Seit ich mich mit Kunstwerken der Malerei befasste, hörte ich öfters von einem Künstler namens 'Attersee', ohne aber jemals ein Werk von ihm gesehen zu haben.
Dabei ließ mich sein Namen jedes Mal etwas zusammenzucken, gab es doch in Österreich auch einen See mit gleichem Namen. So wurde ich immer neugieriger, mal etwas über diesen Künstler zu erfahren, dessen Name mit der Bezeichnung eines Sees identisch ist.
Die Ausstellung 'Attersee, Die Liebe - Das Haus - Der Ring' fand im Kunstforum einer Bank statt und wurde anlässlich des 65. Geburtstages des Künstlers gestaltet. Dabei wurden bewusst nicht alle seiner Werke in Form einer Retrospektive gezeigt, sondern der Schwerpunkt mehr auf die aktuellen Werke gelegt. Bei manchen Bildern war die Farbe sozusagen noch feucht....
Gleich nach dem Betreten des hell erleuchteten Ausstellungsraumes fand ich eine ausführliche Biographie des Künstlers vor, die mich vor allem in einigen Punkten überraschte. Der im Jahre 1940 in Pressburg geborene Künstler hieß in Wirklichkeit Christian Ludwig und nannte sich lediglich mit Künstlernamen Attersee. Mit dem See im Namen spielte er wohl darauf an, das es so nebenbei auch 3facher Staatsmeister im Segelsport war.
Wichtig für mich war nun zu wissen, dass er auch als Autor, Komponist und Sänger tätig war und ist. Laut allgemeiner Beschreibung beteiligte er sich am Wiener Aktionismus und beschäftigte sich mit Objekts- und Aktionskunst. Den Rest seines Schaffens unterschlage ich nun mal an dieser Stelle, da ich lieber von der Wirkung seiner Bilder auf mich erzählen möchte.
Diese waren in erster Linie sehr abstrakt gehalten und waren mir in ihrer Bedeutung erst durch Erläuterungen des Audio Guide so richtig zugänglich. Laut so mancher Beschreibung sollten sie vieles in unserem bürgerlichen Leben hinterfragen und auch viel Erotik ausstrahlen. Nun, ich frage mich scheinbar zu wenig und bei Erotik bin ich schon deftigeres gewohnt. Dieser Wirkung hatten sie also nicht auf mich. Doch sie gefielen mir trotzdem in großem Maße.
Dazu tat auch die Ausstellungsgestaltung ihr Gutes. In den ca. 7 Räumen des Kunstforums wurden die rund 80 Werke ausgestellt, was ein angenehmes nicht all zu ermüdendes Verhältnis von ca. 10 Gemälden pro Raum ergab.
Diese Gemälde waren noch dazu von einer eher größeren Dimension, so das das Gucken nicht zu einer großen Anstrengung wurde. Beim Betrachten half auch die großzügige Beleuchtung und auch die Höhe der Räume, so kamen die von Attersee angewandten Farben sehr gut zur Geltung.
Beschriftet waren die Gemälde eher knapp, es gab lediglich Titel und Jahreszahl zu sehen. An der einen oder anderen Ecke wurde etwas mehr zu der jeweiligen Reihe von Bildern erklärt, aber insgesamt war es eher wenig.
Wer also die Bilder verstehen lernen möchte, müsste sich dann schon etwas vorbereiten oder sich den Audio Guide mieten.
Was gefiel mir nun aus der Ausstellung besonders gut? Da war zum Beispiel ein Bild mit einem besonders schönen Titel: 'Hörst du, wie die Sonne malt?' Auf dem Bild sah man neben anderem eine Hand aus dem Himmel ragen die eine Art Pinsel führte.... Abgesehen wie gut ich die Umsetzung fand, war ich allein schon vom Titel des Werkes begeistert.
Von den raren Bildbeschreibungen selbst gefiel mir am Besten eine dort festgehaltene Theorie, wonach die Menschen bereits in der Urzeit künstlerisch tätig waren und sich dadurch selbst verehrten. Erst später wurde diese ausgeprägte Selbstverehrung durch Gottesglaube und Nächstenliebe ersetzt. Nun, ich verstand den Satz jetzt so, dass mit der damaligen Selbstverehrung kein Egoismus gemeint war, sondern ganz einfach eine große Erfurcht vor sich selber ... Ich finde, dass muss gar nicht mal so schlecht sein, so ein bisschen Erfurcht vor sich selber.
Von den Werken des Meisters gefiel mir die Serie über die österreichische Bundeshymne am Besten. Attersee baute in seine Gemälde Symbole ein, die in der Hymne angesprochen wurden, wie etwa einen Strom und einen Hammer (...Land am Strome.... Land der Hämmer .... ) Nur dem Satz .... Heimat großer Söhne ... widersprach er durch bewusstes Malen einer Frau, scheinbar um zu zeigen, wie einseitig die Hymne doch im Bezug auf die Geschlechter eigentlich ist.....Also hier kam die zuvor erwähnte Hinterfragung unserer bürgerlich Normen doch etwas raus.
Nun, solche Darstellungen mit Aussagegehalt gefallen mir natürlich besonders gut, ansonsten mochte ich einige Werke von ihm besonders wegen den Farben. Auch fand ich es recht interessant, wie er bei seinen ohnehin schon großen Werken auch noch auf den breiten Rahmen der Bilder weitermalte. So eine Variante war mir bisher noch nicht untergekommen.
Der Titel der Ausstellung fand ich dann übrigens in einem Triptychon wieder, das den selben Titel trug (Die Liebe - Das Haus - Der Ring). In diesem Werk thematisierte der Künstler so Themen wie die Liebe, den Hausbau, und die Treue, Themen, mit denen man sich ja tatsächlich als guter Bürger so rumschlagen muss. Auch hier musste ich aber etwas länger gucken, bis sich mir aber das Werk einigermaßen erschloss.
Aber nun war ich am Ende meines Rundganges angekommen und ich beschloss meine Heimreise anzutreten. Wer sich das selbst ansehen möchte, kann hier noch ein paar Informationen finden
Die Ausstellung fand im BA & CA Kunstforum an der Freyung im ersten Bezirk der Stadt Wien statt. Ich selbst erreichte dieses Gebäude, in dem ich mit der U-Bahn Linie U2 bis zur Station Schottentor fuhr und dann die Schottengasse Richtung Innenstadt ging. An der selben Station halten auch zahlreiche Straßenbahnlinien (37, 38, 40, 41, 42, 43, 44)
Nicht weit von dem Gebäude entfernt befand sich eine Tiefgarage der WIPARK (Garage Freyung), wo für die Parkstunde 3,40 Euro verlangt werden.
Der Eintritt betrug für mich 6 Euro, da ich über eine Ö1 Klubkarte verfügte. Der normale Vollpreis hätte 8,70 Euro betragen. Die Wartezeit an der Kasse war gleich Null, eigentlich waren außer mir vielleicht noch 4 Personen in der Ausstellung. Das konnte aber auch an der vorgerückten Stunde gelegen habe (Sonntag um 18:00)
Das Fotografieren war nicht erlaubt, auch der Gebrauch von Mobiltelefonen war nicht gestattet.
Das Ausstellungsgebäude verfügte über kein Cafe. Allerdings befanden sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Forum mehrere Cafés bzw. Gasthäuser mit guter Wiener Küche.
Die Toiletten befanden sich innerhalb der Ausstellung. Eine eigene Behindertentoilette entdeckte ich nicht. Die Ausstellung selbst war eben und barrierefrei.
Der Museumsshop war mit seinen zwei Räumen im Vergleich zu den sieben Räumen der Ausstellung überproportional groß und bot neben üblichem Krimskrams eine Reihe von teuren Ausstellungs- und Fotobänden.
Die Nutzung des Audio Guide kostete 3,20 Euro und wurde mir gegen Hinterlegung eines Ausweises ausgefolgt. Er war im Vergleich zu so manchen 'schlagstockähnlichen' Exemplaren in anderen Ausstellungen sehr raffiniert ausgeführt. Es handelte sich dabei um ein flaches Modell, das in einen breiten Tragegurt integriert war. So konnte ich ihn um meinen Hals hängen, ohne ihn als mühsames Gewicht zu spüren.
Die Inhalte bestanden hauptsächlich aus Interpretationen der Bilder. Erfahrungsgemäß hilft das 50:50 weiter. Damit meine ich, zur einen Hälfte erfährt man wirklich interessante Details über die Bilder, zur anderen Hälfte frage ich mich, ob das wirklich alles so stimmt, was da über die Motivation des Malers bezüglich dieses Bilds gesagt wird.
Durch den Besuch der Ausstellung konnte ich für mich eine offene Frage klären. Nun wusste ich wer dieser 'Attersee' eigentlich war und ist. Die Ausstellung empfand ich als gerade richtig dimensioniert, die Bilder gefielen mir sehr von der Farben her, die Erklärungen am Audio Guide hingegen ließen mich öfters rätseln welches Bild da eigentlich besprochen wurde.
Weitere Reisenotizen und Links
Webseite des Kunstforums