Während meiner Vorbereitung auf die Ausstellung "Ägypten Griechenland Rom" im Frankfurter Städel stieß ich auf eine Anzeige für eine Ausstellung über die Burgen der Kreuzfahrer. Als begeisterter Burgenfan plante ich natürlich in meinen Frankfurtaufenthalt den Besuch dieser Ausstellung mit ein.
Den diese Ausstellung im Archäologischen Museum zu Frankfurt wurde sehr prominent organisiert, nämlich von der Gesellschaft für Internationale Burgenkunde Aachen e.V. in Zusammenarbeit mit der Institut für Stadtgeschichte.
Das hob meine Vorfreude, denn von dem Aachener Verein für Burgenkunde hatte ich bereits 2003 eine sehr interessante Ausstellung über die französischen Donjons (mittelalterliche Wohntürme in Frankreich) an der selben Stelle gesehen.
Und auch diesmal sollte ich nicht enttäuscht werden. Die Ausstellung startete ungefähr in der Mitte des Museums und bestand genau genommen nur aus zwei sehr großen Modellen und rund 60 Schautafeln.
Ein Modell von den beiden stellte die Johanniterburg 'Crac des Chevaliers' dar, wie sie gerade von den Truppen des Mamlukensultan Baibars im Jahre 1271 berannt wurde. Das andere Modelle gab mir einen Eindruck des Bazars von Aleppo. Diese Modelle waren dabei sehr ansprechend gestaltet, eine Augenweide sowohl für Kinder als auch Erwachsene.
Aber ich möchte zunächst mal die Schautafeln beschreiben. Diese Tafeln waren stets in der gleichen Konzeption gehalten. Während auf der rechten Seite zumindest ein sehr großes Foto und mehrere kleinere Fotos das besprochene Thema oder die besprochene Burg abbildeten, befand sich auf der linken Seite eine Erklärung sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache. Zusätzlich wurden Grundrisse der Gebäude, bzw. Lageskizzen der Burgen innerhalb eines Geländes dargestellt.
Dazu wurde die Geschichte der Burg vor allem zur Zeit der Kreuzfahrer in kurzen prägnanten Absätzen dargestellt. Ergänzt wurde der Text um eine Reihe von Schreib- und Ausspracheweisen, da diese Burgen zum Einen von verschiedenen europäischen Herren begründet wurden und sich nicht zuletzt in einem Gebiet mit völlig anderen Sprachen befanden.
Die Bilder fand ich sehr gelungen fotografiert, es gab neben Detailaufnahmen von einzelnen Türmen oder Toren, auch ganze Draufsichten oder auch Luftaufnahmen. Viele dieser Aufnahmen halfen mir die Größe der Burg richtig zu erfassen.
Hier muss ich vielleicht eines anmerken: Diese Ausstellung war für mich so etwas wie ein großes Lesebuch. Es wurden keinerlei Gegenstände aus jener Zeit gezeigt. Es gab keine interaktive Elemente. Wer also alle Informationen für sich erfahren möchte, muss also sehr viel lesen und muss auch mit der sehr trockenen Beschreibung der Burgen klar kommen. Die Autoren haben sich sichtlich bemüht korrekt und präzise zu formulieren, was aber bei so vielen Tafeln die Leselust etwas hemmt.
Doch zum Ausgleich bekommt man eine Vielzahl von sehr schönen Fotos zu sehen, so dass der an Text nicht so Interessierte sich and ie Bilderhalten kann und hinterher ein gutes Gefühl dafür bekommen hat, wie diese Kreuzfahrerburgen eigentlich ausgesehen haben.
Für die kleinen Kinder sind diese großen Tafeln wohl nichts, doch dafür werden sie mit den beiden Modellen belohnt. Diese Modelle waren keine beliebigen Burgenmodelle, wie man sie aus den Auslagen der Spielwarenläden kennt. Nein, es handelte sich dabei um das sichtbare Bemühen die Bauweise und das Leben der damaligen Zeit möglichst informativ - ich möchte fast sagen erzieherisch - rüber zu bringen.
Die Modelle versuchten die Vorbilder maßstabgetreu abzubilden, waren aber an vielen Stellen geschnitten, so das ich als Betrachter in das Innere der Festung oder des Bazars blicken konnte. So sah ich dort dort die Verarztung der Verwundeten genau so, wie das Gebet der Mönche oder das Gelage der Burgherren. So konnte ich erleben, wie ein stolzer Vater seinem Sohnemann die Funktion der Ziehbrücke erklären konnte, während ich an Hand der rund 2.000 (!) Figuren die Methoden der Angreifer beim Stürmen einer Burg studieren konnte.
Aber es gab ja noch das weniger kriegerische Modell vom Bazar in Aleppo. Im Modell dieses Basars konnte ich sehr schön das Innere eines türkischen Hammams (Bad) sehen, aber auch das Gewirr der vielen Läden und der Verbindungswege dazwischen. Die verschiedenartigen Waren der Händler wurden dabei liebevoll und detailliert nachgebaut, ich konnte sogar die Schrift in den Büchern der Händler erkennen (natürlich nicht lesen, weil erstens arabisch und zweitens zu winzig geschrieben).
Ich denke, es wäre eine gute Idee die Ausstellung gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit mit den Kindern zu besuchen und ihnen die wohl ultimative Ritterburg zu zeigen. Und ihnen auch das eine oder andere aus jener Zeit zu erklären. Aber als Erwachsener sollte man sich gut vorbereiten, den Kinder können unheimlich fies fragen!
Vielleicht noch ein paar Hinweise zum Rundgang. Ich selbst begann ihn im archäologischen Museum mit Eingang in der Karmelitergasse 1. Die ersten Tafeln klärten mich über die verschiedenen Ritterorden auf, die in der Zeit der Kreuzfahrer bestanden und sich auch mit Burgenbau beschäftigten. Darunter zum Beispiel die bekannten Templer oder der Deutsche Orden. Im Anschluss las ich eine Schautafel mit einem Glossar zum Thema Burgen und eine weitere Tafel mit Informationen über den Verein aus Aachen.
Danach begannen bereits die ersten Schautafeln mit der konkreten Beschreibung von Festungen in der heutigen Türkei, im Libanon, Syrien, Jordanien, Israel sowie auf den Inseln Zypern und Rhodos. Nachdem ich mich auf diese Art und Weise den Rundgang abgeschlossen hatte, musste ich durch eine Stahltür in den Kreuzgang des ehemaligen Karmeliterklosters hinaustreten.
Dieser war zwar verglast, aber trotzdem etwas kühl. Wer es gerne warm hat, sollte also seine Jacke nicht an der Garderobe abgeben. Hier ging es mit den Tafeln weiter, wobei nun auch so Themen wie Kirchenbau und wissenschaftliche Beeinflussungen zwischen Abendland und Morgenland behandelt wurden. Die Kriege führten ja nicht nur zu Tod und Heimsuchung, sondern man lernte auch fremde Länder kennen und auch neues Wissen.
Nach dem Kreuzgang führte mich der Weg in ein anderes Gebäude, in das Institut für Stadtgeschichte. Dort befanden sich im ehemaligen Refektorium die restlichen Schautafeln und das Modell des Basars von Aleppo.
Eine kleiner Hinweis: Wer noch Zeit hat sollte sich vor allem die Fresken von Jörg Ratgeb im Kreuzgang und im Refektorium ansehen. Diese waren ebenfalls mit Schautafeln sehr gut beschrieben und eine Erfahrung für sich. Weiters wird man als Besucher der Sonderaustellung nicht umhin kommen sich auch ein wenig die Dauerausstellung über die Römer anzusehen.
Ich selbst verzichtete aber diesmal auf die Römer und ging statt dessen auf den Römer, einem zentralen Platz in der Altstadt Frankfurts und besuchte den dortigen Weihnachtsmarkt. Weil so knapp vor Weihnachten braucht man ja noch was zum Schenken....
Weitere Reisenotizen und Links
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Museums