Im Überseemuseum Bremen wird bis 30.07.207 eine Ausstellung über das Wesen des Paradieses gezeigt. An Hand zahlreicher Beispiele wird dargestellt, dass das Paradies in den Köpfen der Menschen sehr vielfältige Ausprägungen annehmen kann.
Ins Paradies will jeder. Auch ich. Nur wie man dorthin kommt, darüber gibt es weltweit verschiedene Meinungen. Deshalb fuhr ich mal zur Weiterbildung nach Bremen. Dort wurde im Überseemuseum gleich neben dem Hauptbahnhof in einer Sonderausstellung das Paradies thematisiert.
Dabei bediente man sich dem Märchen aus 1001 Nacht. Die Ausstellung war so angeordnet, dass man in einem längeren Gang sich Kostbarkeiten aus dem Orient ansehen konnte. Von diesem Gang führten mehrere Eingänge in Detailbereiche der Ausstellung.
Diese behandelten die Frage nach dem Paradies recht informativ. Zuerst stolperte ich in einem Teil, wo es um das ewige Leben ging. Um das ewige Leben noch auf Erden wohlgemerkt. Gilgamesch war einer der ersten, der nach jener Quelle suchte, die zu ewigen Leben verhelfen sollte. Oder noch besser, zu ewiger Jugend. Inzwischen weiß man ja, das man dazu keine Quelle, sondern Botox braucht.
Im Bereich gegenüber merkte ich erstmals die ironische Ader der Ausstellungsleitung. Sie arbeitete das Thema nicht rein religiös oder philosophisch auf, sondern ging durchaus pragmatisch an die Sache heran. Zum Beispiel wurde die Frage thematisiert, ob nicht ein Kaufhaus auch so eine Art Paradies sei?
Tatsächlich ist für viele Menschen die Möglichkeit alles kaufen zu können, und das gleich und sofort, fast schon eine kleine Art von Paradies. Aber im hinteren Teil des Bereichs ging es dann doch wieder um tiefgründigere Orte wie zum Beispiel Shangri-La. Ein mythischer Ort irgendwo in Tibet, wo die Menschen ewig jung bleiben.
Aber von noch anderen Formen des Paradieses wusste die Ausstellung zu berichten. Sei es das El Dorado der Spanier oder dem Guatavita See. Hier soll der Legende nach, bei Ritualen Gold in den See geschüttet worden sein. Was bei dieser Darstellung gut rauskommt: Manche brauchen für ihr Paradies keine ewige Jugend, sondern suchen lieber nach solidem Gold.
Die nächste Tür führte mich dann wieder etwas näher ran an das biblische Paradies, dem Garten Eden. Die Menschen warteten schon in der Vergangenheit nicht darauf, dorthin zu gelangen, sondern sie bauten sich ihren Garten gleich selber. Hier zeigte mir die Ausstellung eine Vielzahl von Gartenmodellen, darunter auch Tiergärten.
Interessant dabei auch der Gedanke, dass auch die winzigen Schrebergärten, so etwas wie ein Paradies darstellen könnten. Wobei das Paradies dann darin bestehen würde, dass man mal mit sich selbst allein sein könnte. Und die Nachbarn sind hinter einer hohen Hecke aus dem Blickfeld geräumt....
In einem weiteren Bereich wurde es dann wirklich religiös. Hier wurden in kurzen Filmen die Paradiesvorstellungen des Judentums, des Christentums und des Islams gegenüber gestellt. Der vierte Film befragte Passanten in Bremen wie ihre Paradiesvorstellungen seien.
Bei letzteren gab es eine interessante Bandbreite an Antworten. Einige vermuteten es in Italien (so nah?), andere erwarteten sich lediglich gutes Essen (so simpel?), mehrere wünschten sich lauter nette Nachbarn (das wird jetzt aber schwierig!)
Der Bereich über die verschiedenen Kulturen war mit zahlreichen Schaustücken unterlegt, die Kultgegenstände der großen Weltreligionen nahe brachten. Dabei ging man aber auch auf andere Religionen ein (Hinduismus, Taoismus und die alten Ägypter), bei denen man ebenfalls jenseitige Vorstellungen kannte.
Der letzte Bereich war dann jenes Kapitel, das für mich die spannendsten Inhalte aufwies. Hier ging es um die Utopien der Menschen, die sich eine paradiesische, noch diesseitige Welt erträumten. Hier wurden der Reihe nach Autoren mit ihren Hauptwerken zu diesem Thema aufgeführt. So wurden neben dem Vater von Utopia Thomas Morus auch das kommunistische Manifest erwähnt, und sogar die Legende vom Schlaraffenland fand hier ihren Platz.
Was gäbe es noch über die Ausstellung zu sagen? Die gezeigten Gegenstände waren teilweise wohl sehr wertvoll, zumindest aber sorgten sie für einen Hauch von Orient in der Ausstellung. Besonders beeindruckend eine Reihe von Gemälden, die zwei große Gemeinsamkeiten hatten: Sie alle zeigten den Orient aber keiner der Maler war jemals im Orient.
Zur Auflockerung der Themen trugen für mich auch zahlreiche Zitate bei, wobei mir zwei in besonderer Erinnerung blieben. Eines von Nader: 'Das 11. Gebot lautet, kaufen bis zum Umfallen' und eines von Kirkegaard: 'Religionen sind Reisebüros, die einem den Weg ins ewige Leben verkaufen wollen'
Die Aufarbeitung des Themas Paradies empfand ich in dieser Ausstellung als sehr gelungen. Vor allem die Beleuchtung des Themas von zusätzlichen Seiten wie etwa Konsum, ewige Jugend und Sozialutopien gab dem ursprünglich religiösen Thema eine sehr interessante Würze.