In der ehemaligen Kavalleriekaserne am Holzmarkt in Verden befindet sich das Deutsche Pferdemuseum. Auf zwei Etagen wird die Geschichte des Pferdes und der Reiterei erklärt.
Am Tag meines Besuches war es ziemlich regnerisch. So eile ich mit eingezogenen Kopf am Denkmal des 'Pferdehüters' vorbei in den Eingangsbereichs des Museums. Dort empfängt mich nicht nur eine gewisse Wärme, sondern auch das Geklimper eines Pferdekarussells.
Das Museum begann also spielerisch. Historisches Spielzeug zeigte mir die Rolle des Pferdes in den Kinderstuben von damals. Neben dem Kinderkarussell, wo sich Kinder noch drauf setzen durften, gab es so zierliche Dinge wie eine mechanische Zirkusreiterin oder so kriegerische Dinge wie eine Ulanenkaserne aus Blech zu sehen.
Doch im hinteren Teil der Ausstellung, die mich stark an einen Stall erinnert, wurde es ernster. Die verschiedenen Pferderassen wurden an einem PC erklärt, der Unterschied zwischen Kalt- und Warmblut mit Schautafeln bildlich dargestellt. Durch eine spezielle Optik blickte ich in die Welt der Pferde aus deren Perspektive.
Kurios fand ich solche Details wie etwa die Erklärung der Ohrensprache der Pferde. Hätte ich mehr davon gemerkt, wäre ich jetzt wohl ein Pferdeflüsterer. Prunkgeschirre runden den anatomischen Teil der Ausstellung ab.
Im Obergeschoß, in welchem sich früher die Mannschaftsunterkünfte der Kavalleriekaserne befanden, ging es mit der Ausstellung weiter. Hier wurde die die Geschichte des Pferdes gezeigt und seine Bedeutung in den verschiedenen Kulturkreisen und Epochen.
Dabei ging man bis in die Zeit der Urpferde zurück. Als sie noch keine Hufe hatten, sonder Zehen. Mit der Zeit wurden sie von den Menschen in ihre Hausgemeinschaft aufgenommen. Für landwirtschaftliche aber auch militärische Zwecke genutzt.
Aber nicht nur die Pferde in ihren verschiedenen Berufen wurden vorgestellt, nein, auch die Berufe der Menschen in Zusammenhang mit dem Pferde wurden dargestellt. Wie etwa der Kutscher, aber auch der Hufschmied, der Sattler oder der Trensenschmied. Oder der Wagner und Rademacher.
Was man für verschiedene Arten von Wagen im Laufe der Zeit entwickelte entnahm ich Schautafeln. Auf einem Wagen konnte ich sogar sitzen und an einer simulierten Fahrt über eine Videoleinwand teilnehmen. Auch der Ritt auf einem Pferdesimulator wäre möglich gewesen, bloß war dieser zum Zeitpunkt meines Besuches fest in der Hand einer Kinderschar.
Auch gut, dafür hatte ich mehr Zeit mich mit Hans und Zarif zu beschäftigen. Dabei handelte es sich um Pferde, die am Ende des 19. Jahrhunderts durch außerordentliche Leistungen auf sich aufmerksam machten. Angeblich waren sie in der Lage zu rechnen und über ein Klopfalphabet mit den Hufen zu kommunizieren.
Klingt unglaublich, ist es auch. Aber wie sagt man so schön, man sollte ohnehin den Pferden das Denken überlassen. Die haben den größeren Kopf! Manche meinten, die Pferde waren bloß gut dressiert. Und damit gelangte ich auch in ein weiteres Thema der Ausstellung. Die Geschichte der Dressur.
Ein bekannter Dressurreiter war ja Josef Neckermann. Ja, der von dieser Warenhauskette. Neben persönlichen Sachen wie Reitfrack lagen auch alte Versandhauskataloge herum. Abschließend seien vielleicht noch die vielen Skulpturen und Gemälde von Pferden erwähnt.
Damit war auch der Ausflug in die Welt der Pferde zu Ende. Um eine Menge historischer Fakten und um die Kunst der Ohrensprache der Pferde bereichert verließ ich die ehemalige Kaserne und marschierte in Richtung Bahnhof ... eine Rückfahrt nach Bremen mit so einer Pferdeeisenbahn wäre jetzt wohl der richtige Abschluss, aber ein IC tut's auch....
Weitere Reisenotizen und Links
Webseite des Museums