Am 27. August 1770 wurde der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel in Stuttgart geboren. Sein Geburtshaus wurde 1991 von der Stadt in ein Hegel-Gedenkstätte umgewandelt . Das traf sich gut, ich wolle schon immer wissen, was sich Hegel eigentlich gedacht hatte.
Zum Zeitpunkt meines Besuches war die Ausstellung im Hegel-Haus grob in zwei Bereiche unterteilt. Im Erdgeschoss wurde das Stuttgart zur Zeit Hegels gezeigt, im Obergeschoss wurden seine Lebensstationen erklärt. An welchen Orten er wann und warum war.
Das Haus machte einen komplett renovierten Eindruck, nur die niedrige Raumhöhe und der Parkett erinnerten daran, das es sich um ein recht altes Haus (15/16. Jh.) handelte. Möbel gab es keine zu sehen, was wohl daran gelegen haben mag, dass das Haus schon mal ganz anderes genutzt worden war.
Der Teil über Stuttgart war eher klein gehalten. Allerdings war Stuttgart zur Zeit Hegels auch noch keine Großstadt. Neben einigen Zeitdokumenten wurden Scherenschnitte der berühmten
Silhouettistin Luise Duttenhofer gezeigt. Auf einer Besuchsliste konnte man ablesen, wer Stuttgart in welchem Jahr besucht hatte.In den beiden Obergeschossen wurde mir in sechs Räumen der Lebensweg von Hegel gezeigt. In jedem Raum waren dazu die Erlebnisse von Hegel den Ereignissen in diesen Jahren gegenübergestellt. Eine sehr gute Idee, dadurch bekommt man als Besucher einen besseren Eindruck, in welcher Zeit Hegel eigentlich gelebt und gewirkt hat.
Auf dem Weg nach oben entdeckte ich ein Foto aus dem Jahre 1930, dass mir Überraschendes über das Haus selbst verriet. Das heutige Eckhaus war früher keines. Scheinbar wurde das Haus nebenan im 2. Weltkrieg zerstört. Vor seiner Umwidmung in einem Museum unterhielt es schon einen Laden und Wohnungen.
Die ausgestellten Stücke bestanden im wesentlichen aus Dokumenten. Leider ist die Schrift auf diesen Dokumenten natürlich noch im alten Stil angefertigt und deshalb nur schwer lesbar. Trotzdem gab es einige sehr interessante Details zu erfahren. Zum Beispiel gab es früher an den Universitäten recht spezielle Strafen, wie etwa die Kürzung der Weinration.
Oder die Vielzahl von Pässen zeigten mir, das man früher nicht in so einem freizügigen Europa lebte, wie wir es heute tun. Da musste man schon für die Reise von einer Stadt in die andere einen Pass ausfertigen lassen. Und die bestanden damals noch aus elend großen Papierbögen. Bei einer Hörerliste zu den Vorlesungen Hegels konnte ich entnehmen, das man sich damals mit Namen und seinem Vaterland eintragen musste.
Erwähnenswert wäre vielleicht noch das ausgestellte Barett, mit dem man Hegel auf einem Bild des Künstlers Julius Ludwig Sebbers sehen kann. Praktischerweise ist das Bild - wo Hegel in einem Schlafrock in seiner Stube sitzt - gleich im selben Raum aufgehängt, so das man gut vergleichen kann.
Als Hegel im Jahre 1831 starb, tobte die Cholera in Berlin. Zeitungsausschnitte in der Ausstellung zeigten mir, dass man schon damals Statistiken liebte, zum Beispiel wie viele Leute starben an welchem Tag. Der ausliegende Haushaltskalender von Hegel bezeugt übrigens, das sich Hegel auf die Cholera mit allerlei Mittelchen vorbereitete. Genützt hat es ihm aber trotzdem nichts.
Den Abschluss der Ausstellung bildeten Übersetzungen von Hegel aber auch eine Wand voller Kritik an das philosophische Schaffen Hegels. Was genau das Schaffen Hegels ausmachte, konnte ich für mich nicht so gut mitnehmen. Besser verstand ich allerdings das Umfeld, in dem er sich bewegte, als er gerade an seinen Werken schrieb. Und das hat auch seinen Informationswert...
Weitere Reisenotizen und Links
Website des
Hauses