In einem Gebäude am Potsdamerplatz befindet sich das Deutsche Kinemathek Museum für Film und Fernsehen. TV muss ich nicht haben, aber Filme liebe ich. Wenn sie alt und epochal sind. Zum Beispiel Metropolis. Und da dies ein deutscher Film war, hoffte ich etwas mehr darüber in diesem Museum zu finden.

Mein Reiseführer sagte mir, das ich in diesem Kino etwas über die Deutsche Filmgeschichte von 1895 bis heute erfahren würde. Und das ich im dritten Stock des Gebäudes beginnen müsse. Also nahm ich den Aufzug und begab mich auf die Reise. Die fing schon mal gut an, denn der Aufzug war verglast und ich hatte einen schönen Blick auf das weihnachtliche Treiben im Sony Center.

Und mit aufsehenerregenden Blicken ging es gleich weiter. Denn der erste Raum war merkwürdig verspiegelt. Auf Monitoren wurden alte Filme gespielt, zwischen denen ich mich im Zick Zack bewegen musste. Durch die Spiegel war es aber kein normaler Gang auf festen Teppichboden. Ich schwebte förmlich durch die Filmwelt, über mir und unter mir schien es kein Ende zu geben. Das erhöht die Pulsfrequenz und mach Freude auf das Kommende...

Am Beginn ist natürlich alles das erste Mal. So schließe ich schnell Bekanntschaft mit den ersten Stummfilmen, den ersten kolorierten Filmen, den ersten Stars. Starpostkarten gab es schon damals. Auf einer Karte zeigt mir Fern Andra (Stummfilmstar der ersten Jahre) ihre kalte Schulter, ich vermute aber, es sollte wohl eher erotisch wirken. Auf jeden Fall komisch wirken die ersten Filme mit Kaiser und Soldaten, grässlich die ersten Bilder über den ersten Weltkrieg.

Nach dieser Einführung in den Film geht es weiter mit Spezialthemen. Kaum wurde der Film geschaffen, wurde er schon künstlerisch umgesetzt. Der expressionistische Film entstand. Zum Beispiel der Film 'Das Cabinet des Dr. Caligari'. Neben einigen Filmausschnitten wurde gezeigt, wie man eben dieses speziell Expressionistische hinbekam.

Mich trieb es aber weiter. 'M - Eine Stadt sucht einen Mörder' wird thematisiert. Ein sehr bekannter Film der Weimarer Republik. Einer Zeit wo es in Deutschland heiß her ging und auch Filme entzweien konnten. Filme wurden verboten oder lösten Krawalle aus. Andere Filme thematisierten Sorgen der Großstädte oder entführten in die Bergwelt.

Und was die Sorgen der Großstädte betrifft, da war ich nun angelangt: Beim Film 'Metropolis'. Verschiedene Details des Films werden verraten, Ausschnitte gezeigt. Das Prinzip der 'entfesselten Kamera' erklärt. Eine Kamera, die nicht starr geführt wurde, war damals eine Sensation. Heute ist es ja eher eine Sensation, wenn jemand zum Filmen ein Stativ benutzt...

Atmosphärisch schön auch jener Teil, der über die Auswanderer im Deutschen Film berichtet. Man spaziert durch einen Raum und bewegt sich auf die Silhouette von New York zu, die sich hinter einer Reling auftut. Als ob man selbst auf einem Schiff wäre. Deutsche in der USA werden hier thematisiert, wie Ernst Lubitsch oder Friedrich Wilhelm Murnau. Aber auch Luis Trenker und Conrad Veidt kommen vor.

Ein geschwungener Gang führt mich an Bilder von Marlene Dietrich vorbei. Hier hat das Museum viel zu bieten, da es über große Teile des Nachlasses des Stars verfügt. Fotos, Kostüme, Briefe, Reisekoffer sind hier zu sehen. Begraben wurde Marlene Dietrich in Berlin. Den Leichenwagen sah ich übrigens ein Jahr später in einer Ausstellung über Autos mit Geschichte in Technischen Museum Wien

Der nächste Teil widmet sich einem anderen Kapitel der deutschen Filmgeschichte. Der Nationalsozialismus hat sich dem Medium Film bemächtigt. Neue Stars erscheinen am Himmel. Mit Leni Riefenstahl auch Stars hinter der Kamera. In einem kühl wirkenden Raum, der von einem Modell des Olympiastadions dominiert wird, wird gezeigt, wie Riefenstahl ihre Filme geplant und angefertigt hat.

Im nächsten Raum wurde es noch unheimlicher. Gezeigt werden Filmpolitik und Filme während des Dritten Reiches. Es folgen hasserfüllte Reden von Goebels und Liebesgeflüster von Lilian Harvey. Man merkt, wie das System die Bevölkerung mobilisieren, aber auch gleichzeitig einlullen will.

Viele Ton- und Bilddokumente ereiche ich in diesem Raum, indem ich Schubladen aufziehe. Ein platzsparendes System, wie ich es schon in vielen Museen gesehen habe. Hier soll es aber wohl bewusst an die Archive des Regimes erinnern.

Viele Schauspielerinnen und Schauspieler müssen in jener Zeit flüchten. Ich finde sie im nächsten Raum wieder, wo sie der Reihe nach erwähnt werden: Peter Lorre, Fritz Lang, Billy Wilder und viele ander. Dokumente zeigen, wie sie sich in den USA durchgeschlagen haben. Und wie die Rückkehr des einen oder anderen Künstlers nach Deutschland ausgesehen hat.

Nach 1945 ging es mit dem deutschen Film natürlich weiter, aber aus dem Medium für Spezialisten wird Massenware. Die Ausstellung konzentriert sich folgerichtig auf 10 Schauspieler um mich als Betrachter nicht zu überfordern.

Hildegard Knef, Romy Schneider, Mario Adorf ... alles Leute die im Deutschen Film etwas bewirkt, verändert oder neu aufgebracht haben. Bis hin zu Franka Potente, deren Namen mir zunächst nichts sagte, bis ich auf ihr Kostüm im Film 'Lola rennt' stieß.

Auf meiner Zeitreise durch den Deutschen Film bin ich in der Gegenwart angelangt. Und doch legt das Museum noch etwa zu. Über einen weiteren Eingang gelange ich in 'Künstliche Welten'. In die künstlichen Welten von Ray Harryhausen um genau zu sein.

Ein Tricktechniker, der mit seiner Stop-Motion-Technik berühmt wurde. Verschiedene Modelle aus seinen Filmen erinnerten mich daran, dass ich als Kind völlig fasziniert von solchen Filmen wie 'Jason und die Argonauten' war und schon immer wissen wollte, wie man damals eigentlich Skelette bewegte...

Von den kämpfenden Skeletten ging es dann ohne Vorwarnung weiter zu den Sauriern in 'Jurassic Park' oder zu dem unfreundlichen Zeitgenossen im Film 'Alien'. Ein Modell gab mir mal die Gelegenheit so einen Alien aus nächster Nähe zu betrachten, ohne mich gleich von diesem Monster angeifern lassen zu müssen.

Ein wenig Erfahrung mit dieser merkwürdigen Kreatur hatte ich aber schon bei einer anderen Ausstellung über dessen Schöpfer, dem Schweizer H. R. Giger gesammelt.

Kurz vor Verlassen des Museum stieß ich noch auf die Sonderausstellung 'Film im Kopf - Psychologie und Film seit Sigmund Freud'. Diese Ausstellung durfte teilweise nicht von Jugendlichen betreten werden, was sie natürlich für sich schon interessant macht.

Gezeigt wurden dabei ein paar rohe Filme, aber nichts wirklich schockierendes. Und irgendwie war ich zu müde, nach einem Gang durch über 100 Jahre Deutscher Filmgeschichte mich auf ein neues Thema einzulassen. Und so verließ ich das Museum und machte mich auf die Suche nach weihnachtlichem Punsch am Potsdamer Platz...

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