. Diese trugen noch aufgeklebte Zettel mit dem Hinweis "Testbetrieb"
Eine zentrale Anzeige halte ich persönlich aber nach wie vor für wichtig, den diese hilft mir bei Bahnsteigänderungen zu erkennen, auf welchen Bahnsteig ich eigentlich zugehen muss. Da es aber nur wenige Bahnsteige gibt, empfinde ist dieses Manko aber als nicht so schlimm.
Eine Fahrkarte brauchte ich persönlich ja nicht, das Reisezentrum schien mir jedoch ausreichend dimensioniert zu sein. Dieses hat von SO – FR bis 21:30 offen, an Samstagen nur bis 20:30. Als Ersatz gibt es die bereits landesweit bekannten Fahrkartenautomaten, die ich nur in der Bahnhofshalle entdeckte.
Mobiles Auskunftspersonal an den Bahnsteigen entdeckte ich bisher noch nicht, auch Gepäckträger sind mir noch nie begegnet. Angenehm empfand ich, dass ich auf jedem Bahnsteig diese Hebebühnen entdeckte, die man braucht, um Rollstühle in und aus den Eisenbahnwagen zu heben.
Wer andere Sorgen hat, kann sich übrigens auch an die Bahnhofsmission wenden. Diese befindet sich leicht versteckt im Obergeschoß der Halle, das über eine schmale Wendeltreppe erreichbar ist.
Die Schließfächer waren über die ganze Eingangshalle verteilt und waren für meine Begriffe eher spärlich gesät. Es gab zwei Größen, die eine für 1,50 Euro, die andere für 3,00 Euro.
Die Toiletten befanden sich in der Halle vom Haupteingang betrachtet im linken Flügel. Da ich sie selbst nicht betrat, kann ich über Kosten und Sauberkeit leider nichts sagen. Was mir aber auffiel war die Behindertentoilette, die laut Schild mit einer so genannten Euroschließung versperrt ist. Falls man nicht über einen entsprechenden Schlüssel verfügt, soll man sich an das Servicepersonal wenden. Jetzt frage ich mich natürlich, wer von uns hat einen Euroschlüssel?
Der Bahnhof erschien mir insgesamt behindertentauglich. Leider befinden sich die Aufzüge nur am äußeren Teil der Bahnsteige. Wenn man also über die Bahnhofshalle die Bahnsteige verlassen möchte muss man sich entweder über die Rampen raufmühen oder man nutzt die Aufzüge und fährt dann eben bei Schnee und Regen über den Parkplatz auf die Vorderseite der Halle.
Zwar sind die Rampen eine schöne Sache für Sportler, die mit Fahrrädern einen Ausflug machen wollen. Aber ein Ersatz für eine Rolltreppe sind sie natürlich nicht.
Wie bereits erwähnt fehlte mir persönlich die zentrale Anzeige der An- und Abfahrten. Wenn ich es mir genau überlege, habe ich bisher noch keine von diesen Monitoren gesehen, wo man noch am Bahnsteig nachgucken kann, ob der Anschlußzug auch am vorgesehenen Bahnsteig einfahren wird. Angesichts des jungen Baujahres des Bahnhofes ein Manko.
Besonders positiv hervorheben möchte ich die gut hörbaren Lautsprecherdurchsagen, die ich zuletzt auch in englisch (!) erlebte.
Die Tourismusinformation entdeckte ich in der Bahnhofshalle selbst. Sie befand sich vom Haupteingang aus gesehen im rechten Flügel. Ihre Öffnungszeiten waren MO-FR von 09:00 bis 18:00 und am SA von 09:00-13:00.
Im Bahnhof selbst bemerkte ich einen MIB (das war jetzt kein "Men in Black", sondern eine Kette, die sich "Markt im Bahnhof" nennt, geöffnet bis 22:00) und eine gerade in Eröffnung befindliche Kette, die sich "Ihr Platz" nennt (geöffnet bis 21:00).
Gleich neben dem Bahnhof befindet sich übrigens ein City Center, wo viele weitere Läden ihren Standort haben. Was ich aber besonders mag, sind diese Verkaufsbuden knapp vor den Bahnsteigen. Hier kann auch der eilige Fahrgast noch schnell ein Hot Dog oder eine Crepes ordern.
Wer es hingegen nicht eilig hat, kann es sich im Warteraum gemütlich machen, und in seiner Zeitung blättern, die er in der Buchhandlung gleich gegenüber gekauft hat. Praktischerweise verfügt der Warteraum noch über einen dieser typischen Automaten mit Süßigkeiten und Getränken, die man sonst immer nur auf den Bahnsteigen findet.
Der Warteraum ist vielleicht für winterliche Verhältnisse nicht groß genug. Der Bahnhof ist nämlich auf den Bahnsteigen ziemlich kalt und ich könnte mir vorstellen, dass die Fahrgäste lieber oben im Warteraum warten wollen.
Die Busse und Straßenbahnen fahren direkt vor dem Bahnhof ab und sind dank eines reichlich überdimensionierten Daches auch bei Regen trockenen Hauptes erreichbar. Auch die Taxis stehen in großen Rudeln direkt vor dem Bahnhof bereit.
Gleich neben dem Bahnhof entdeckte ich ein Hotel der ICE Hotelkette. Leider habe ich mit dieser Hotelkette erst einmal Erfahrung sammeln können, wobei ich die als nicht repräsentativ erachten möchte. Wichtig wäre nur zu wissen, dass die Gästeausweise dieser Hotels in der jeweiligen Stadt als Netzfahrkarte für Busse und Straßenbahnen gelten.
Auf dem Parkplatz vor dem Hotel sah ich übrigens das erste Mal einen Wagen vom DB Sharing System, wo man scheinbar als DB Kunde die letzten Meilen bis zur Wohnung/Meeting/Hotel mit einem DB Auto fortsetzen kann.
Das Design möchte als sehr speziell bezeichnen. Der Bahnhof wird durch ein riesiges Dach dominiert, dass eigentlich den Bus- und Straßenbahnbereich überdeckt und nicht den Bahnhof selbst. Dadurch wirkt alles etwas husch-husch-gigantisch gebaut.
Wo beim Design vielleicht ein Fehler passiert ist: Wann immer ich auf den Bahnsteigen auf meine Anschlußzüge wartete, ich hatte immer das Gefühl, schon "im Zug" zu stehen, in anderen Worten, es war immer windig.
Sehr speziell übrigens die Beleuchtung der Bahnsteige. Die Scheinwerfer strahlen Spiegel an, die das Licht reflektieren. Eigentlich eine gute Idee, die Spiegel wirken durch ihre Größe aber genauso unangenehm wie diese Beobachtungsspiegel in den Supermärkten.
Weil wir schon vom Beobachten sprechen. Bei meinem letzten Besuch begegnete ich gleich zwei Doppelstreifen von BGS und Polizei. Scheinbar steigen auch viele Beamte in den Zügen ein um zu ihre Dienstorte zu gelangen. Die Wachstation selbst ist in einem Oberstock, der über eine schmale Wendeltreppe erreichbar ist.
Sehenswürdigkeiten gleich am Bahnhof habe ich nicht entdeckt. Aber als mich gerade beim ICE Hotel umblickte, bemerkte ich, dass man vom Bahnhofsvorplatz direkt auf den Herkules blicken kann. Das ist ein ganz tolles Monument im Bergpark Wilhelmshöhe von Kassel.
Es gibt Bahnhöfe, wo ich mich spontan wohl fühle und andere die ich spontan unangenehm empfinde. Der Kasseler Bahnhof wirkte für mich auch beim bloßen Durchfahren immer etwas unangenehm, zu wuchtig empfand ich die Dach- und Treppenkonstruktionen. Ansonsten ziehe ich mich dort immer schön warm an, wenn ich dort mal im Winter umsteigen muss...
Weitere Reisenotizen und Links
Bahnhofsbeschreibung der Deutschen Bahn