Viele fragen mich wo ich als Weltreisender schon überall war. Und sind dann ganz enttäuscht wenn ich noch gar keine Weltreise gemacht habe. Also beschloss ich mich weiterzubilden und besorgte mir ein Buch mit dem verheißungsvollen Titel 'Weltreise durch Wien'.
Natürlich durfte man den Titel nicht wörtlich nehmen. Der Autor Dietmar Grieser sorgte aber dafür, dass man nach Durchsicht des Buches eine Menge über internationale Besucher in Wien erfahren hatte. Und wenn man nun all die im Buch erwähnten Adressen abgegangen war, hat man zumindest in internationalen Fußstapfen gewandelt.
Dabei ist Dietmar Grieser auch international zu betrachten, wurde er ja 1934 in Hannover geboren. In Wien lebt er aber schon seit 1957, also das ist ja fast schon selbst ein Wiener. Und als solcher wußte er viel zu erzählen.
In 37 Portraits stellt der Autor Persönlichkeiten und die Wiener Adressen ihres Wirkens dar. Die Kapitel sind sehr einfach geschrieben, lesen sich leicht und am Ende jedes Portraits ist man um eine Anekdote reicher.
Und so kann man bei seinem nächsten Ausflug nach Wien seiner Begleitung zum Beispiel jenes Cafe zeigen, wo seinerzeit der Theaterkritiker Hans Weigel von einem Opfer seiner Kritiken zwei gesunde 'Watschn' (Ohrfeigen) eingefangen hat. Das erinnert mich daran, auch bei dieser meiner Buchbesprechung nicht zu kritisch zu sein.
Aber zum Kritisieren gibt es ohnehin nicht viel. Die einzelnen Portraits sind nach Bezirke sortiert. Im Anhang gibt es noch ein Personenregister aller erwähnten Persönlichkeiten, auch wenn sie nur nebenbei erwähnt wurden. Was mir aber fehlte, war die Möglichkeit, schnell rauszufinden, ob bei der Geschichte ein Cafe, eine Wohnung oder etwas anderes beschrieben werden würde.
Also Buch kaufen und gleich wissen, welches Restaurant die interessanteste Persönlichkeit jemals gespeist hat ist leider nicht drin. Man muss schon reinleisen und kann dann entscheiden ob man sich dann an dem Ort der Beschreibung begeben will.
Den da wäre einiges im Angebot. Mit Spannung las ich vom Tatort, an dem am 21. Oktober 1916 der Ministerpräsident Graf Stürgkh von keinem Geringeren als von Friedrich Adler erschossen wurde. Friedrich war ein Sohn des Arbeiterführers Viktor Adler.
Oder ich erfuhr, wo das Vorbild zum legendären 'Herr Karl' wirklich lebte. Helmut Qualtinger wurden ja mit der Darstellung dieser Unperson berühmt.
Leider muss ich sagen, dass ein Teil der beschriebenen Häuser heute leider nicht mehr existieren. Krieg aber auch Modernisierungen haben sie zerstört und durch andere Gebäude ersetzen lassen.
So war es mir also leider nicht möglich wirklich alle Schritte der beschriebenen Persönlichkeiten nach zu vollziehen. Aber nun kann ich wenigstens meinen Freunden wieder ein paar spannende Geschichten erzählen, wenn sie mich wieder nach meiner 'Weltreise' fragen...
Weltreise durch Wien
Dietmar Grieser
Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN 3-423-34275-7