Als die Staatspräsidenten noch nicht mit dem Mercedes und die Päpste noch nicht mit dem Papamobil fuhren, war die große Zeit der Kutschen. Diese Zeit ist nun vorbei, doch die schönsten Kutschen stehen noch immer irgendwo rum. In Wien zum Beispiel in der Wagenburg neben dem Schloss Schönbrunn....

Die Wagenburg war etwas seitwärts vom Ehrenhof und erinnerte mich von weitem eher an eine Wagenremise der Straßenbahn. Tatsächlich war es aber die ehemalige Winterreitschule.

Nach Lösen der Eintrittskarte betrat ich eine große Halle, gefüllt mit edlen Kutschen und noch edlerer Kälte. Das Aufsichtspersonal trug dicke Mäntel, was wohl einiges über die Temperaturen aussagte.

Die Wagenburg war sehr übersichtlich. Es gab nur eine größere Halle und einen kleinen Nebenraum, sowie eine Galerie. Die Kutschen waren der Reihe nach in vier Reihen aufgefädelt, im kleinen Nebenraum standen die Prachtexemplare. Auf der Galerie gab es einige Bilder zu sehen.

Gleich die ersten beiden Exemplare am Eingang fielen mir gar mächtig ins Auge. Zu einem der Trauerwagen für die Beerdigungen der Habsburger, zum anderen ein kaiserliches Automobil. Angeblich das letzte Automobil, das es von der kaiserlichen Familie gibt.

Der Trauerwagen war bereits ein alter Bekannter für mich, sah ich ihn zuletzt bei der Beerdigung von Kaiserin Zita im Jahre 1989 auf dem Weg zur Kapuzinergruft. Nun hatte ich Gelegenheit das große schwarze Ungetüm aus nächster Nähe zu betrachten.

Diese Nähe zu den Kutschen war für mich auch die größte Attraktion der Wagenburg. Zwar war das Berühren und auch das Fotografieren strengstens verboten, aber selbst mit den Händen in den Hosentaschen konnte ich mir die Details der einzelnen Wagen sehr gut ansehen.

Vor allem die unterschiedlichen Arten der Federungen hatten es mir dabei angetan, da gab es doch einige ungewöhnliche Lösungen. Bei der Innenausstattung fiel mir auf, das sie sich bei vielen Wagen ähnelte. Wie es überhaupt auch Spaß machte die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der einzelnen Wagentypen zu analysieren.

Dabei kamen mir die Beschriftungen sehr zu Hilfe. Auf den Texten war der Typ des Wagens, sowie dessen Besitzer stets verzeichnet. So bestand für mich auch die Möglichkeit Unterschiede bei den Rängen der Wagen zu identifizieren. Der Kaiser reiste natürlich in einer besseren Kutsche als der Erzherzog.

Obwohl je älter die Monarchie umso weniger konnte man sich auf das verlassen. So beeindruckten mich vor allem auch jene einfachen Modelle, mit denen zum Beispiel Kaiser Franz Joseph von der Neuen Hofburg nach Schönbrunn zu reisen pflegte.

Auch einige andere Besonderheiten gab es zu entdecken. Da wäre zum Beispiel eine Kutsche mit eingebautem Plumpsklo, oder eine Kutsche, wo man während der Fahrt schlafen konnte, in dem man die kaiserlichen Beine unter dem Kutschbock durchstreckte.

Auch die Wagen von so mancher Prominenz außerhalb des Hauses Habsburg war zu sehen. Zum Beispiel jene Kutsche mit der Napoleon zu seiner Krönung zum italienischen König nach Italien fuhr. Oder die Kinderkutsche seines Sohnes mit der österreichischen Prinzessin.

Ein kurioses Detail entdeckte ich bei den Jagdschlitten. Diese waren so angedacht, das man als Jäger bequem von seinem Sitzplatz auf dem Schlitten das heran getriebene Wild erlegen konnte. Nun, ein Herr schien selbst das zu unbequem gewesen zu sein. Er ließ sich einen drehbaren Sitz auf den Schlitten montieren, so das er sich nicht mehr selbst drehen musste...

Eine eigenen Bereich bildeten die Tragsessel bzw. Sänften. Zu meiner Überraschung erfuhr ich an dieser Stelle, das die armen Wiener schon im 18. Jahrhundert und früher das Phänomen des Verkehrsstaus kannten. Des Staus von Kutschen und Pferden nämlich. Darum wechselte der Businessman von damals an der Stadtgrenze von der Kutsche in den Tragsessel und erreichte so seine wichtigsten Termine.

Nach all diesen netten Details betrat ich den kleineren Raum und stand nun der prächtigsten Kutsche von allen ausgestellten Wagen gegenüber. Die Krönungskutsche der Habsburger Kaiser. Die fand ich gar nicht mal so interessant. Den gegenüber stand eine etwas kleinere Kutsche mit interessanter Geschichte.

Diese war ursprünglich schön bemalt und vergoldet, wurde dann aber mit der Farbe schwarz übermalt. Sie diente fortan als Krönungskutsche für jene Zeiten, wo am Hof getrauert wurde. Soviel Pietät muss sein. Irgendwie sah sie aber schon kurios aus in ihrem Schwarz, wo an den schadhaften Stellen das Gold vorschimmerte.

Nach diesem Höhepunkt der Wagenburg ging ich noch etwas höher und zwar auf die kleine Galerie. Dort gab es vor allem Bilder zu sehen. Von Pferden, von Reitern, von Hunden und von Oberpferdemeistern. War jetzt nicht so spannend. Kurios waren hingegen die Musterbücher der Wagenhersteller.

Die waren aus Pappe in der Art konstruiert, dass man durch auf- und zuklappen von Pappeteilen dem potentiellen Käufer auch Variationen der angesprochenen Kutsche zeigen konnte. So konnte man sich als zukünftiger Kutschenbesitzer wohl auch die Kufen zum Radmodell bestellen...

Nun, heute bestellt man sein Auto ja nicht mehr über Pappendeckel, und auch für mich war es Zeit wieder in die jetzige Zeit zurück zu kehren. Insgesamt hat mir der Besichtigung der Wagenburg sehr gut gefallen, die Schilder waren sehr informativ und der genaue Blick auf die technische Details der Kutschen gab mir ein Gefühl was damals auf der Straße rum fuhr.

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