Da meine Lieblingsmotive beim Fotografieren Schlösser und Burgen sind, interessiere ich mich besonders für jene Fotografen, die mit dem Abbilden von Architektur berühmt wurden.

Natürlich schätze ich auch Fotografen, die schöne Frauen abbilden, aber das ist jetzt nicht das Thema....

Thema ist viel mehr eine Frau namens  Lucca Chmel, die im Österreich der Nachkriegszeit einen führenden Namen auf dem Gebiet der fotografierten Architektur erworben hatte. So gilt sie als die erste auf Architektur spezialisierte Fotografin Österreichs.

Ausstellung (16.11.2004) - (09.01.2005)

Die Ausstellung wurde im Rahmen des 'Monats der Fotografie' von der Galerie WestLicht und  der österreichischen Nationalbibliothek organisiert. Während die Nationalbibliothek aus dem reichlichen Nachlass der Künstlerin (rund 100.000 Glasplattennegative) die Bilder beisteuerte, stellte die Galerie WestLicht die Räumlichkeiten zur Verfügung. Eine Galerie, die ich wegen ihrem auf Fotos spezialisierten Programm wohl noch oft besuchen werde.

Aber nun zur Künstlerin selbst. Lucca Chmel wurde 1911 in Wien geboren und wollte ursprünglich Malerin werden. Doch nach den ersten Ausbildungsschritten wechselte sie ins abbildungstechnische Werk.

Wie wir alle wissen, ist ja die Fotografie gegenüber Malerei die ehrlichere Kunst. Der Maler schmeichelt, der Fotograf tut das nicht... er retuschiert.

Die Künstlerin Chmel brauchte aber weder schmeicheln noch retuschieren, sie fotografierte die gänzlich unprätentiöse Architektur. Doch so ein simpler Satz wird wohl ihren wahren Begabung nicht gerecht. Sie fotografierte nicht Mauern alleine, nein sie fotografierte Stimmungen, die sich für mich ganz wunderbar von den Schwarz-Weiß-Fotos auf den Betrachter übertrugen.

Mir ging es jedenfalls so, und diesen Eindruck möchte ich an Hand ein paar von mir in der Ausstellung gesehenen Bildern näher erläutern.

Das Hotel am Kahlenberg...
....Zum Beispiel fotografierte sie den licht geschwängerten Speisesaal eines Hotels am Kahlenberg, von dem man einen tollen Blick auf Wien hatte. Sofort kam mir der Gedanke, wenn es noch Hotels gibt, die ich besuchen möchte, dann gehört dieses dazu. Leider musste ich ein paar Wochen später feststellen, das genau dieses Hotel nur mehr eine Bauruine auf dem sonst sehr schönen Kahlenberg darstellte.

Die große Loge...
...Bei einem anderen Foto musste ich unwillkürlich an einem futurischen Bau denken, an einer Loge in einem großen Opernhaus, ganz im Stil der neuen Oper von Paris, die 1989 eröffnet wurde. Die Auflösung: Es war ein Foto der Logen des Forum Kinos anno 1950!

Die anderen Kinos...
.... Auch andere Kinos wurden von Frau Chmel auf den Film gebannt und ebenso gebannt lernte ich von Foto zu Foto mehr über die Gestaltung der Kinosäle der 50iger Jahre. Vor meinem geistigen Auge sah ich förmlich die Wienerinnen und Wiener in ihren Petticoats und Anzügen im Foyer auf den neuen James Dean Film warten.

Prinzess Kindermoden...
... Bei einem Foto über ein Wiener Modegeschäft anno 1951 erfolgte schon der nächste Aha Effekt. Das Foto vermittelte mit eine bunte Welt von Kleidungsstücken und Accecoires (trotz SW Foto), eine bunte Welt die ich 1951 ehrlich gesagt nicht vermutet hätte. Den zu diesem Zeitpunkt fuhren noch die 'Vier im Jeep' auf den Straßen Wiens (die vier Besatzungsmächte, die bis 1955 in Österreich aufpassten, damit wir Österreicher nicht noch einmal versuchen würden unsere Grenzen zu erweitern).

Die Rezeption...
... war ebenfalls ein leerreiches Foto für mich. Den die Rezeption war nicht bloß eine Rezeption, nein das Pult war unterteilt in mehreren Funktionen. So gab es einen Empfang, ein Telefon, einen Fernschreiber und einen Credit-Manager. Und über jedem Pult stand fein säuberlich die Funktion der betreffenden Person dahinter. Jetzt frage ich mich natürlich, was für eine Funktion der Credit-Manager damals in einem Hotel hatte?

Die österreichische Nationalbank...
... in Linz. Eine Fotoserie aus dem Jahren 1953. Hohe Hallen, große Glastüren gegenüber den Schaltern, als würde man den Ansturm der Sparerinnen und Sparer gleich auf dem ersten Meter abfangen wollen. Und ein Foto vom Dach, wo Liegestühle vor der Kulisse des Pöstlingbergs gemütlich zum Ausruhen einluden. Liegestühle der Bankdirektoren?

Der Freihafen...
... Leider waren ein paar Fotos schlecht beschriftet. So entdeckte ich zum Beispiel ein Foto von einem Parkplatz, wo vor einem großen Gebäude auf der rechten Seite lauter Mercedes standen und auf der linken Seite eine Reihe von Volkswagen. Aha, dachte ich mir messerscharf, das ist je ein Parkplatz für Manager und Angestellte fein säuberlich getrennt. Als ich später die Erklärung auf einem Schild hinter dem Foto entdeckte, musste ich feststellen ... es war der Freihafen von Wien, wo Autos für die Auslieferung bereitgestellt waren.

Der Stephansdom...
... Auch das Wahrzeichen von Wien gehörte zu den Motiven der Künstlerin. Hier fand ich zwei Fotos vor, die 1944 und 1945 aus nahezu der gleichen Perspektive angefertigt wurden. Auf dem einen Foto sah man das prächtige Dach des Domes mit dem aus bunten Dachziegeln geformten majestätisch thronenden Adler. 1945 war der Adler verschwunden. Und mit ihm das ganze Dach, das durch Granattreffer in den letzten Kriegstagen mit lautem Krach in das Kirchenschiff fiel und von oben den Blick in ein großes Loch freigab.

Alles in Allem regten die Fotos meine Gedanken an und brachten mir so einiges lehrreiches bei. Leider ist die Ausstellungen schon zu Ende, doch ich bin sicher den großen Werken dieser Künstlerin wird schon bald wieder eine Ausstellungsraum gewidmet sein.

Vielleicht noch ein paar Details zur Galerie selbst, die ich durch ihre Sammlung von Fotokameras für sich sehr sehenswert finde.

Lage

Das Museum befand sich in einem Wohnhaus in der Westendstraße 40. Ich persönlich erreichte es vom Südbahnhof aus mit der Linie 18 (Ulbricht Platz) und ging das die Westendstraße runter bis zur Nummer 40.

Wäre ich vom Stadtzentrum gekommen, hätte ich die U3 bis zur Zieglergasse genommen.

Parken

Die Straße vor dem Wohnhaus war ordentlich zugeparkt. Man kann also sagen: Ja, es gibt Parkplätze, nur die haben schon die anderen. Ich würde empfehlen, sich nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln an das Museum heran zu wagen.

Eintritt

Der Vollpreis hätte 6,50 Euro gekostet. Als Mitglied des Clubs Ö1 betrug er aber nur 4,50 Euro. Die Eintrittskarte empfand ich als sehr originell, Es handelte sich dabei um eine frisch ausgedruckte Ansichtskarte auf Glanzpapier.

Gastronomie

Gleich neben der Kasse befand sich eine Art Bar mit relativ langer Theke, wo man wohl Kaffee und Getränke ordern konnte. Bemerkenswert waren zahlreiche Stehtische rund um diese Bar, wo man zwanglos trinken, plaudern und zu den Fotos hinüber blicken konnte.

Toiletten/Barrierefreiheit

Die Toiletten waren eine Spezialität. Sie hatten kein Waschbecken, dafür gab es einen Extraraum mit der Aufschrift 'Bad'. Dort fand ich das vermisste Waschbecken und eine Dusche vor. Geduscht war ich aber schon.

Leider muss man von der Straße über eine steile Treppen in den Ausstellungsraum marschieren, was für Rollstühle wenig ermutigend ist. Allerdings entdeckte ich in der Ausstellung die Türen eines großen Aufzuges, vielleicht kann man ja vom Hof des großen Wohnblocks bequemer in die Ausstellung gelangen?

Museumsshop/Ausstellungskatalog

Gegenüber der Kasse gab es eine Vielzahl von großen Fotobänden und Katalogen zu erwerben, die alle durch ein Ansichtsexemplar zum Schmökern frei gegeben waren.

Ihre Preise hatten es allerdings in sich, der Katalog kostete ca. 20 Euro und beschrieb im Wesentlichen das Leben und Wirken der Künstlerin und zeigte Teile ihres großen Werkes.

Bemerkenswert war für mich eine Art Preiskatalog für historische Kameras um wohlfeile 140 Euro!

Resümee

Die Ausstellung war für mich ein Erlebnis, den ich konnte mich nicht nur an schönen Bilder erfreuen und Motivation für eigene Fotos schöpfen, sondern lernte auch einiges aus der Vergangenheit Österreichs dazu.

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