Seit Oktober 2005 ist in Wien eine vom Kunsthistorischen Museum veranstaltete Ausstellung mit bereits über 100.000 Besuchern im Gespräch.

Es geht dabei um rund 80 Werke des spanischen Künstlers Francisco de Goya. Diesen Künstler kannte ich seit meiner Kindheit, als ich mal eines seiner Gemälde 'Die Erschießung der Aufständischen' in einem Schulbuch entdeckte. Seitdem hatte Goya etwas Düsteres, Furchterregendes für mich. Durch einen Besuch der Ausstellung wollte ich prüfen, ob dieser Eindruck überhaupt seine Berechtigung hatte.

Ausstellung (18.10.2005) - (29.01.2006)

Die Ausstellung war vom kunsthistorischen Museum in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie der staatlichen Museen Berlins und des Museo Nacional del Prado in Madrid gestaltet worden. In diesem Zusammenhang war die Ausstellung schon in Berlin zu sehen und fand nun für ein paar Wochen seine Heimat im Wiener Kunsthistorischen Museum.

Dort hatte ich schon manch anderen Höhepunkt aus der Kunstgeschichte gesehen. Auch diesmal sollte ich nicht enttäuscht werden. Am Eingang war eine kurze Biographie des Künstlers in deutsch und englisch angeführt. Diese Zweisprachigkeit wurde dann konsequent in der ganzen Ausstellung durchgehalten, was ich als sehr positiv empfinde.

Wer war nun dieser Francisco de Goya? Er wurde 1746 in der Nähe des spanischen Saragossa geboren und starb 1828 mehr oder weniger in seinem Exil in Bordeaux. Dazwischen hatte er eine sehr aufregende Karriere als erster Hofmaler am spanischen Königshof hinter sich. Aufregend wohl auch deshalb, weil er als kritischer Denker die Ereignisse rund um die Napoleonischen Kriege sowie die Rolle der Kirche und des Adels in seinen Werken nicht unkommentiert ließ.

Aber was hat er denn nun gemalt? Im ersten Raum lernte ich einige Portraits und Genremalereien von Goya kennen. Darunter auch einige Portraits, wo man dem Maler wirklich nicht vorwerfen kann, er würde schmeicheln. So waren speziell die Damen oft sehr unvorteilhaft abgebildet und man muss wohl Königin sein um darüber zu stehen. Unter Genrebildern versteht man die Abbildung von Alltagsszenen, und hier konnte ich schon die eine oder andere kritische Note in den Werken Goyas feststellen. Zum Beispiel wenn er an einer Baustelle zwei Bauleute einen verletzten Kollegen wegtragen lässt. Ein Hinweis auf die damaligen gefährlichen Arbeitsbedingungen?

Schon belustigender eine andere Szene, wo eine edle Dame gerade vom Pferd gefallen war und die Kavaliere des Gefolges sich redlich um die Dame bemühten. Die Hofdamen selbst hingegen hoben theatralisch die Hände gegen Himmel und ereiferten sich im Entsetzen ob des gar schrecklichen Vorfalles. Einzig das Pferd bewegte sich nicht mehr, meiner Ansicht etwas unrealistisch, es sei denn, das Pferd hat es gar schwer erwischt. Bei all diesen Werken kann man sich übrigens als Besucher eine Aufgabe stellen: Wo hat Goya signiert? Das tat er nämlich nicht immer rechts unten, sondern an den verschiedensten Stellen. Auch bemerkenswert fand ich, das er seinen Werken oft Titel gab, die er direkt auf dem Blatt auftrug.

Aber das waren ja noch die lustigeren Bilder von Goya, so wie ich ihn eigentlich nicht gekannt hatte. Neugierig ging ich in den nächsten Raum, den ich eigentlich schon mehr als schmalen Gang mit Nischen empfand. Hier ging es dann mit Zeichnungen von Goya weiter. Leider war es ab da etwas mühsam an die Zeichnungen ran zu kommen. Wegen diesem engen Bereich würde ich empfehlen, die Ausstellung eher am Tagesrand zu besuchen, zum Beispiel am Donnerstag Abend, wo die Ausstellung bis 21:00 geöffnet ist.

In diesen Zeichnungen lernte ich die Gedankenwelt des spanischen Künstlers so richtig kennen. Hier fand man gar frivoles genauso wie ironisches und sarkastisches. Auf jeden Fall kamen die in den Zeichnungen Abgebildeten nicht wirklich gut weg. Hier wurde Krieg und Inquisition angeklagt. Und auch die Dummheit des Pöbels wenn man so will. Einen Inquisitor ließ Goya mit gar großen fledermausähnlichen Ohren an einem Schreibtisch eifrig Notizen schreiben, ganz nach dem Motto, die Inquisition hört und sieht alles. Oder zwei als Adelige verkleidete Esel werden von einem Treiber verprügelt, ganz nach dem Motto, wer ein Esel ist, soll auch wie ein Esel behandelt werden. Ob adelig oder nicht. Na, wen wundert es, das Goya dann selbst mal vor die Inquisition kam und später Spanien mal in Richtung Frankreich verlassen musste?

Auch ich verließ den trotz allem geschilderten Humor eher düsteren Teil der Ausstellung und kam nun in einen Bereich wo für mich die Sonne aufging. Gleich am Anfang leuchte mir ein mir wohl vertrautes Bild entgegen: Der Sonnenschirm. Dieses ist ja auch das Sujet der Plakate zu der Ausstellung.

Was war nun so besonders an diesem Raum? Hier wurden Kartons und Tapisserien nebeneinander gezeigt. Dazu muss man wissen, das man früher die Tapisserien nach Vorlagen gewebt hatte. Goya hatte zahlreiche solche Vorlagen in Form von Ölbildern angefertigt.

Diese Ölbilder also Vorlagen, und die Tapisserien als Endprodukte konnte ich nun nebeneinander vergleichen. Ein sehr interessantes Ausstellungserlebnis. Unter den ausgestellten Werken waren nun so Spitzenwerke wie der Sonnenschirm oder der Hampelmann. Beim Hampelmann gefiel mir die Beschreibung des Audio Guide recht gut. Hierbei wollte Goya ausdrücken, wie sehr die Männer sich in der Hand der Frauen befinden, quasi einem Hampelmann gleich. Also, genau genommen gefiel mir dieser Gedanke dann doch nicht....

Nun kommen wir aber zum letzten Raum der Sonderausstellung. Goya war inzwischen durch Krankheit taub geworden und drückte nun seine Gefühle durch kleinere Bilder, den Kabinettsbildern aus. Hier waren nun so bekannte Werke wie 'Der Hexensabatt' (El aquelarre) oder 'Das Irrenhaus' zu sehen. Auch hier - so erfuhr ich durch meinen Audio Guide - steht vieles als Symbol. So lassen sich unter den Irren der Papst, der König und ein General erkennen. Natürlich alles nur symbolhaft ausgedrückt.

Damit war ich an das Ende der Ausstellung angelangt. Leider war das Bild 'Die Erschießung der Aufständischen' nicht in der Ausstellung zu sehen. Ich hätte mich sehr darüber gefreut, war es doch jenes Bild, das ich bisher am ehesten mit Goya in Verbindung gebracht habe. Das werde ich mir dann wohl im Prado in Madrid ansehen müssen. Wer aber lieber die Ausstellung in Wien besuchen möchte, findet anschließend noch ein paar Details:

Lage

Die Ausstellung fand im Kunsthistorischen Museums statt. Das Museum erreichte ich, indem ich vom Südbahnhof mit der Linie D bis zur Haltestelle Burgring/Kunsthistorisches Museum fuhr. Von dort musste ich nur noch schräg über die Kreuzung auf das Museum zugehen. Kommt man z.B. vom Westbahnhof kann man das Museum auch gut mit der U3 über die Haltestelle Volkstheater erreichen.

Eintritt

Der Eintritt betrug 10 Euro. Als Mitglied der Freunde des Kunsthistorischen Museums war aber der Eintritt kostenlos für mich.

Fotografieren

Das Fotografieren war nicht erlaubt. Auch das Telefonieren war in den Ausstellungsräumen nicht gestattet.

Gastronomie

Das Cafe im Kunsthistorischen Museum war für mich immer eine Sehenswürdigkeit für sich. Am Donnerstag Abend gibt es hier immer großes Büfett. Als Museumsgast kann man sich am späten Abend dann mal das Büfett ansehen. Mitessen kostet dann allerdings 34 Euro!

Toiletten/Barrierefreiheit

Toiletten gab es sowohl direkt vor der Sonderausstellung als auch unten neben der Garderobe. In beiden Fällen waren auch Toiletten für Rollstühle vorhanden. Die Geschosse waren über Aufzüge erreichbar, die Ausstellung selbst war barrierefrei. In zwei Räumen der Sonderausstellung konnte man als große Polstermöbel zum Ausruhen nutzen. Für Rollstuhlfahrer wäre wichtig zu wissen: Die Treppen am Haupteingang kann man mit einem Aufzug am Eingang Burgring 5 überbrücken.

Museumsshop/Ausstellungskatalog

Dem Museumsshop konnte ich diesmal gar nicht entgehen. Dieser war  gleich an drei Ecken des Museums präsent. Zum einen als sehr großer Shop im Erdgeschoß mit zahlreichem Angebot zu den aktuellen und vergangen Ausstellungen des Museums. Zum anderen befanden sich kleinere Verkaufsplätze, wo man hauptsächlich den Katalog zur Ausstellung (25 Euro) und das eine oder Merchandising Produkt vertrieb.

Audio Guide/Führungen

Der Audio Guide kostete 2 Euro (für Freunde des KHM allerdings kostenlos) und gab mir zahlreiche Zusatzinfos zu den Bildern. Wegen den zahlreichen Beschreibungen der Bilder, kann man aber diesmal auf den Audio Guide verzichten, falls man es doch nicht so genau wissen möchte. Der Audio Guide ist übrigens für das ganze Haus gedacht, man kann mit ihm z.B. auch die Antikensammlung besuchen.

Reguläre Führungen für 2 Euro wurden täglich um 10.30, 11.30, 15.30 und 16.30 angeboten. Zusätzlich gibt es aber auch Spezialführungen mit Themenschwerpunkten.

Resümee

Goya in Wien war für mich recht lehrreich, erlebte ich doch diesen spanischen Künstler als großen Denker, der seine Zeit mit seinen Werken kritisch abbildete. Auch die Gegenüberstellung von Vorlage und Endprodukt bei den Tapisserien empfand ich als gelungene Idee, gab es doch einen Eindruck über den Unterschied in der Wirkung beider Materialien.

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