Lange Zeit waren "Die Brücke" und "Der Blaue Reiter" für mich Begriffe, denen ich nicht wirklich bestimmte Gemälde zuordnen konnte. In einer Ausstellung im Leopold Museum wollte ich diesen Begriffen mal auf den Grund gehen.
Die Ausstellung begann mit den beiden bekanntesten Künstlergruppen, dem "Blauen Reiter" und der "Brücke". Jeder der Gruppe war ein Raum gewidmet.
Im dritten Raum ging es um den Primitivismus. Dabei wurde versucht, die Kunst afrikanischer Länder nachzuahmen. Da war es recht hilfreich, dass die Ausstellungsgestalter neben den Werken der Expressionisten auch ein paar Holzmasken aus Afrika platzierten. Da fällt einem das Vergleichen leichter.
Das nächste Thema war das Abbilden von Landschaften. Hier fiel mir Nolte auf. Dieser hatte beim Primitivismus ganz düstere Holzschnitte gefertigt und jetzt zeigte er sich mit eher bunten Landschaftsbildern. Sehr vielseitig dieser Künstler...
In den nächsten beiden Räumen wurde das Leben in Großstädten thematisiert oder sollte ich eher sagen kritisiert? Die Bilder waren sehr kritisch, bei Werken von Dix und Grosz fühlt man sich richtig schlecht. Jedenfalls animierten sie mich zu dem Gedanken, man sollte wirklich mehr für die Armen tun.
Der Skulptur war auch ein eigener Raum gewidmet. Die Werke dreier Künstler wurden hier gegenüber gestellt und konnten fabelhaft verglichen werden.
Barlach mit seinen gedrungen aber geheimnisvollen Figuren, Lehmbruck mit seiner "Großen Knieenden" und Kollwitz mit mehreren Skizzen, wo sich das Thema Krieg und Kinder auffallend wiederholten.
Dabei fiel mir gleich einiges ein. Barlachs "Pferdemörder" erinnerte mich daran, dass es diese Art von Verbrecher doch tatsächlich gibt, wie es einige aktuelle Fälle mir bewiesen.
Die "Große Knieende" wurde von den Nationalsozialisten als entartete Kunst bezeichnet, allerdings frage ich mich, wodurch sich diese nackte Frau von den Darstellungen der nationalsozialistisch korrekten Kunst überhaupt unterschieden hatte?
Der vorletzte Raum handelte von Max Beckmann, von dessen Werken mir eigentlich eines am Besten gefiel, was gar nicht zu den anderen passte.
Vielleicht liegt es daran, dass mich das Bild über Menton mit seiner dominierenden gelben Farbe an das Zitronenfest in dieser südfranzösischen Stadt erinnerte, das ich mir mal 1989 ansah.
Im letzten Raum waren mehr die Arbeitsumgebungen der Künstler das Thema. So wurden Fotos vom Atelier des Ernst Ludwig Kirchner gezeigt oder wie Kandinsky mit seinen Freunden in Murnau lebte.
Ach ja, dann gab es noch eine kleine Einführung über die Vorläufer zu den deutschen Expressionisten und ein paar Erklärungen zur Sammlung Thyssen-Bornemisza, aus der 20 Leihgaben stammen.
Der Audio Guide machte mir viel Freude. Die Texte waren informativ und mit viel Musik und Geräusche hinterlegt. Bei Bildern zum Thema Großstadt gab es Verkehrslärm zu hören, bei Werken aus den 20igern tönte entsprechende Musik auf dem Lautsprecher. Wenn man die Musik mag, kann so eine Ausstellung recht kurzweilig sein.
Jetzt kann ich endlich mal die Brücke vom Blauen Reiter unterscheiden. Die Ausstellung war mit Hilfe des Audio Guides didaktisch sehr gut aufgebaut, man bekam eine gute Ahnung davon, was die Künstler des deutschen Expressionismus ausdrücken wollten.
Weitere Reisenotizen und Links
Website der Ausstellung