Im Jahre 2003 wurde Yadegar Asisi mit einem riesigen Panoramabild vom Mont Everest berühmt. Nach diesem großen Erfolg erstellte er ein weiteres Panoramabild in einem Gasometer von Leipzig. Es zeigt das antike Rom aus dem Jahre 312.
Als Freund für die römische Geschichte war es klar, dass ich mir diese Bild ansehen musste. Also brach ich nach Leipzig auf und wählte einen der Abendtermine um mir das Werk anzusehen. Ein Werk von dem ich hörte, dass es aus dem 19. Jahrhundert stammte. Einer Zeit wo es noch kein Kino gab und die Menschen 'Panorama' schauen gingen, wie man halt heute 'Gladiator' gucken geht.
Wegen der ursprünglichen Funktion des Gasometers lag das Ziel diesmal etwas abgelegen. Eine nicht besonders gut ausgebaute Strasse führte mich an das Gebäude heran, dass von außen noch immer den Charme eines vergangenen Industriezeitalters versprühte.
Doch langsam verändert sich das Bild in Richtung des Themas. Auf den letzten Metern zum Eingang des Gebäudes erheben sich mehrere Säulen mit den Abbildern der Siegesgöttin Victoria. Sie scheinen den Parkplatz zu bewachen, der sich vor dem Gasometer befand.
Der Eingang des Gasometers selbst wird von der Kapitolinischen Wölfin bewacht, jener Wölfin, die laut Gründungssage Romulus und Remus gesäugt hatte. Zum Glück keine echte Wölfin, so betrete ich gut gelaunt den gläsernen Eingangsbereich und löse eine Eintrittskarte zu acht Euro.
Anschließend betrete ich etwas schüchtern den Innenraum des ehemaligen Gasometers, der mich sofort mit einer eher unangenehmen Dunkelheit umhüllt. Nicht fern vom Eingang sehe ich ein paar Leute einen Film angucken, zu meiner Linken scheint ein Ausstellungsrundgang zu beginnen.
Andere Besucher streben einer Treppe zu, die innerhalb eines Gerüstes nach oben führt. Ah, hier geht es also zur Plattform! Denn die volle Wirkung entfaltet das Gemälde erst dann, wenn man es von einer gewissen Höhe aus erblickt. Also strebte ich wie bei einer Prozession mit den anderen 'Römern' die breiten Treppen hoch.
Das Wort Prozession war jetzt gar nicht mal so schlecht gewählt. Denn der Gestalter des Panoramabildes wählte einen bestimmten Tag, auf den ich nun hinunterblicken durfte. Es war jener Tag, als Kaiser Konstantin mit seinem Gefolge als neuer Kaiser in Rom einzog und natürlich die ganze Stadt auf den Beinen war. So wie ich, der nun oben auf der 12 Meter hohen Plattform stand und wie auf einem der sieben Hügel Roms auf die ewige Stadt runter blickte.
Das mit Blicken war allerdings gerade etwas mühsam. Denn noch immer umfing mich eine gewisse Dämmerung, es war wohl gerade Nacht in Rom. Tatsächlich kann man in diesem Panometer auch die Tageszeiten zu erleben. Zwar blieb das Panoramabild stets gleich, doch die wechselnden Lichtverhältnissen und die Akustik spielte mit den Emotionen der Besucher. So begannen bei Einbruch der Dämmerung die Grillen zu zirpen, während der Morgen von einem fröhlichen Vogelgezwitscher begrüßt wurde.
Und da war er nun endlich der Morgen! Clever gestalte Lichtquellen ließen über dem Panoramabild die Sonne aufgehen und ich konnte nun alle wichtigen Gebäude der Stadt Rom nach und nach für mich erkennen. Ein paar kannte ich noch aus dem Schulunterricht, bei mehreren anderen half mir ein Lageplan, den ich zur Eintrittskarte bekommen hatte.
Lange verharrte ich nun vor diesem prächtigen Ausblick. Nicht nur die Bauten der Stadt waren interessant, nein, auch die Vielzahl an abgebildeten Menschen ließen mich ständig neue Details erkennen. Hier die marschierenden Legionäre, dort die Opferrituale vor den Tempeln und wenn man genau hinsah, auch einige wagemutige Römer, die über die Dächer gingen, um den Einzug ihres neuen Kaisers besser sehen zu können.
Inzwischen war es wieder Abend geworden, die Grillen zirpten und vom alten Rom sah man nur mehr Schatten. Ich eilte die Treppen wieder runter und guckte mir jenen Film an, der mir schon zuvor aufgefallen war. In diesem wurde gezeigt, wie das ganze Werk entstanden war. Welche Schwierigkeiten zu lösen waren und welche Hilfe der Computer bei diesem Vorhaben bot.
Anschließend schlug ich noch den Weg in den Ausstellungsrundgang ein. Dieser befand sich quasi zwischen der Rückseite des Panoramabildes und der Außenmauer des Gasometers. Gezeigt wurden hier vor allem Informationen über die Stadt Rom. Wie sie aufgebaut ist, was man schon über sie erforscht hat. Auch antike Exponate waren zu sehen.
Vogelgezwitscher erinnerte mich daran, das nebenan, im alten Rom wieder der Tag anbrach. Und so eilte ich erneut zur Plattform hinauf, denn um das ganze Panoramabild erfassen zu können brauchte ich tatsächlich gleich 'mehrere Tage'.
Insgesamt war dieser Abstecher ins alte Rom ein gewaltiges Erlebnis für mich. Und ich bin schon neugierig auf ein weiteres Projekt von Yadegar Asisi. Im Gasometer der DREWAG in Dresden wird es ab Dezember 2006 ein Panoramabild von Dresden im Jahre 1756 zu sehen geben.
Weitere Reisenotizen und Links
Webseite der
Asisi Panometer