Manchmal ist der Instinkt eines Menschen größer als seine Fähigkeit richtig zu lesen. Als ich das Lipizzaner Museum in der Reitschulgasse 2 betrat, fühlte ich mich sofort an eine Apotheke erinnert. Es sah nicht nur in etwa so aus, es roch auch so. Und wie ich später erst erfuhr, das Museum hatte seinen Eingangsbereich tatsächlich in der alten Hofapotheke, die 1997 für diesen Zweck adaptiert wurde.

Da es sich bei dem Museum um ein Gemeinschaftsprojekt der Spanischen Hofreitschule und dem Kunsthistorischen Museums handelte, war für mich als Mitglied des Vereins der Freunde des KHM der Eintritt frei. Ansonsten hätte er 5 Euro betragen. Nach dem Lösen der Freikarte ging ich durch ein Drehkreuz und fand mich in einem eher kalt wirkenden modernen Raum wieder. In diesem erfuhr ich in erster Linie etwas über Stammbäume und über die Brandzeichen bei den Lipizzanern. Wer diese Brandzeichen richtig deuten kann, kann sofort sagen aus welcher Linie der Vater und die Mutter des Pferdes stammten.

Dann ging es über eine Treppe runter in ein Gewölbe. In diesem fand ich allerlei historische Geschirre, Zaumzeuge und Sättel vor. Auch so Details wie Steigbügel und dergleichen wurden gezeigt. Besonders interessant für mich war auch die Beschreibung des Werdegangs der Reiter in der Spanischen Hofreitschule. Verzeihung, es heißt natürlich Bereiter. Die meisten erklärenden Texte waren übrigens in Deutsch, Englisch, Italienisch und Japanisch angeführt.

Anhand von Gemälden erfuhr ich auch einiges über den Gebrauch der Spanischen Winterreitschule, die früher auch für Feiern der hohen Gesellschaft genutzt wurden. Unter anderem gab es dort Schaukämpfe aber auch heiteres Karussell fahren.

Filme gab es übrigens gleich mehrere zu sehen, allerdings waren alle ohne Ton und dadurch etwas weniger informativ. Die einzige Ausnahme war der Film in einem weiteren Kellergeschoss. Dort konnte ich mir auf einer Breitwand die hohe Schule der klassischen Reitkunst zu schwungvoller Musik ansehen. Die Moderation war zwar in Englisch aber trotzdem gut verständlich.

Nach dem Film marschierte ich wieder die Treppen hoch ins Erdgeschoss und stieß dort auf ein Modell der Stallburg. Anschließend musterte zahlreiche Fotos an den Wänden, die mir mehr über die Geschichte der Pferde erzählten. Darunter waren auch Fotos von einem Brand in den Redoutensälen 1992. Da Gefahr für die Tiere der daneben liegenden Stallburg bestand, wurden diese vorsorglich frei gelassen und sie liefen verschreckt durch die Umgebung.

Anhand der Fotos und von Skizzen lernte ich dann ein wenig noch über die Geschichte der Lipizzaner von ihrem ersten Gestüt in Lipica bei Triest bis heute. Dabei erfuhr ich so Dinge über den Verbleib der Pferde nach den Umwälzungen des ersten und zweiten Weltkrieges. In beiden Fällen mussten sich die Pferde auf die Flucht begeben, was sogar von Walt Disney verfilmt wurde (ein kleiner Ausschnitt des Filmes 'Die Flucht der weißen Pferde' war zu sehen).

Dann war ich wieder in der alten Hofapotheke angelangt, in der es viele Bücher zu den Lipizzanern aber auch zu den Kunstwerken und Ausstellungen im Kunsthistorischen Museum zu kaufen gab. Laut Webseite kann man übrigens vom Museum den Innenhof der Stallburg betreten. Das gelang mir aber an diesem Tag nicht. Scheint an der großen Baustelle in der Stallburg zu liegen.

Resümee: Ich empfand das Museum als klein und handlich und somit als ein Häppchen für zwischendurch. Viel Zeit würde ich mir nur dann mitbringen, wenn ich mir den Film über die Hohe Schule im zweiten Kellergeschoss zur Gänze ansehen möchte.

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