Im Jahre 2002 machte eine in Sachsen-Anhalt gefundene Scheibe große Schlagzeilen. Sie galt als Beweis für eine sehr frühe Kenntnis unserer mitteleuropäischer Ahnen vom Sternenhimmel. Ja, es wird sogar behauptet, das es sich Überhaupt um die älteste bekannte korrekte Darstellung des Himmels handelt. Für kurze Zeit kann man sie in Wien sehen.

Die Ausstellung für dieses einmalige Stück fand in den Räumen des Naturhistorischen Museums von Wien statt, einer für mich durchaus vertrauten Umgebung. Hier hatte ich ja schon so manche Nachmittage vor den Vitrinen verbracht.

So trabte ich frohen Mutes die große Prunkstiege des Museums rauf zu den Räumen der Sonderausstellung "Der geschmiedete Himmel" - Warum ausgerechnet "Geschmiedeter Himmel" fragte ich mich? Nun, bald werde ich es wissen, aber vorerst mal der Reihe nach.

Zuerst lieh ich mir mal einen Audio Guide aus und verschwand mit Kopfhörern ausgerüstet im ersten Raum. Dieser führte mich ein wenig in die Geschichte der Nebrascheibe ein. Eigentlich hatte diese Scheibe zwei Geschichten. Die eine Geschichte handelt von ihrer Entstehung und ihrem unterirdischen Leben bis 1999. Und die zweite Geschichte von ihrer Entdeckung im Jahre 1999 bis heute, die man ruhig als Krimi bezeichnen könnte. Die Scheibe war 1999 in der Nähe von Nebra von Raubgräbern entdeckt worden und gelangte erst 2002 in die Hände der Museumsverwaltung von Sachen-Anhalt. Beide Geschichten wurden in diesem ersten Raum behandelt.

Um die Spannung nicht weiter zu treiben, mal ganz kurz wie man sich die Scheibe vorstellen muss: Es handelt sich dabei um eine 2 kg schwere und rund 32 cm im Durchmesser messende Bronzescheibe, der man ein Alter von ca. 3.600 Jahre zumisst. Auf der Oberfläche sind Symbole in Gold eingelegt. Diese Symbole identifizierte man als Monddarstellungen und als die Plejaden (ein in dieser Zeit schon bekanntes Sternbild). Weiters wurde eine Barke (ein eher altertümlicher Begriff für ein Boot) als Sonnensymbol ausgemacht und durch Goldeinlagen am Rand wurde eine Winkelangabe identifiziert, die in bestimmten Gegenden Mitteleuropas (z.B. Sachsen-Anhalt) den Sonnenstand zu einem bestimmten Datum entspricht (Sonnenwenden).

Daraus schloss man, dass die Menschen schon damals astronomische Beobachtungen z.B. für landwirtschaftliche Fragestellungen machten und ihre Erkenntnisse korrekt abbilden konnten. Und durch die gänzlich unastronomische Barke kam man zur Ansicht, dass die Scheibe auch kultischen Zwecken diente.

Aber nun zurück zur Ausstellung. Wie die ursprüngliche Fundlage gewesen sein soll, erfuhr ich dann im nächsten Raum an Hand eines Modells. Auch der Fundort, der Mittelberg in Sachen-Anhalt wurde ein wenig beschrieben. Dann kam bereits das erste Detail, das mich persönlich faszinierte. Man hatte die Ausgangsmaterialien der Scheibe analysiert und festgestellt, das das Kupfer für die Bronze aus meinem Heimatland Österreich kam. Konkret gesagt vom Mitterberg in Salzburg.

Im nächsten Raum wuchsen meine Gehirnzellen wieder um ein wenig Wissen. Dort ging es um das Tauschieren. Was versteht man unter Tauschieren? Das war eine bereits in der Frühzeit bekannte Methode wie man in einem Metall ein anderes Metall einbringt (z.B. Verzierungen). In einem Film konnte ich sehen, wie eine Gruppe von Interessierten dieses Tauschieren mit rekonstruiertem Werkzeug ausprobierten.

Aber schon längst wurde mein Blick von etwas anderem angezogen. Im nächsten Raum schimmerte bereits mythisch verklärt die Nebrascheibe samt den anderen Fundgegenständen aus dem Dunkel hervor. Sehr beeindruckend arrangiert!

Tja, wäre sie nur echt gewesen! Noch war ich nicht soweit das Original zu sehen, denn diese Scheibe war nur eine Nachbildung im Maßstab 2:1 (also vergrößert), trotzdem aber sehr beeindruckend zu betrachten. Daneben eine Schautafel, die mir die nicht unwesentlichen Veränderungen an der Scheibe seit ihrer Entstehung verdeutlichten.

So, wohin ging es weiter? Fast schon glaubte ich mich am Ende der Sonderausstellung, den mein Weg führte mich hinaus in die kinderpädagogische Abteilung des Naturhistorischen Museums. Dort gab es zwar allerlei zu spielen aber nichts zu sehen.

Doch mehrere Pfeile wiesen mir den Weg in den nächsten Raum, der im Gegensatz zu den ersten Räumen, sich nun große und hell präsentierte und von einer riesigen Waage dominiert wurde. Die Waage war natürlich eine Nachbildung, gut gefüllt mir allerlei Material, das man wohl zur Entstehungszeit der Scheibe in Gebrauch hatte.

Warum lag nun diese Scheibe samt Beilagen überhaupt im Boden? Genau diesem Thema widmete man sich in diesem Raum. Ich war ohnehin schon neugierig gewesen, was man eigentlich außer der Scheibe noch ausstellen würde. Weil so eine Scheibe ist ja eigentlich schnell gezeigt und besprochen.

Nun, die Leute im Naturhistorischen Museum zu Wien haben sich da einiges einfallen lassen. Zum einen griffen sie jedes einzelne Element (z.B. die Schwerter) des Fundes vom Mittelberg auf und widmeten ihm ein paar Vitrinen. Zum anderen ließen es sie sich nicht nehmen, Ähnliche Fundgegenstände aus der selben Zeit im österreichischem Raum zu dieser Scheibe in Kontext zu setzen.

In diesem Raum erfuhr ich nun einiges für die verschiedenen Opferrituale der damaligen Zeit und warum man was wie vergrub. Dazu wurden alle bei der Scheibe gefundenen Teile thematisiert und erklärt. Zum Besseren Verständnis für die verschieden Formen dieser Teile wurden auch Funde aus anderen Gegenden dazu gestellt. Dabei fand ich besonders zwei Kammhelme interessant, die man am Pass Luegg in Salzburg ausgegraben hatte. Ich muss schon sagen, beim Betrachten dieser Helme wurde mir ganz anders. Beeindruckend welche Form und Eleganz schon vor so vielen Tausenden Jahren gelebt wurde!

Im nächsten Raum ging es dann gleich weiter mit beeindruckenden Formen. Zuerst einmal das Wichtigste: Hier stand ich endlich dem Original der Bronzescheibe von Nebra gegenüber, majestätisch platziert auf dem stilisierten Modell einer Barke, gepaart mit dem Sonnenwagen von Trundholm (Dänemark).

Warum Barke? Warum jetzt auch noch ein Sonnenwagen? Nun, die Ausstellungsleitung wird sich wohl gedacht haben, der Besucher soll nicht nur gucken, sondern auch was lernen. Auf der Scheibe befand sich ja so ein sichelförmiges Etwas, was die Forscher als Barke identifizierten, die sich für den Himmel bewegt. Und um die verschiedenen Darstellungen der Sonne ging es nun.

Das diese Barke kein Einzelfall, sondern ganz im Gegenteil ein sehr weit verbreitetes Symbol war, zeigten dann ein paar andere Ausstellungsstücke, wo man ebenfalls Barken in verschiedenen Formen finden konnte. Doch was mich am meisten beeindruckte: Es wurden auch zwei Kultgegenstände aus Bronze gezeigt, die extrem ähnlich ausgeführt waren.

Doch sie wurden an zwei völlig verschiedenen Orten gefunden: In Balkakra (Schweden) und im burgenländischen Haschendorf (Österreich). Dazwischen liegen 1.200 km! Noch besser kann man nicht darstellen, das die Menschen schon vor Tausenden Jahren weit reichende Handelsbeziehungen gehabt haben müssen.

Nun war es aber Zeit, den letzten Raum zu besuchen. Der war leider in einem sehr starken Dunkel gehüllt, fast zu dunkel um die Schriften auf den Tafeln lesen zu können. Warum so dunkel? Auf zwei Leinwänden wurden Filme gezeigt, die ein wenig erklärten welche astronomische Systeme die Menschen in früheren Zeiten verwendeten. Daneben wurde z.B. an Hand eines Modells die Funktion von Stonehenge erklärt.

Unverhofft war ich nun aber ans Ende der Ausstellung angelangt, den plötzlich befand ich mich in einem Raum der Dauerausstellungen des Naturhistorischen Museums und es galt für mich die letzte Frage zu klären: Warum hieß die Ausstellung "Der geschmiedeter Himmel"? Nun, das war mir nach diesem Rundgang etwas klarer geworden. Die Bronzescheibe war ja nicht einfach gegossen worden, sondern die Himmelskörper wurden in Gold auf die Oberfläche der Scheibe aufgehämmert, der Himmel war sozusagen geschmiedet worden.

Resümee

Für mich war wichtig, die Nebra Scheibe einmal persönlich zu sehen und ihre genaue Bedeutung zu erfahren. Durch die Besprechung der einzelnen Elemente auf der Bronzescheibe und das Vergleichen mit anderen Funden ist das aus meiner Sicht recht gut gelungen. Was mir aber ein wenig gefehlt hatte, war eine Darstellung von anderen Theorien zu dieser Scheibe, die es meiner Meinung nach zweifellos gibt.

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