Kennedy war ein Mythos. Kennedy war in Wien. Nachdem nun auch eine Ausstellung über Kennedy in Wien ihre Zelte aufgeschlagen hatte, war es für mich klar, auch dieser einen kleinen Besuch abzustatten.
Und dieser Besuch barg so manche Überraschungen. Die erste Überraschung gelang schon, als ich das Museum betrat. Dort, wo normal eine große Fläche die hereinströmenden Besucher aufnahm, stand diesmal ein funkelnder Cadillac unter einem Glassturz.
Auf einem Schild erfuhren meine neugierigen Augen, das es sich um genau jenen Wagen handelte, mit dem J. F. Kennedy und seine Frau bei ihrem Besuch in Wien 1961 durch die Stadt gefahren wurden. Der Wagen befindet sich heute übrigens in Privatbesitz und kann für Ausfahrten gemietet werden. Ist sicher mal eine Alternative zum ewigen Fiaker fahren...
Dann ging es aber mit mir rein in die eigentliche Ausstellung. Zur Rechten konnte ich ein wenig in APA Meldungen (Austria Presse Agentur) aus dem Jahre 1961 surfen, geradeaus machte ich Bekanntschaft mit etwas Kunst in Zusammenhang mit der Ära Kennedy.
Was ich aber mehr schätzte war der Lebenslauf Kennedys der sich zu meiner Linken über die Wand erstreckte. Dabei erfuhr ich, dass inzwischen auch Jacky verstorben war, war mir bisher total entgangen war.
Aber vor dem Tod kommt bekanntlich die Geburt. Und dieser waren dann die ersten Schautafeln der Ausstellung gewidmet. Die Ausstellung war in 16 Kapiteln geteilt und im ersten Kapitel wurde ein wenig über die irische Abstammung der Kennedys erzählt.
Wie in der ganzen Ausstellung bestanden die Erklärungen meistens aus Text und Bildern, angereichert mit einigen Gegendständen und Dokumenten. Passend zum Thema gab es zum Beispiel das Taufkleid von J. F. Kennedy zu sehen.
Nachdem er Geburt, Taufe und Schulzeit hinter sich gebracht hatte, zog Kennedy bekanntlich in den Krieg, in den 2. Weltkrieg um genau zu sein. Dieser verbrachte er damit, auf dem berühmten PT107 samt Mannschaft versenkt zu werden. Da er dabei einige seiner Leute persönlich rettete und fast die gesamte Mannschaft heil nach Hause brachte, wurde er schon bei dieser Gelegenheit ein Held.
Später ging Kennedy in die Politik und es gelang ihm die Wahl zum Senator mit einem Vorsprung von 71.000 Stimmen zu gewinnen. Da er im Wahlkampf rund 75.000 Damen zu so genannten Tea Parties eingeladen hatte, ging später der Spruch rum, er hätte seinen politischen Gegner im Tee ertränkt.
Spätestens jetzt war auch für mich klar, das die Ausstellung sehr kritisch mit dem Mythos Kennedy umging. Wer diese Ausstellung in der Meinung besucht, Kennedy wäre die absolute Lichtgestalt gewesen, wird sie nicht mehr mit dieser Meinung verlassen, sage ich jetzt mal.
So wurde z.B. behauptet, das sein berühmtes Buch 'Profiles in Courage' (brachte ihm den Pullitzerpreis ein) gar nicht von ihm geschrieben wurde, sondern von seinem Redenschreiber Theodore Sorensen.
Und das war nicht die einzige Überraschung für mich. Eine Schautafel zeigte mir, dass er die Wahl zum Präsidenten mit weniger als 200.000 Stimmen gewann und das schon damals von Wahlbetrug gesprochen wurde.
Der Spikezettel, auf dem seine Rede zur Inauguration (Amtseinführung) stand, zeigte mir dann, das sein berühmter Satz (Denke nicht nach, was dein Land für dich tun kann, sondern denke nach, was du für dein Land tun kannst) ursprünglich ganz anders hieß. Er hat ihn wohl falsch abgelesen oder spontan umgemünzt.
Die Schrift auf dem Zettel war übrigens ziemlich groß, den Kennedy war kurzsichtig, wollte aber keine Brille tragen. Wie überhaupt er versuchte um seine Krankheiten ein Geheimnis zu machen. Geheimnisse, die in der Ausstellung der Reihe nach aufgedeckt werden.
Bevor die Ausstellung dann zu den politischen Geheimnissen kam, führte sie mich aber ein wenig ins Privatleben von Kennedy ein. Dabei wurden vor allem Bilder von seiner Frau und seinen Kindern gezeigt, auch die Biographie seiner Frau Jacky wurde angerissen.
Natürlich durfte auch seine Geliebte Marylin Monroe nicht fehlen, wenn auch dieser Teil seiner Geschichte nur ein wenig gestreift wurde. Stattdessen wurde es plötzlich sehr spannend und unheimlich.
Während das Gipfeltreffen in Wien 1961 noch recht nett wirkte, kam es dann knüppeldick. Den wenige Wochen nach dem Wiener Treffen errichtete die DDR eine Mauer rund um Westberlin.
Die Welt hielt den Atem an, die deutsche Bild klagte über die Tatenlosigkeit der Politiker, und die ostdeutschen Parteiorgane frohlockten. Dies war alles an Hand von ausgestellten Zeitungsmaterial gut abzulesen.
Die USA war aber nicht wirklich untätig. Ein ebenfalls ausgestelltes Dokument zeigte mir, welche Reaktionen man geplant hatte, falls sich die Lage noch weiter verschärft hätte. Auf dem englischsprachigen Dokument standen klar und deutlich auch die Worte 'Einsatz von atomaren Waffen'
Da es sich um amerikanische Dokumente handelte, war das natürlich in englisch verfasst, allerdings war der deutsche Ausstellungstext ausführlich genug um sie auch so zu verstehen. Die Dokumente waren damals natürlich geheim, wurden aber nach der üblichen Archivsperre nun zu öffentlichen Papieren. Sehr schön zu sehen, wie auf jedem Papier die Phrase TOP SECRET durchgestrichen wurde und ein Stempel darstellt, wer da was freigegeben hat.
Das die amerikanische Bevölkerung diese Ereignisse nicht so einfach wegsteckte zeigten mir anschließend Bilder von US Atombunkern unter Brücken bzw. jenes Modell von Geigerzählern, das laut Beschreibung in jedem öffentlichen Gebäude Amerikas bereit gehalten wurde.
Doch zurück zu Kennedy. Bald darauf hatte er Sorgen mit den russischen Raketenstellungen auf Kuba. Auf einem Monitor verfolgte ich seine Rede an die Nation, wo er die Seeblockade gegen Kuba bekannt gab. Auf einigen Dokumenten und Fotos konnte ich sehen, wie die Raketenstellungen aus der Luft aussahen (geschossen von dem berühmten Spionageflugzeug U2) und wie Kennedy scheinbar während den Konferenzen Segelboote auf seinen Notizblock gemalt hatte.
Diese erhalten gebliebenen Notizen aus der Feder Kennedys fand ich später noch einmal vor. Und zwar in jenem Teil der Ausstellung wo die Probleme um den Rassismus in der USA thematisiert wurde. Tatsächlich bestand in Amerika zu jener Zeit noch Rassentrennung.
Auf einem weiteren Zettel sah ich dann einen Satz Kennedys, den er scheinbar in einem Telefonat mit dem Gouverneur von Alabama unbedingt sagen wollte, weil dieser es nicht schaffte, die Übergriffe gegen Schwarze in den Griff zu kriegen.
Interessanterweise zeigte mir ein Diagramm, das die Popularität Kennedys während den sehr ernsten Krisen eher stieg, während den offenen Auseinandersetzungen um die Bürgerrechte aber stark fiel.
Und irgendwann musste er sich auch damit auseinander setzen und fuhr zum Beispiel nach Dallas. Wie wir heute wissen war es seine letzte Fahrt. Der berühmte Zapruder Film (ein Amateurfilm eines gewissen Herrn Zapruder) zeigte mir in Zeitlupe das Attentat auf den Präsidenten. Daneben in Vitrinen der Autopsiebericht wo auf einer Skizze die Schusswunden eingezeichnet sind. Dazu Fotos von den Kugeln, darunter auch jene, die man später als 'Magic Bullet' bezeichnete, weil laut Polizeibericht ihre Flugbahn ziemlich bizarr gewesen sein muss.
Als später Kritik an der offiziellen Erklärung (ein Einzeltäter namens Harry Oswald) laut wurde, wurde der so genannte Warren Report angefertigt, ein Report der auch in der Ausstellung auslag (leider in einer Vitrine).
Doch Kennedy blieb tot, egal wie man seinen Tod erklären wollte. Das er die Welt der Lebenden nachhaltig beeinflusste, zeigte mir der vorletzte Teil der Ausstellung. Da gab es Kennedy Masken für den Karneval zu sehen, Briefmarken mit dem Portrait Kennedys aus der ganzen Welt, Computerspiele und Brettspiele mit der Kennedy Familie als Thema, usw. Nicht zu vergessen die Filmplakate zu den Filmen J.F.K. und 13 Days.
Aber auch Briefe von österreichischen Privatpersonen, die der First Lady kondolierten. Auch hier spannend zu lesen, wie neben dem handgeschriebenen deutschen Text eine andere Hand eine Kurzfassung in Englissh schrieb. Scheinbar eine Übersetzung? Oder eine Anmerkung welche Art von Dankschreiben zurück gesandt werden soll?
Im selben Teil der Ausstellung wurden auch Interviews mit österreichischen Zeitzeugen gezeigt, die recht berührend darstellten, wie die Nachricht vom Tod Kennedys auf sie gewirkt hatte. Waren sie doch selbst dabei, als er 1961 Wien besuchte.
Und damit komme ich zum letzten Teil der Ausstellung. Bis hierher war es eigentlich eine Ausstellung, wie sie schon in Berlin gezeigt wurde. Der Teil über das Gipfeltreffen in Wien wurde im Museum Wien extra angefügt, wodurch man auch von einer Ausstellung in der Ausstellung sprach.
Nun war ich also in jenem Teil, der vom Gipfeltreffen in Wien handelte. Hier wurde vor allem Material aus Österreich gezeigt. Neben erläuternden Zeilen über Sinn und Erfolg des Treffens gab es auch viel authentisches Material wie etwa Einladungskarten, Menükarten und Anweisungen an das Sicherheitspersonal.
Darunter auch so banale Dinge wie Überstundenabrechnungen für die Leute in Schloss Schönbrunn. Oder ein Dokument, wo ernsthaft der Vorschlag gemacht wurde, das man eine Wiener Einheit des österreichischen Bundesheeres auf eine Übung schicken solle, damit man deren Kaserne behelfsmäßig als Hotel für die Journalisten adaptieren könne.
Dazu auch interessante Gegenstände, wie etwa jenes Sofa, wo sich die hohen Gäste für einen Fototermin niederließen, oder jenes Service, aus dem sie aßen.
Richtig rührend fand ich Briefe von Privatpersonen, die die Staatsmänner zu sich nach Hause einluden oder verzweifelte Briefe von Ungarn und Ostdeutschen, die sich vom Gipfel Abhilfe für ihre Unfreiheit erhofften.
Als Krönung zu all diesen Stücken gab es einen Film, der nacheinander die Wochenschauen Österreichs, Amerikas und Russlands zeigte, die das Gipfeltreffen jeweils aus ihrer Sicht darstellten.
Somit endete die Ausstellung für mich mit einem interessanten Quervergleich wie man dieselbe Sache in drei Sprachen beschreiben kann.
Vielleicht zum Abschluss noch ein paar Worte zur Ausstellung selbst. Material und Botschaft der Ausstellung war für mich zweifellos überwältigend. Leider wurde ich aber auch fast vom Lärm in dieser Ausstellung überwältigt. Die zahlreichen Filmaufnahmen wurden relativ laut in den einzigen Ausstellungsraum ausgestrahlt, und die Musik und Reden überlappten sich dabei akustisch.
Da es sich dabei auch noch um relativ kurze Sequenzen handelte, war man deren Wiederholungen permanent ausgesetzt. Mein Beileid an das Personal, das sich diese Klangwolke den ganzen Tag über anhören muss.
Ich selbst war am Anfang leicht orientierungslos, erst mit der Zeit gelang es mir an Hand der Nummerierung der Kapitel den Faden der Ausstellung zu finden. Auch wenn das mein Ausstellungserlebnis etwas minderte, war mein Besuch insgesamt ein Erfolg.
Wer sich aber lieber darüber seine eigene Meinung bilden möchte, für denn habe ich noch ein paar Details notiert.
Die Ausstellung wurde im Museum Wien gezeigt, das sich am Karlsplatz gleich neben der Karlskirche befand. Diesmal fuhr ich mit der U1 vom Südbahnhof kommend bis zur Haltestelle Karlsplatz und ging über den Resselplatz zum Museum rüber.
Im Museum war ein kleines Cafe integriert, das scheinbar eine Dependance eines indischen Restaurants war. Trotz dem scharf gewürzten Angebot begnügte ich mich mit einem Toast (2,60 Euro) und einem Bier (2,20 Euro), die beide recht ordentlich schmeckten.
Im Museum gab es gleich zwei Kataloge. Einen um 20 Euro über die Ausstellung aus Berlin und einen um 18 Euro über jenen Teil, der sich mit dem Gipfeltreffen beschäftigte. Beim Durchblättern konnte ich für mich feststellen, das der größere Katalog gegenüber dem in der Ausstellung gezeigten Material zumindest über zusätzliche Bilder verfügte,
Ein Audio Guide wurde nicht angeboten. Allerdings konnte ich für 2 Euro an einer Führung teilnehmen, die sich als die längste Führung meines bisherigen Ausstellungsleben entpuppen sollte. Auf gut 1,5 Stunden erklärte die Führerin so ziemlich alles was es über Kennedy zu wissen gab, bis runter zum kleinsten Gerücht. Insgesamt war die Führung ein Erlebnis, allerdings braucht man gute Standbeine, um sie durchzuhalten.
Obwohl auf den Plakaten das Gipfeltreffen 1961 in Wien thematisiert wurde, war es mehr eine Biographie über das Leben und Wirken Kennedys mit teilweise sehr kritischen Tönen. Genau diese kritischen Töne mit den ausgelegten Dokumenten machten für mich die Ausstellung zu einem Erlebnis, wenn auch die Töne aus den Lautsprechen zeitweise ziemlich nervten.
Weitere Reisenotizen und Links
Webseite des Museums