Ab einem bestimmten Alter interessiert man sich als Mann für Frauen. Und für deren Bilder. Und für deren Kleidung. Wobei die Kleidung kann man auch weglassen. Dann sprechen wir von Nacktbilder.
Angeblich sind von Frauen gemachte Nacktfotos besser, weiblicher, erotischer als die von männlichen Fotografen. Um mitreden zu können, ergriff ich die Gelegenheit beim Schopf und besuchte eine Retrospektive der berühmten französischen Fotografin Bettina Rheims im Kunsthaus Wien. Rheims wurde neben anderem durch eine Reihe von Fotos von weiblichen Akten berühmt....
So kam es, das ich mich an einem Sonntag Abend ins Kunsthaus begab wo die Höhepunkte weiblicher Erotik, fotografiert von Bettina Rheims auf mich warteten.
Zunächst musste ich aber einen Höhepunkt der anderen Art erreichen, die Ausstellung befand sich nämlich im dritten Stock des Kunsthauses Wien.
Nachdem ich nun die Treppen hoch marschierte und dabei Bekanntschaft mit dem sonderbar gewellten Boden im Kunsthaus machte, stand ich dann der ersten Frau gegenüber. Allerdings keiner echten Frau, sondern nur ihrem Abbild.
Und auch so betrachtet war ich mir der echten Frau nicht sicher, den laut Bildbeschreibung handelt es sich bei dem Aktmodell um Kim. Und Kim war eigentlich ein Mann der gerne eine Frau sein wollte.
Bevor ich mich weiter verwirren ließ, setzte ich mal nieder und las eingehend die Biographie der Künstlerin, die 1952 in Paris geboren wurde. Die Biographie war in deutsch und englisch ausgeführt, wie überhaupt alle erklärenden Texte in Deutsch und Englisch angefertigt waren.
Bei den Bildtiteln war dann allerdings lediglich der französische Titel und die deutsche Übersetzung angeführt. Und nun zu den Bildern selbst.
Da es sich um eine Retrospektive handelte bildete die Ausstellung einen weiten Bogen über das Gesamtwerk der Künstlerin, so dass ich von allen ihren Serien einen ungefähren Eindruck bekam und somit nun auch ein wenig mitreden kann. Die Ausstellung fand in Zusammenarbeit mit der Galerie Jérôme de Noirmont statt und zeigte rund 140 Werke aus 12 Fotoserien der Künstlerin.
Und was gab es zu sehen? Gleich am Anfang lernte ich einige Fotos von Kim kennen, ein Mann, der sich zur Frau umoperieren ließ und dann für Bettina Rheims Modell stand.
In einer weiteren Bilderserie beschäftigte sie sich mit Tieren. Hier fand ich ein paar sehr lustige und auch ein paar nachdenklich machende Fotos. Zunächst mal möchte ich die Fotos von Gänsen erwähnen, wo ein Exemplar derartig fürwitzig in die Kamera blickte, als würde es sich dabei um die Schauspielerin für Daisy Duck in der ersten Verfilmung handeln.
Etwas nachdenklich wurde ich bei eine Bild von einer Katze, die von weitem betrachtet recht nett aussah, aber aus der Nähe relativ beunruhigend wirkte. Ich sah die Adern in ihren Augen und das wirkte irgendwie nicht harmonisch. Die Bilder der ganzen Ausstellung waren übrigens sehr groß und aus der Nähe verloren sie ihren Reiz, da viel unharmonisches sichtbar wurde.
Ach ja, und dann gab es noch das Foto von einem Schwein von hinten. Nachdem ich es eine Zeit lang betrachtet hatte wurde mir klar, das ich gerade einem Schwein auf den Ar..... blickte. Okay, nächstes Thema!
In der nächsten Serie beschäftigte sich die Künstlerin mit einem speziellen Alter bei Jugendlichen. Einer kurzen Phase wo sich die Mädchen und Jungs noch nicht über ihr Geschlecht im Klaren sind. Die Fotos zeigten durchwegs pubertäre Mädchen und Jünglinge, in ihrer Art sehr schön wirkend, wenn auch eine sehr verletzliche Schönheit.
In der Serie 'Chambre Close' fotografierte die Künstlerin Frauen in gewagten Posen in Hotelzimmern. Laut Beschreibung wurden die Fotos von einem Voyeur gemacht, doch in Wirklichkeit sind sie von von der Künstlerin inszeniert.
Diese Fotos waren meiner Meinung nach diejenigen Fotos, wo die Erotik schon sehr stark knisterte. Den hier wurde nicht Glamour gezeigt, hier zeigten sich unverschämt gut geformte Frauen in ihren Strümpfen und offenen Morgenmänteln inmitten von mittelprächtigen Hotelzimmern. Man fühlt direkt die Stimmung, die sich wohl ausbreitet wenn man mal mit einem richtigen Luder auf einem Zimmer ist.
In der nächsten Serie mit den Namen 'Espionne' fotografierte Bettina Rheims Frauen, die vorher Männer waren. Äußerlich waren sie bereits zu Frauen geworden doch etwas in ihren Mienen ließ noch ihre Männlichkeit erahnen.
Mit I.N.R.I konnte ich nun auch die umstrittensten Fotos der Künstlerin betrachten. In dieser Serie versuchte sie Szenen der Bibel fotografisch umzusetzen. Dabei ging sie so weit, dass sie für Jesus ein weibliches Modell nahm. Prompt kam es auch zu Aufruhr und der Vorwurf der Blasphemie wurde erhoben.
Auf mich wirkten die Bilder irritierend, den so manche heilige Figur wirkte nun auch erotisch, was irgendwie nicht zusammen passen wollte. Auch wirkten manche biblischen Szenen völlig anders, wenn an sie auf Fotos inszeniert, wenn man sie für Jahrzehnte nur in Öl auf Leinwand gewohnt war. Zum Beispiel wirkte die Szene von Kanaan fast surrealistisch auf mich.
Apropos Inszenierung: Während andere Fotografen sich damit rühmen, stets das Ursprüngliche in ihren Fotos einfangen zu wollen, bekennt sich Bettina Rheims genau zum Gegenteil. Für sie ist Inszenierung ihre Form der Kunst.
So rühmt sie sich in einen der Begleittexte sogar das sie Früchte nachfärben ließ, weil sie ihrer Meinung nach bei dem Foto nicht die passende Farbe hatte.
Die Fotos mit den Früchten zeigten bekannte Schauspielerinnen in lasziven Posen. Ich muss zugeben, manche Modelle erkannte ich nicht wirklich, zum Beispiel hätte ich Claudia Schiffer ohne Hinweis nicht erkannt. Und der Sängerin Madonna stand das Blau auf den Fotos auch nicht wirklich gut.
Auch hier wurde bewusst der Glamour hervorgestellt. Die Frauen waren nicht erotisch durch ihren Körper, sondern durch ihre Kleidung, ihre Haltung, Licht und so manches mehr. Wer das mag, wird hier sicher gut bedient. Doch wie ich finde, geht das alles auf Kosten der inneren Ausstrahlung, die bei den abgebildeten Damen für mich verloren ging. Soweit verloren, das ich sie zum Teil, trotz ihrer Berühmtheit, eben nicht mehr erkannte.
Leider kam ich viel zu spät in die Ausstellung und so konnte ich mir nicht die beiden Filme über die Künstlerin ansehen, wo jeder für sich 50 Minuten gedauert hätte. Die wären aber sicher sehr interessant gewesen, den einer davon handelte von ihrer umstrittenen Bilderserie I.N.R.I.
Zum Abschluss der Ausstellung gab es noch eine Fotoserie zu sehen die für ein Softpornomagazin angefertigt wurde. Konkret gezeigt wurden lesbische Szenen, die von Amateuren aber auch Profis gestellt wurden. Ich kann mir aber nicht helfen, durch die Großaufnahmen verloren die Modelle viel an erregende Reiz, für mich war das fast schon Benetton Werbung, nur eben ohne Benetton Schriftzug.
Für mich war die Ausstellung insofern sehr wichtig, da ich über die Künstlerin schon einiges gehört aber noch nichts von ihr gesehen hatte. Für meine Begriffe haben ihre Fotos sicher ein gewisses Ausmaß an Originalität doch versetzten sie mich nicht so in Erstaunen wie zum Beispiel die Frauenbilder von Helmut Newton.
Weitere Reisenotizen und Links
Webseite des Kunst Haus Wien