Ende November begannen die Zeitungen wahre Lobeshymen über eine Ausstellung in Frankfurt zu schreiben, wo nicht weniger als 400 antike Kunstwerke aus 75 verschiedenen Museen zusammengetragen worden sind. Nun, wann hat man schon die Gelegenheit die Werke aus so vielen Museen auf einmal zu sehen, also auf nach Frankfurt....
Nachdem ich die Karte vorgezeigt hatte, gelangte ich in einen Vorraum, von dem es zu den beiden Ausstellungsräumen weiterging. Das Wichtigste in diesem Raum war aber die Ausgabe des Audio Guide um 4 Euro das Stück, sowie die Ausgabe eines kleinen kostenlosen Ausstellungsbegleiters in Deutsch oder Englisch. Diesen kostenlosen Begleiter sollte man sich unbedingt mitnehmen, da sich nur in diesem nähere Erklärungen zu den Exponaten finden lassen.
Das Beste was man bei einer Ausstellungen machen kann, ist den Besucher gleich zum Begin so richtig zu überraschen und ins Thema einzuführen. Das gelang in dieser Ausstellung sehr gut.
So stand ich plötzlich vor zwei großen Satellitenkarten, die beide die Küstenländer rund um das Mittelmeer zeigten und im Norden und Osten noch weit darüber hinaus. Sie zeigten die Feldzüge Alexander des Großen, sowie auch Fundstätten von bestimmten Tempeln.
Ich empfinde sowohl Karten als auch Luftaufnahmen haben etwas sehr inspirierendes an sich, und diese Satellitenbilden vereinten beides in einem. So konnte ich nun gut erkennen, wie weit Alexander der Große sich von seiner Heimat entfernt hatte auf dem Weg zu seinem eigenen Weltreich.
Interessant auch eine Zeitleiste rund um den Raum, die auf mehreren Bahnen wichtige Ereignisse im Leben der Ägypter, Griechen und Römer darstellten. Interessant dabei zu erkennen, wie spät eigentlich die Römer im Vergleich zu den Ägyptern in die Geschichte eintraten und wir ihr 1.000 Jähriges Reich vergleichsweise kurz im Gegensatz zu den ägyptischen Reichen wirkten.
Aber nun ging es rein in die eigentliche Ausstellung. Die war von der
Dekoration sehr sparsam gestaltet. In den weiß gehaltenen Raum war keinerlei
Versuch unternommen worden, durch künstliche Atmosphäre, den Besucher von
den Schaustücken abzulenken. Auch erklärende Texte gab es - außer Hinweise
auf Katalognummer und Leihgeber des Stücks - kaum. Darum war es auch so
wichtig sich das kostenlose Begleitheftchen mitzunehmen.
Und was war jetzt mit den Ausstellungstücken? Die waren sehr interessant
arrangiert. Bei der Grundaussage der Ausstellung ging es darum, wie sich die
ägyptische Kunst im Laufe der Zeit durch ihre Besatzer (zuerst die Griechen,
dann die Römer) beeinflussen ließ und wie sie andererseits die Kunst der
Besatzer beeinflusste.
Darüber kann man viel theoretisches schreiben, oder man stellt gleich die
entsprechenden Stücke nebeneinander. Und so tat man es auch. So konnte ich
den ägyptischen Sphinx gleich neben der griechischen Sphinx erleben und
damit endlich für mich lösen, welches Geschlecht diesen Wesen eigentlich
hat.
Auch über so manche Anspielung der damaligen Zeiten lernte ich Bescheid. In
einer Ausstellung in Mannheim lernte ich, das der Pharao immer siegte und
das gerne dadurch ausdrückte, indem er Bilder von sich und seinen
unterworfenen Gegnern anfertigen ließ. Nun, die Griechen waren nicht faul
und fertigten z.B auf Vasen ähnliche Motive an. Nur diesmal waren sie die
Sieger und die Ägypter lagen am Boden...
Dies alles war nicht theoretisch erklärt, nein, ich konnte mich persönlich
an Hand der Schaustücke von diesen Deutungen überzeugen. Aber es ging noch
weiter. So lernte ich einiges über den Isis Kult kennen, ein Kult der von
Ägypten auf Rom übersprang. Oder ich konnte mich an Hand von nicht weniger
als 14 verschiedenen Statuen von Alexander des Großen informieren, woran man
eine Alexanderstatue eigentlich erkennt.
Das war auch der Punkt, wodurch die Ausstellung für mich persönlich an Wert
gewann. Es wurden viele Hinweise gegeben, wie antike Bildprogramme gedeutet
werden müssen. Woran erkennt man eine Isis? Welche Bedeutung hatte der
Kindgott Harpokrates und warum stellt man ihn oft mit einem Finger auf den
Lippen dar?
Die Fachwelt rühmt die Ausstellung natürlich nicht wegen diesen Details,
weil die Fachwelt weiß das natürlich schon alles. Sie rühmt die Ausstellung
mehr wegen den außergewöhnlichen Stücken, wie etwa eine besonders prunkvolle
Gemme aus dem Kunsthistorischen Museum Wien. Von dieser nahm das Mittelalter
fälschlicherweise an, das die heiligen drei Könige darauf dargestellt
werden. Da der eine Kopf in Schwarz dargestellt wurde, ging man seither
davon aus, das ein König ein Mohr sein müsse. Wieder so etwas wo ich als
nach Antworten Suchender sage, aha!!!
Aha sagte ich dann gleich noch mal, und zwar beim grünen Cäsar, eine sehr
bekannte Statue, wo entweder tatsächlich Cäsar abgebildet wurde oder ein
reicher Mann sich ganz einfach wie Cäsar abbilden ließ. Ich kannte die
geheimnisvoll wirkende Statue schon von vielen Bildern und freute mich sie
mal aus nächster Nähe zu sehen. Wieder so eine Sache, damals bildete man
sich nicht immer naturgetreu ab, nein, man wählte für die Abbildung
irgendeine berühmte Figur.
Und so ging es weiter. Jeder Raum klärte auf, wie sich die Bildprogramme der
antiken Völker gegenseitig beeinflussten und - so würde ich es jedenfalls
sehen - auch heute uns noch subtil beeinflussen. Wer sich nun diese
Ausstellung selbst ansehen möchte, kann weiter unten noch ein paar Details
nachschlagen.
Die Ausstellung war in einem Zubau zum Städel untergebracht, einem bekannten Ausstellungshaus in Frankfurt am Main. Ich selbst spazierte vom Hauptbahnhof in die Kaiserstrasse, bog dann in die Moselstrasse nach rechts ein und ging dann nur noch geradeaus über den Holbeinsteg auf das Städel zu. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln wäre die Ausstellung mit der Buslinie 46 am Besten erreichbar gewesen (Haltestelle Städel)
Der Eintritt betrug für mich 8 Euro (Vollpreis). Die Eintrittskarte was als einfacher Kassenbon gestaltet.
Das Fotografieren war nicht erlaubt.
Direkt im Ausstellungsgebäude befand sich kein Cafe, doch gleich daneben hätte ich mich im Cafe-Restaurant Holbein's laben können.
Es befanden sich Toiletten im Kassenraum und im Tiefgeschoss. Die Ausstellungsräume waren durch Aufzüge erreichbar und somit barrierefrei.
Der Museumsshop befand sich direkt im Ausstellungsbereich und war somit ohne Eintrittskarte leider nicht erreichbar. Das Angebot reichte von Taschenbüchern bis zu sehr teuren Bildbänden, hauptsächlich über die Antike. Der Museumskatalog wurde um 29,90 Euro angeboten und bietet auf über 750 Seiten zahlreiche Einzelbeiträge, die sich mit dem Vergleich von Kunstwerken beschäftigen.
Der Audio Guide kostete mir 4,00 Euro und war ein Hörgenuss. Erstmals erlebte ich nicht nur informativen Text sondern auch passende Musik zu den einzelnen Räumen. Ich denke, das wird Nachahmer finden.
Die Fachwelt rühmte die Ausstellung wegen den einzigartigen Exponaten und der starken Aussagen durch den Vergleich vieler Exponate. Ich möchte die Ausstellung lieber dafür rühmen, das sie dem interessierten Betrachter sehr viel über die Bildprogramme unserer antiken Vergangenheit verrät. Allerdings muss man dazu konsequent Audio Guide und Begleitheft durchgehen, sonst geht sehr viel Information verloren.
Weitere Reisenotizen und Links
Webseite des Museums