Im September 2004 besuchte ich in der Völklinger Hütte im Saarland die Ausstellung 'Inka Gold'. In dieser Ausstellung wurden besonders großartige Schöpfungen der ehemaligen Hochkulturen auf dem Boden des heutigen Perus zusammengestellt, wobei auch viele Stücke aus dem auf diesem Gebiet besonders berühmten Larco Museum aus Lima stammten. Natürlich wollte ich mir von dieser faszinierenden Ereignis auch etwas mit nach Hause nehmen und so erwarb ich den Katalog zur Ausstellung.

Inhalt

Der von mir erworbene Ausstellungskatalog war vom Verlag Kehrer (Heidelberg) extra für die Ausstellung Inka Gold in der Völklinger Hütte aufgelegt worden. Was mir bei diesem Katalog sofort auffiel, war sein außergewöhnliches Gewicht von über einem Kilogramm. Die Fadenbindung machte einen stabilen Eindruck, lediglich der Umschlag erschien mir sehr empfindlich gegenüber den üblichen Feinden von schönen Fotobänden wie etwa unsaubere Hände oder irgendwas scharfkantiges am Tisch.

Aber kommen wir zum Inhalt selbst. Auf den 224 Seiten werden sowohl die in der Ausstellung gezeigten Stücke als auch die Geschichte der Hochkulturen in Peru beschrieben. Dabei empfinde ich es als wohltuend, das es sich dabei nicht um eine reine Beschreibung der Gegenstände handelt, sondern der Leser auch ein Gefühl für geschichtliche Zusammenhänge, Religionen, Bräuche und Handwerk vermittelt bekommt.

Die Gliederung des Buches lässt sich in etwas wie folgt wiedergeben: Nach dem üblichen Vorwort und Dank durch den Herausgeber Herr Meinrad Maria Grewenig, dem Generaldirektor der Völklinger Hütte (dem Ausstellungsort) folgt ein Kapitel über das Inkagold und dem damit verbundenen Mythos. Auch dieses Kapitel wurde von Herrn. Grewenig geschrieben, der seines Zeichens promovierter Kunstgeschichtler ist.

Anschließend werden ein wenig jene Museen beschrieben, die am Meisten zu der Ausstellung beigetragen haben, das Linden-Museum Stuttgart mit seiner Sammlung "Alt-Peru" und das privat geführte Larco Museum in Lima, der Hauptstadt von Peru. Während ich das Lindenmuseum schon von einigen persönlichen Besuchen kannte, und somit nur meine persönlichen Eindrücke um diesen Text von Frau Doris Kurella, der Leiterin des Lateinamerika Referates am Lindenmuseum, ergänzt wissen wollte, las ich den Teil über das Museum in Peru von Andrés Alvarez-Calderón Larco, dem Direktor des Larco Museums, mit besonders großem Interesse. Denn natürlich würde es mich reizen, mir speziell dieses Museum einmal persönlich anzusehen.

Nach dieser Einleitung beginnt die Beschreibung der einzelnen Kunstwerke, wobei diese im Rahmen einer Zeitreihe vorgestellt werden. Diese beginnt mit dem so genannten frühen Horizont von 900 bis 200 v. Chr. und endet mit dem späten Horizont von 1450 bis 1532 n. Chr. Das sind jetzt natürlich keine Jahreszahlen, die einem Mitteleuropäer unbedingt was sagen. Wichtig ist meiner Meinung nach, das das Buch sich entlang einer Zeitleiste bewegt und man sich sozusagen Blatt für Blatt durch die Zeit bewegt. Das eröffnet mir als Leser natürlich auch die Möglichkeit mir über den Fortschritt in der Gestaltung der Kunstwerke Gedanken zu machen.

Abgeschlossen wird der Katalog mit einem kurzen Bericht über das Peru von heute, geschrieben von Ramiro Salas Bravo, dem stellvertretenden Tourismusminister von Peru, sowie einem Literaturverzeichnis, eine Kurzbeschreibung der Autoren und einem Abbildungsnachweis.

Was lässt sich nun über die Gestaltung der einzelnen Seiten, der Bilder und der Texte sagen? Ich persönlich war besonders fasziniert von den wunderbaren Fotos der prunkvollen Ausstellungsstücke. Diese Fotos wurden extra für diesen Katalog angefertigt und nehmen in der Regel pro Stück eine ganze Seite ein. Die Erklärung zu den Stücken befindet sich in der Regel auf der gegenüberliegenden Seiten. Neben den in Katalogen üblichen Angaben zu Titel des Objekts, Material, Größe und Museum wird das Objekt sehr anschaulich beschrieben. Dabei werden geschickt auch Angaben über Zusammenhänge zwischen dem Objekt und der jeweiligen Religion, dem Brauchtum oder ganz einfach über die Herstellungsweise gemacht.

Dabei wurden auch Schwerpunkte gesetzt, zum Beispiel gab es Kapitel, wo mehr über Diademe und Pektorale (Brustschmuck) zu lesen und zu sehen war, dann ging es wieder mehr um Tongefässe und ihre Formen. Sicher sehr speziell waren auch die Seiten über die Erotik in der damaligen Kunst oder auch der Teil über die Quipus, das damalige Zeichensystem der Völker in Peru. Dieses Zeichensystem bestand aus Knotenschnüren, die man bis heute nicht deuten kann.

Besonders interessant fand ich übrigens auch die Angaben, in welchem Museum sich die gezeigten Stücke normalerweise befinden. So bekam ich einen guten Eindruck, wie diese wertvollen Kunstwerke auf Stuttgart und Lima verteilt sind, wenn sie eben nicht gerade gemeinsam in einer Ausstellung gezeigt werden.

Die Ausstellungsstücke wurden übrigens wunderbar vor einem Hintergrund aus Pastellfarben abgebildet, was ihre gediegene Wirkung noch weiter unterstreicht.

Die Texte zu den Stücken sind wie bereits erwähnt wohltuend kurz, aber auch informativ. Auch auf den Textseiten nimmt der Text nur ein Teil der Seite ein, und vermittelt durch die freie Flächen ein Gefühl des Besonderen und Wertvollem.

Es ist kein Katalog, den man durchblättert. Es ist ein Buch das man begierig durchliest und wo die Stücke nicht nur Kultur sind, nein, es sind Schaustücke, an die man sich erbauen kann. Vielleicht sollte ich erwähnen, das ich dieses sehr gewichtige Buch bisher bevorzugt als Abendlektüre gelesen habe und schon das eine oder andere Mal mit dem Eindruck von göttlichem Gold eingeschlafen bin.

Alles in Allem empfand ich den Katalog sein Geld wert. Für den an historischen Zusammenhängen interessierten Leser bildet er ein schönes Lesebuch mit glanzvollen Bildern, für den Schöngeist ein Bilderbuch mit informativen ergänzenden Texten.

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Inkagold
Meinrad Maria Grewenig (Hg.) u.a.
Verlag Kehrer 2004
ISBN  3-936636-39-7

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Ausstellung 'Inka Gold' in Völklingen
1 Ausstellungshalle zu 'Inka Gold'

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