Als die Römer frech geworden ... zogen sie nach Deutschlands Norden. So geht ein Spruch, den ich schon öfters in Bezug auf die römische Geschichte in deutschen Landen gehört habe. Was es damit konkret auf sich hat, versuchte ich im nachfolgende beschriebenen Buch zu erfahren.

Das Buch von Reinhard Wolters beleuchtete unter mehreren Aspekten die Geschichte der Römer und Germanen der damaligen Zeit, wobei neben dem üblichen militärischen Aspekten auch die Geldwirtschaft, der Handel und die Landwirtschaft beschrieben werden.

Laut Buchdeckel ist der Autor Reinhard Wolters als außerplanmäßiger Professor für Alte Geschichte an der Universität Tübingen tätig und hat bereits mehrere Werke zur Geschichte der Römer in Germanien und zur antiken Wirtschaftsgeschichte veröffentlicht. Für mich selbst war dieses Buch die erste Veröffentlichung, die ich von Hrn. Wolters gelesen habe.

Das Buch handelte also von der Zeit als die Römer noch durch die Flure und Wälder Germaniens eilten. Im ersten Teil lernte ich einmal die Geschichte des Germanenbegriffs kennen. Tatsächlich glaubten die Römer lange Zeit nördlich der Alpen leben nur Kelten. Sie machten also zwischen den Kelten und den Germanen keinen besonderen Unterschied.

In dem Buch wird nun geschildert wie erst durch die Erzählung Iulius Caesars in seinen Werken über den Gallischen Krieg eine bewusste Unterscheidung zwischen den Völkern rechts vom Rhein und links vom Rhein gemacht wurde.

Im weiteren Verlauf lerne ich einige konkrete Details über die Feldzüge des Drusus kennen. Dabei wird vom Autor die Frage aufgeworfen, ob die Elbe tatsächlich das strategische Ziel des Feldherren war oder eben nur die tatsächlich erreichte Grenze bis zu dem Zeitpunkt seines Todes. In diesem Punkt bot mir das Buch eine Überraschung, den bis dato las ich immer nur davon, das es die Absicht der Römer war, die Grenze genau bis zur Elbe nach Osten zu schieben.

Auch die beschriebene Varusschlacht barg einige neue Informationen für mich. Viele Römerfreunde wissen von den drei verloren gegangenen Legionen, die vermutlich bei Kalkriese ihrem Schicksal erlagen.

In diesem Buch wird aber die Theorie angerissen, die Spuren eines großen Kampfes bei Kalkriese stammen eher von der Schlacht des Legaten Aulus Caecina, dem nach der Varusniederlage fast dasselbe Schicksal mit weiteren vier Legionen drohte.

In einem weiteren Kapitel wird der Limesbau beschrieben. Auch hier wartet Wolters mit bemerkenswerten Details auf. Zum Beispiel legten die Römer vor ihrem Grenzwall Sichtschneisen in die dunklen germanischen Wälder an, um die dortigen Bewegungen besser einsehen zu können.

Im Kapitel über das wirtschaftliche Zusammenleben zeigte der Autor seine Kompetenz zu den wirtschaftlichen Aspekten in der Antike. So las ich ausführlich seine Gedanken über die Handelsbilanz zwischen Rom und Germanien. In Germanien wurden sehr viele römische Handelsgüter gefunden, von denen man nicht so recht weiß, wie sie dort hing gekommen sind. Wolters zählt in seinen Zeilen auf, welche verschiedene Formen es gegeben haben mag (Raub, Tributzahlungen, Imitationen, Herstellung durch verschleppte Produzenten, usw.)

Weiters erfuhr ich auch ein wenig über das Geldwesen im Römischen Reich, in dessen Staatshaushalt bis 2/3 des Aufwandes für die Bezahlung der Truppen diente und der Sold des einfachen Soldaten der eigentliche Motor der Wirtschaft war.

Davon zeugte auch das von Wolters beschriebene Phänomen, dass die großen Lagerstandorte an der Grenze zum freien Germanien, praktisch den Handel und die Industrie vom Reichsinneren zu diesen Standorten an die Grenzen zog. In Bezug auf die Landwirtschaft erfuhr ich auch einiges was die römische Präsenz für Veränderungen bzw. Neuerungen bei Hund' und Katz' bzw. beim Anbau von Lebensmitteln mit sich brachte.

Abgeschlossen wurde das Buch mit einem Kapitel über die Geschichte der Forschung zum Thema Römer und Germanen. Hier erfuhr ich einiges über die politisch Prägung der Geschichtsforschung. In anderen Worten, was wir über die Römer zu wissen glauben wollen, hängt stark davon ab, was die aktuelle Politik uns glauben lassen will. Einige Beispiele dazu führt Wolters recht einleuchtend geschildert an.

Das Buch war insgesamt für mich sehr leicht lesbar. Es verzichtete zur Gänze auf Fußzeilen oder Verweise in den Anhang, so dass ich es in einem Satz von vorne bis hinten durchlesen konnte.

Das Literaturverzeichnis war dann hingegen etwas schwerer lesbar, da es nun keine Angaben gab, welche Literatur für welches Kapitel verwendet wurde. Auch das Sachverzeichnis empfand ich etwas mager, was aber bei einem Taschenbuch wohl akzeptabel bist.

Die Skizzen und Abbildungen waren moderat gestreut, wobei mir die wenigen Skizzen die regionale Einordnung der beschriebenen Feldzüge recht gut ermöglichten.

Resümee

Das Buch war sehr leicht lesbar und ein schönes Lesehäppchen ohne viel Blättern im Anhang oder in den Fußzeilen. Wolters hat es geschafft wesentliche Inhalte auf rund 120 Seiten so zusammen zu fassen, dass ich mich hinterher recht gut über die Römer in Germanien informiert fühlte.

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Die Römer in Germanien
Reinhard Wolters
Verlag C.H.Beck
ISBN 3-406-44736-8

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