Byzanz, das war doch mal jene große Stadt, aus der später Istanbul hervorging? Oder jener Begriff, mit den man später das oströmische Reich allgemein bezeichnete? Fragen über Fragen, auf denen ich Antworten bei einer Ausstellung in München erwartete.
Die Sonderausstellung fand in der Archäologischen Staatssammlung München statt, einem für mich erstaunlich modernen Bau in der Nähe des Nationalmuseums und dem Haus der Kunst.
Wie mir ein Schild gleich am Eingang erklärte wurde die Ausstellung 2004 eröffnet, just 800 Jahre nach dem vierten Kreuzzug, dem die Stadt Konstantinopel (Byzanz) leider so unglücklich zu Opfer fiel. Aber nun mal der Reihe nach...
Nachdem ich mir einen Audio Guide besorgt hatte, betrat ich das Dunkel der Ausstellungsräume. Ja, dunkel ist wohl der richtige Ausdruck, den gerade der erste Raum glänzte ein wenig durch Abwesenheit von Licht, in der die Nachbildung der Mauern von Byzanz auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes umso interessanter wirkten.
Zu meiner Linken fand ich ein paar Landkarten vor, die mir die Ausdehnung des oströmischen Reiches zu verschiedenen Zeitpunkten zeigten, zur Rechten folgte ich einigen Metern Geschichte, konkret war hier eine Zeitleiste zur Geschichte Byzanz mit all ihren Kaiser aufgetragen.
Doch schon bei der nächsten Büste eines Kaisers verließ ich den Raum, bog in ein kleines Gemach ein, wo gerade ein Film lief. Der Film (11 min) versetzte mich Anfangs in Verwirrung, wurde doch die Rekonstruktion einer Burg im bayerischen Sulzbach gezeigt.
Was hat Sulzbach mit Byzanz zu tun? Nun, schön langsam dämmerte es mir, eine Tochter der Grafen von Sulzbach war tatsächlich mal Gattin eines Kaisers in Byzanz und somit saß auch mal Bayern auf dem Thron in Konstantinopel.
Ich als Österreicher gestehe das neidlos ein, den auch wir hatten einen Bezug zu Byzanz. Bei uns war es eine byzantinische Prinzessin, die einen österreichischen Herzog ehelichte und fortan oströmische Kultur in den Raum um das heutige Niederösterreich brachte.
Aber ich schweife ab. Nach dem Film marschierte ich der nachgebildeten Mauer von Byzanz entlang und stieß auf ein fantastisches Modell des Hippodroms (Veranstaltungsort für Wagenrennen) von Byzanz. Ich persönlich bevorzuge ja Modelle und Landkarten statt all diesem grauen Text und so stand ich lange vor diesem Traum für Modellbauer, der mich in seinen Details doch stark an den Ort des legendären Wagenrennens in dem Film 'Ben Hur' erinnerte.
Gleich neben dem Modell ein Kuriosum, eine Art Losmaschine der Spätantike. Im Grunde genommen war es ein kunstvoll verzierter Stein mit vielen Gängen in seinem Inneren. Oben warf man eine Kugel rein und dann wettete man darauf, bei welchem Loch sie unten heraus kommen würde. Fantastisch, aber war es auch betrugssicher?
Bisher konnte ich mir noch kein rechtes Bild von der Stadt Byzanz machen, doch jetzt stieß ich auf färbige Skizzen hoch oben auf den Wänden des Ausstellungsraumes, die mir zeigten wie sich das spätantike Byzanz am Bosporus ausgebreitet hatte.
Um sie besser studieren zu können musste ich mich ein wenig in den Raum hinein begeben und stand damit auch schon inmitten von Acceccoires der oströmischen Kirche.
Eine Eigenart des oströmischen Reiches war ja der Umstand, das dort der Kaiser gleichzeitig weltliches und geistliches Oberhaupt war, während im restlichen Europa hier strikt getrennt wurde. Der Kaiser war weltliches, der Papst (soweit damals schon vorhanden) war geistliches Oberhaupt.
Nun stand ich also inmitten von kunstvoll verzierten Chorschranken (Schranken, die im Kirchenraum früher die Laien von den Geistlichen trennten) und guckte auf allerlei liturgische Geräte. Besonders faszinierend fand ich die Gehänge, auf denen früher die Beleuchtung fixiert war.
Diese Gehänge hatten für mich etwas mystisches an sich, sie vermittelten mir eine Ahnung in welcher Atmosphäre sich die Menschen begaben, wenn sie sich damals in der Kirche zum Gebet versammelten.
Doch nun bewegte ich mich weiter und gelangte in einen Raum wo weiteres liturgisches Gerät präsentiert war. Die Stücke waren hier allerdings in Vitrinen gut verwahrt, war doch einiges davon schon ziemlich wertvoll.
So richtig kostbar wurde es dann noch mal im nächsten Raum, wo Teile eines großen frühbyzantinischen Schatzfundes präsentiert wurden, der im ägyptischen Assiût ausgegraben wurde. Dieser Schatz war vor langer Zeit in alle Ecken und Enden der Welt verkauft worden und konnte nun eigens für diese Ausstellung wieder zu einem großen Teil zusammen präsentiert werden. So gesehen, eine kleine Sensation.
Nun, wie sieht den so ein Schatz aus? Byzanz war zweifellos eine Stadt der großen Handfertigkeit und des Prunks, so stand ich nun von prächtigen Halsketten und sonstigem Schmuck, in einer Prächtigkeit, wo heute noch wohl jede Frau dafür sterben würde. Oder zumindest ihr Mann, der das Ganze bezahlen soll.
Natürlich war das jetzt nur im übertragenen Sinne gemeint, doch in den nächsten Räumen der Ausstellung ging es dann konkret um den Tod und dem Umgang mit ihm. Hier wurden vor allem Teile von Gräbern gezeigt.
Ein wenig wurde hier auch Bezug genommen auf den so genannten Bilderstreit im Christlichen Glauben. Darin ging es darum, ob man das Göttliche überhaupt abbilden dürfe, würde es denn nicht darunter leiden oder würde es gerade durch die Abbildungen seine eigentliche Verehrung finden?
Nun, wie dieser Streit ausging, können wir ja an den prächtigen Gemälden in unseren Kirchen ableiten. In der Ausstellung selbst wurden zum Teil sehr faszinierende Ikonen gezeigt, die mich einfach durch ihre Mischung aus Gold und stiller Religiosität beeindruckten.
Vielleicht hätte ich es schon längst erwähnen sollen, nun hole ich es nach. Die Ausstellung war rund um einen kleinen Hof gruppiert, über den auch Licht in die Ausstellungsräume drang. Und in diesem Hof stand die Rekonstruktion eines Ambosses (eine Art Altar in der Kirche) über den ein riesiger Radleuchter hing.
Was ist ein Radleuchter? Nun, ein Radleuchter war früher eine Methode Kirchen im großen Stil zu beleuchten. Er bestand aus einem Rad, auf den ganz viele Kerzen aufgesteckt waren (ähnlich wie bei einem Adventkranz). Während die Kerzen noch oben strebten, hingen zahlreiche Öllampen kaskadenförmig nach unten, die dem Kirchenraum wohl ein sehr mystisches Licht geben mussten.
Durch seine spezielle Präsentation im Museum konnte ich nun diesen Radleuchter in allen Details genau betrachten, konnte mir alles ansehen, was sonst hoch oben in irgendeiner byzantinischer Kirche gehangen wäre.
Doch in noch einem weiteren Bezug möchte ich die Präsentation in dieser Ausstellung hervorheben. An vielen Ecken der Räume fand ich kleine Schilder vor. Auf denen standen sehr vertraute Wörter der Gegenwart. Wenn ich eines dieser Schilder hob, dann entdeckte ich darunter die Erklärung und Herkunft der Worte.
So erfuhr ich so einiges über die Herkunft von 'Stratege', 'Apotheke' oder 'Despot'. Es war schon erstaunlich, welche Wörter sich bis in die Zeit von Byzanz zurück verfolgen ließen. Sogar die 'Gurke' scheint byzantinische Vorfahren zu haben...
Im letzten Raum kam ich nun zu einem bestimmten Thema, der Rezeption von Byzanz in Bayern. Unter Rezeption versteht man die Wahrnehmung eines Themas, zum Beispiel in der Literatur, in der Kunst, im Film oder auch nur in der Zeitung.
Hier erfuhr ich etwas mehr über die Prinzessin von Sulzbach und auch über einige Forscher in Bayern, die den Begriff Byzanz in Deutschland erst so richtig bekannt gemacht hatten.
Nun, diese Ziel hatten sie zweifellos erreicht, jetzt konnte auch ich den Begriff Byzanz besser fassen und auch ein wenig darüber schreiben.
Wer aber lieber die Ausstellung selbst besuchen möchte, für den habe ich noch ein paar Details zusammengetragen:
Vom Hauptbahnhof nahm ich die Linie 17 und stieg bei der Haltestelle Nationalmuseum/Haus der Kunst aus. Von dort musste ich nur noch cirka drei Minuten in Fahrtrichtung weiter gehen und schon war ich am Museumseingang.
Ich hätte auch mit der U4/U5 bis zur Station Lehel fahren können, und hätte von dort die Linie 17 weiter bis Haltestelle Nationalmuseum/Haus der Kunst nehmen können.
Der Eintritt kostete mir 6 Euro (Vollpreis), wofür eine Eintrittskarte erhielt, auf deren Vorderseite eine sehr schöne goldene Fibel abgebildet war.
Im Museumsshop war ein Cafe integriert, dessen Tische und Stühle gut die Hälfte der Eingangshalle füllten. Die Preise waren sehr günstig, so waren kühle Getränke schon ab 0,50 Euro, der Kaffee um 1 Euro und das Tortenstück ab 1,90 Euro erhältlich.
Die Toiletten im Erdgeschoss waren okay, allerdings war durch das matschige Wetter an jenem Tag der Boden schon etwas verschmutzt. Eine eigene Behindertentoilette entdeckte ich nicht.
Die Ausstellung hatte leider eine Treppe mittendrin, für dich ich keinen Aufzug als Ersatz entdecken konnte. Laut einer Insiderin gibt es aber einen Lift für das Personal, den man sicher benutzen kann, wenn man danach fragt.
Der Museumsshop bot mir eine Vielzahl von Büchern aber auch Schmuck zum Thema Byzanz. Den Katalog erwarb ich um 24,90 Euro.
Der Audio Guide kostete mir 3 Euro und bot mir mittels einer sehr angenehmen Sprechstimme eine Vielzahl von zusätzlichen Informationen. Ich habe die Ausgabe nicht bereut.
Was ich ein wenig vermisste war eine bessere Beschreibung der historischen Ereignisse rund um das Reich von Byzanz. Entschädigt wurde ich mit einer Ausstellung von sehr schönen kunsthistorischen und liturgischen Resten von dieser Stadt am Bosporus.
Weitere Reisenotizen und Links
Webseite der Ausstellung