Mit Schiele verband mich bisher immer eine besondere Kindheitserinnerung. Als kleiner Schüler las ich mal in der Zeitung, das es in der Stadt einen größeren Kunstdiebstahl gegeben hätte, bei denen mehrere Bilder von Schiele entwendet wurden. Schon damals entwickelte ich mein erstes Kunstverständnis: Bilder von Schiele müssen wertvoll sein, weil sonst würde man sie nicht stehlen.
Jetzt, gut 30 Jahre später, hatte ich mal Gelegenheit, mir in einer Ausstellung seine Werke aus nächster Nähe zu betrachten und mir vielleicht ein etwas profunderes Kunsturteil zu bilden....
... die Ausstellung hierzu fand in der Albertina, der graphischen Sammlung des Herzogs Albert in der Innenstadt von Wien statt. Nach dem Kauf der Eintrittskarte wandelte ich die ach schon so vertrauten Wege rüber zu den Ausstellungsräumen gegenüber den Prunkräumen der Albertina.
Die Einleitung bildete eine Biographie des Künstlers in deutsch und in englisch. Schiele wurde am 12. Juni 1890 in Tulln geboren, wo es auch ein Schiele Museum gibt. Tulln liegt westlich von Wien. Noch während des letzten Kriegstagen starb der Künstler am 31.10.1918 an der spanischen Grippe in Wien.
Dazwischen lag ein kurzes Künstlerleben, indem Schiele mit seinen Werken aber den Aufbruch in eine neue Zeit darstellte. Die Albertina zeigte mir nun rund 220 Werke von diesem Künstler, wobei 130 davon aus den Beständen der Albertina selbst stammten. Die anderen Werke stammten aus so namhaften Museen wie dem Metropolitan Museum in New York oder der Národní Galerie in Prag.
Beim Betrachten der Bilder wurde ich durch Begleittexte unterstützt, welche pro Raum die jeweiligen Bilder erklärten. Die Bilder selbst wurden nur mit Titel, Zeichentechnik, Ursprungsjahr und derzeitigem Besitzer gekennzeichnet. Die Ausstellung war gut besucht, selbst in den späten Abendstunden nahm der Besucherstrom nicht ab.
Nun aber zu den Bildern selbst. Gleich nach der Biographie lernte ich Schiele an Hand von ein paar Fotos näher kennen, worunter auch seine Frau abgebildet war. Dieser sollte ich dann später noch öfters begegnen, den Schiele bildete sich oft selbst ab oder ließ seine Frau für ihn Modell stehen.
In seinen Frühwerken hielt sich Schiele noch an den Vorgaben seiner Lehrer, doch schon bald begann er eigenwillig zu werden. Durch dem, das die Fotos in der Reihenfolge ihrer Entstehung präsentiert wurden, konnte ich diese Entwicklung sehr gut verfolgen.
Waren seine ersten Akte noch klassisch schön und die Portraits zum Beispiel von seinem Onkel noch realistisch genug um seinem Onkel zu gefallen, waren die als nächstes gezeigten Entwürfe zu einer Postkartenserie schon von merkwürdig stilisierten Körpern geprägt.
Und schon im nächsten Raum war vieles zwar typisch Schiele aber nichts mehr so wirklich real. Einzig das eine oder andere Portrait von Freunden und Gönnern folgte der Realität einigermaßen, wobei mich Veränderungen in der Zeichentechnik faszinierten. Bei so manchen Knabenbildern dachte ich mir, hoppla, na hoffentlich sah das damals die Behörde nicht.
Besonders interessant wurde es in der Bilderserie, die während seiner Haft in Neulengbach entstanden war. Hier war bei den Bildern auch der Tag der Entstehung angegeben. Und so konnte ich erkennen, wie die Bilder des Inhaftierten von Tag zu Tag in ihrer Ausdrucksweise dramatischer wurden. Schiele befand sich für drei Wochen im Gefängnis, da man ihm Entführung und Unzucht mit einer Minderjährigen vorgeworfen hatte, was sich dann aber falsch heraus stellte.
Im weiteren Verlauf der Ausstellung und damit der Schaffensjahre von Schiele erfuhr ich dann an Hand einiger Beispiele so merkwürdige Details, wie etwa die Eigenart des Künstlers, Bilder im Querformat zu malen und im Hochformat zu signieren. Natürlich neigt man dann dazu, das Bild so aufzuhängen, das man die Signatur lesen kann und schon verändert sich das abgebildete. Aus dem liegenden Akt wird ein stehender, der aber sehr merkwürdig wirkt.
Stichwort Akt: Schiele wurde ja nicht zuletzt durch seine Darstellung von viel Nacktheit berühmt, wobei er sich nicht scheute auch sich selbst nackt darzustellen. Natürlich war in dieser Ausstellung auch sehr viel davon zu sehen.
Das Erotische an seinen Werken wurde für mich aber sehr oft durch seine Farbwahl und Stellungswahl abgeschwächt, die von ihm dargestellten Personen befanden sich oft in völlig absurden Haltungen und schimmerten in unmöglichen Farben. Durch die Aussagen des Audio Guide konnte ich aber gut verstehen, was Schiele damit ausdrücken wollte.
Aber Schiele malte auch Landschaften bzw. Stadtansichten. Hier wurden einige Bilder von Krumau (dem heutigen Cesky Krumlov in Südböhmen) gezeigt, der Heimatstadt seiner Mutter. Diese Bilder sah ich mir natürlich besonders genau an, kannte ich doch diese Stadt von einem Besuch im letzten Jahr. Leider konnte ich aber nichts wieder erkennen. Das lag jetzt aber nicht am Malstil von Schiele, seine Motive - alte Gebäude in der Stadt - waren mir für ein Wieder erkennen einfach nicht markant genug.
Auf der Zeitachse konnte ich dann noch zwei Bildreihen recht gut einordnen, da wäre Abbildungen von russischen Kriegsgefangenen, Schiele war ja im 1. Weltkrieg in der österreichischen Armee eingezogen worden und kam zeitweise Kontakt mit Kriegsgefangenen. Und dann noch die Bilder von seiner Frau Edith und ihrer Schwester Adele. Diese standen ihm ja öfters als Aktmodell zur Verfügung und ich ging dann noch Mal die ganze Ausstellung durch um die Gesichtszüge der beiden Schwestern vielleicht in den Aktmodellen zu entdecken.
Doch bald darauf neigte sich die Ausstellung ihrem Ende zu, Schiele starb ja bereits mit 28 Jahren und so gelangte ich dem Ausstellungskonzept zur Folge mit seinen Werken aus dem Jahre 1918 auch an den Ausgang der Ausstellungsräume. Als Ergebnis des Besuchs nahm ich nun ein besseres Verständnis für mich mit, was eigentlich einen Schiele ausmacht. Wer sich dieses Verständnis lieber selber holen möchte, findet ihm Anschluss noch ein paar weiterführende Details.
Die Ausstellung fand in der Albertina gegenüber den Prunkräumen statt. Zur Albertina gelangte ich, indem ich vom Südbahnhof kommend mit der Straßenbahnlinie D bis zur Haltestelle Staatsoper fuhr und dann an der Staatsoper vorbei auf das Gebäude mit dem Reiterstandbild vorne drauf zuging.
Der Eintritt betrug für mich 6,50 Euro, da ich über eine Ö1 Klubkarte verfügte. Der Vollpreis hätte 9 Euro gekostet. Die Eintrittskarte ist eine Tageskarte und verschaffte mir neben dem Zutritt zur Schiele Ausstellung auch noch die Möglichkeit drei weitere Ausstellungen und die Prunkräume in der Albertina anzusehen.
Die Garderobe befand sich gleich nach dem Haupteingang auf der rechten Seite. Sie war bewacht und nahm Kleidungsstücke und Taschen gegen eine Gebühr von 50 cent entgegen.
Das Fotografieren war nicht erlaubt, auch das Telefonieren mit Mobiltelefonieren war nicht gestattet.
Gleich neben dem Kassenraum befand sich ein Cafe, das von Do&Co betreut wird. Do&Co wurde in Österreich mit dem Catering für die Lauda Air bekannt.
Der Museumsshop befand sich ebenfalls neben dem Kassenraum und bot eine Vielzahl von Büchern zu allen bisherigen und aktuellen Ausstellungen an. Ich blätterte ein wenig in dem Band zur Schiele Ausstellung und stellte fest, das dort die Bilder recht gut beschrieben waren. Preis des Bandes: 29 Euro.
Für die Ausstellung wurde ein Audio Guide um 3,50 Euro angeboten. Ein Pfand wurde nicht eingehoben. Obwohl der Audio Guide mir auch diesmal interessante ergänzende Informationen gab, stand ein Großteil davon bereits in den Begleittexten zu den Bildern. Wer sich also nur im Groben mit den Werken von Schiele beschäftigen möchte, müsste diesmal den Audio Guide nicht dazu nehmen.
Mir gefiel an der Ausstellung besonders, das ich mir durch die Anordnung der Bilder die Entwicklung des Künstlers Egon Schiele gut vorstellen konnte. Dabei gefielen mir die ersten Räume besonders, weil ich dort gut erkennen konnte, wie sich der Künstler vom Schüler zum eigenwilligen Meister entwickelte.
Weitere Reisenotizen und Links
Webseite der Albertina