Im Wien Museum wird vom 28.09.2006 bis 11.03.2007 eine Ausstellung über die Fernbahnhöfe in Wien und über das Wesen des Bahnhofes gezeigt. Als Freund der Eisenbahn war mir der Besuch dieser Ausstellung natürlich ein besonderes Anliegen.

Ein wenig erinnert sie mich nämlich an eine ähnlich klingende Ausstellung in Nürnberg im DB Museum in der Nähe des dortigen Hauptbahnhofes. Doch diesmal war die Ausstellung doch stärker auf Wien bezogen. Auf Wien und seine Fernbahnhöfe. Seinerzeit die Tore zur Welt oder zumindest zu den entfernten Ecken der damaligen Monarchie.

Die Ausstellung fand im Sonderausstellungsraum des Wien Museums statt. Es wurden die einzelnen Wiener Bahnhöfe der Reihe nach erläutert. Wie haben sie am Anfang ausgesehen? Wie wurden sie umgebaut? Was passierte mit ihnen nach dem 2. Weltkrieg? Leider ist kein Bahnhof nur annähernd so erhalten wie vor dem großen Krieg.

Vorgestellt wurden der Nordbahnhof, der Südbahnhof, der Ostbahnhof, der Westbahnhof, der Nordwestbahnhof und der Kaiser-Franz-Josef Bahnhof. Alle diese Bahnhöfe waren Kopfbahnhöfe. Man könnte fast sagen, die ganze Monarchie wollte damals nach Wien fahren oder von Wien wegfahren.  Über Wien fuhr scheinbar niemand.

Aber Kopfbahnhöfe waren auch in anderen Ländern üblich. Den Wunsch nach Zentralbahnhöfen gab es wohl immer wieder, in Wien soll seine Realisierung ab 2007 stattfinden. Was es darüber zu wissen gab, wurde im letzten Teil der Ausstellung gezeigt. Allerdings fand ich die Ausstellung am Südbahnhof selbst hierzu fast interessanter.

Von der Präsentation der alten Großbahnhöfe gefiel mir der  Nordbahnhof am Besten. Dieser verband früher die Hauptstadt Wien mit den östlichen Ländern der Habsburger Monarchie. Damals war der Bahnhof noch als Mischung aus byzantinischem Palast und mittelalterlicher Ritterburg errichtet worden. Heute ist der Nordbahnhof ja eher ein schmuckloser Glaskobel.

Neben den baulichen Aspekten wurden auch die menschliche, sozialen Aspekte besprochen. Wie reiste man damals? Wie wartete man damals? Da gab es nicht nur verschiedene Klassen in den Zügen, diese gab es auch in den Wartesälen auf den Bahnhöfen. Vom eigenen Wartesaal für das Kaiserhaus mal ganz abgesehen.

Auch der Grund des Reisens war nicht immer der Gleiche. Anfangs war eine Bahn einfach eine gute Möglichkeit Industriegüter von A nach B zu schaffen. Sehr gut die Infos, wann welcher Industrieller die Errichtung einer Bahn zur Versorgung seiner 'Bedürfnisse' in Angriff nahm. Später fuhr die bessere Gesellschaft mit der Bahn von Wien nach Abbazia zum Kuren. Sehr schön präsentiert an Hand von Plakaten, die bei mir wieder mal Fernweh auslösten.

Aber auch dramatische Reisegründe gab es. In zwei Kriegen wurden Soldaten mit dem Güterzug an die Front und mit dem Lazarettzug wieder zurückgebracht. Im 2. Weltkrieg war der Bahnhof dazu noch für viele Unglückliche der Startpunkt zu einer Fahrt in die Konzentrationslager. Ein beklemmendes Kapitel, mit gruseligen Zeitdokumenten unterlegt.

Viel erfreulicher die Darstellungen über das Ankommen auf einem Bahnhof. Während heute alle Stars samt Papst grundsätzlich am Flughafen ankommen, kam man früher eben am Bahnhof an. Den Begrüßungswirbel gab es schon damals. Fast scheint mir, er war damals sogar viel größer als heute. Den Film über den Empfang von Charlie Chaplin musste ich mir gleich mehrmals ansehen. Den guten Mann hat man bei seiner Begrüßung fast in seine Einzelteile zerrissen. Da verging selbst ihm das Lachen...

Die Ausstellung lebte für mich vor allem durch alle Zeichnungen und Modelle, die mir ein Bild der alten Kathedralen des Fortschrittes gaben. Dazu Plakate mit schönen Reisezielen oder Blechschilder mit für heutige Verhältnisse zum Teil amüsanten Vorschriften und Geboten. Auch altes Gerät der Eisenbahner war zu sehen.

Informativ auch Bilder von anderen Großbahnhöfen in Europa, die das Erhabene solcher großen Bauten nur noch unterstrichen. Bahnhöfe waren wirklich mal die Tore zur großen Welt, was man ja oft auch daran erkannte, das man sie gerne nach den Endpunkten der von ihnen bedienten Strecken benannte. Oder wie in der Ausstellung auch mal so schön formulierte wurde: Die österreichische Riviera begann nicht an der kroatischen Küste, sie begann am Wiener Südbahnhof.

Rein sachlich war die Ausstellung eine gute Information über die Geschichte und dem Verbleib der Wiener Großbahnhöfe. Darüber hinaus war sie eine schöne Auseinandersetzung über das Wesen des Reisens zu einer Zeit wo man noch nicht darüber nachdenken musste, ob man mit seiner Zahnpastatube im Handgepäck durch die Sicherheitskontrolle kommen würde.

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