Bei meinem letzten Besuch in Berlin stand das Technische Museum ganz oben auf meiner Wunschliste. Besonders neugierig war ich hier auf die Schaustücke im Bereich der Luftfahrt aber auch über die interaktiven Versuchsaufbauten im Spektrum.

Das Technische Museum befand sich auf einem ehemaligen Bereich des Anhalter Bahnhofes. Zum Teil in einem ehemaligen Kühlhaus, zum Teil in den alten Lokschuppen des Bahnhofes. Vom Kühlhaus merkt man noch ein kurioses Detail: Eine Pferdetreppe mit zwei Stufenformen nebeneinander.

Eine für das Pferd und eines für den Pferdeknecht. Obwohl das Museum auch über Aufzüge verfügte, ließ ich es mir nicht entgehen, auf dem Rückweg die Pferdetreppe zu nutzen. Beim Runtermarschieren lernte ich auf aushängenden Tafeln auch einiges über das Museum kennen.

Das Museum verfügt aber auch über einen modernen Zubau, der von einem Rosinenbomber gekrönt wird. Das waren jene Flugzeuge, die während der Blockade von Berlin die Stadt mit einer Luftbrücke versorgt hatten. Im modernen Bau sind Informationen über die Seefahrt und über die Luftfahrt untergebracht. Im alten Bau ging es mehr um solche Dinge wie Telephonie, Textilerzeugung, Papiererzeugung und Drucktechnik.

Doch auch das war sehr eindrucksvoll gestaltet. Informationen über den hohen Textilverbrauch in Deutschland machten mich nachdenklich, vor allem wenn man einen alten Damenunterrock sieht, der seinerzeit wohl mehr als 100x geflickt wurde. Die Telephonie begann beim ersten primitiven Apparat und mündete in eine Abteilung über Rechenmaschinen, wo auch einiges von Zuse zu sehen war.

Im Bereich der Seefahrt waren viele Modelle zu sehen, aber auch zahlreiche interaktive Informationssäulen. Hier hätte ich mich stundenlang für die jeweilige Epoche der Seefahrt informieren können, wo auch so feine Unterschiede wie zwischen Pirat und Freibeuter erklärt wurden.

Im zivilen Teil bestand die Möglichkeit auch etwas über so komplexe Ideen wie Schiffshebewerke zu erfahren. Sehr dominant übrigens ein riesiges Kaffenschiff, das merklich die Architektur des ganzen Baus beeinflusst hatte. So ragt sein Mast bis in die Etagen der Luftfahrt hinauf.

Im militärischen Teil war viel über die deutsche Seefahrt zu erfahren, und auch das eine oder andere Originalteil zu sehen. Für mich beeindruckend ein vollständiges Kleinst-U-Boot des Typs "Biber" aus dem zweiten Weltkrieg. Interessant auch, was man an Modellen ablesen konnte. Der dickste Flugzeugträger ist doch noch ein kleiner Fisch im Vergleich zu einem Supertanker.

Im Bereich der Luftfahrt begann die Besichtigung bei den ersten Flugversuchen, wo man noch quasi vom Berg hopste und hoffte, die Luft würde einem schon irgendwie tragen. Rasch wurde aber die Ausstellung militärisch, zahlreiche ausgestellten Flugzeuge waren kriegerischer Bauart. Besonders beeindruckend eine funkelnagelneu wirkende ME 110. Die ebenfalls ausgestellte Transportmaschine JU57 hatte ich schon in anderen Museen gesehen, die ausgestellte Rakete V1 oder die Boden-Luft-Rakete Rheinbote aus dem 2. Weltkrieg war aber eine neue Erfahrung für mich.

Den Teil über die Weltraumfahrt empfand ich als sehr klein, praktisch nicht der Rede wert. Schon interessanter der Bereich über die Anfänge der Raketentechnik, speziell in Deutschland. Da wurde auch einiges über das Raketenversuchsgelände in Peenemünde erzählt und einige Teile der V2 gezeigt.

Die Lokschuppen waren den Lokomotiven und Wagen von den Anfängen der Bahn bis heute gewidmet. Gruseliges Detail war für mich persönlich ein Güterwagen, den man zum Transport der Menschen in die Konzentrationslager verwendet hatte. Diesen Wagen durfte ich betreten, konnte von innen die schmalen Schlitze der Öffnungen am Wagen erkennen und mir das Leid der Transportierten besser vorstellen.

Die ausgestellten Lokomotiven konnten zwar nicht betreten werden, doch wurde bei einigen der Blick in den Führerstand erlaubt. Interessant auch der Blick in einen Salonwagen von Kaiser Wilhelm II. Oder der Blick auf eine große Modelleisenbahnanlage, die eigentlich nur die Anlagen des Anhalter Bahnhofes wiedergibt.

Trotz winterlicher Kälte wagte ich auch einen Spaziergang raus in den Park rund um die Lokschuppen. Da gab es noch einige Industriebauten zu sehen. Auch eine Brauerei hätte ich mir genauer ansehen können. Aber die Kälte - meine Jacke hing ja in der Museumsgarderobe - trieb mich wieder zurück.

Im alten Beamtenhaus gleich nebenan war es dafür wieder schön warm. Eine Abteilung zeigte mir einiges über die Schmuckproduktion, eine andere direkt unter dem Dach thematisierte den Film und die Filmproduktion. Eine sehr gute Ergänzung zum Filmmuseum in der Nähe des Potsdamer Platzes, das ich kurz vorher besucht hatte. Dort ging es ja mehr um die Entwicklung des deutschen Films, hier waren mehr Filmprojektoren und sonstiges Werkzeug aus Filmstudios zu sehen.

In den anderen Stockwerken des Beamtenhauses waren die Themen wieder mehr auf das Reisen abgestimmt. So gab es eine Sammlung über Koffer zu sehen. Besonders interessant war für mich die Geschichte des Speisens auf Reisen. Infos über die Speisenanbieter auf deutschen Zügen wurden hier gereicht. Über den Erfolg bestimmter Porzellanteller und den Misserfolg von Fast Food Restaurants in Zügen. Leicht nostalgisch betrachtete ich dabei alte Speisekarten, von denen ich vor vielen Jahren schon mal die eine oder andere Mahlzeit bestellt hatte.

Den aktuellen Hunger stillte ich dann aber in der dem Museum angeschlossenen Gastwirtschaft "Mutter und Schraube". Diese bot Berliner Küche an, was ich gleich an Hand einer Currywurst ausprobierte. Und an Hand eines großen Glases Berliner Biers, quasi als Ersatz für die von mir nicht besuchte Brauerei.

Auf diese Art und Weise gestärkt marschierte ich rüber zum Spektrum. Das war ein Gebäude ca. 100 Meter entfernt vom Technischen Museum, dass ich mit der selben Eintrittskarte besuchen konnte. Hier wurden auf mehreren Stockwerken Versuche auf dem Gebiet der Physik, der Optik und der Akustik angeboten. Die Auswahl war dabei sehr groß, z.B. viel größer als im Deutschen Museum in München. Leicht müde - es war inzwischen schon dunkel geworden - mühte ich mich durch die einzelnen Versuche, umringt von scheinbar nicht müden Jungs und Mädels, die hier offensichtlich ihren größten Spaß hatten.

Letzter Abschnitt meiner Besuches war ein kurzer Blick ins Depot mit den Oldtimern. Hier standen Tür an Tür alte Fahrzeugmodelle, manche waren sogar in Hochregalen gelagert. Die Präsentation litt dadurch ein wenig, es war aber wohl die Absicht der Museumsleitung, zumindest den Blick darauf zu ermöglichen.

Während meines ganzes Besuches (außer im Spektrum und im Depot) trug ich einen recht praktisch konstruierten Audio Guide zu 2 Euro mit mir, der mir allerdings nur zu einem Bruchteil der Ausstellungsstücke etwas zu erzählen wusste. Über die interaktiven Informationssäulen erfuhr ich da schon wesentlich mehr. Auf der anderen Seite bot mir der Audio Guide ein wenig Hilfe, in welche Richtung ich in dem doch sehr vielgliedrigen Bau als nächstes gehen sollte.

Resümee: Insgesamt war das Museum für mich sehr lehrreich. Zahlreiche Schaustücke waren für mich neu, die Erklärungen waren meistens sehr ausführlich. Von der Größe her ist das Museum zwar deutlich kleiner als das Deutsche Museum in München, doch sind auch hier nicht alle angebotenen Informationen und interaktiven Aufbauten innerhalb eines Tages zu bewältigen. Ich werde wohl wieder kommen müssen...

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