Das Niedersächsische Landesmuseum kann man grob in vier Bereiche unterteilen: Die Abteilung für Naturkunde, die Abteilung für Urgeschichte, die Abteilung für Völkerkunde und die Landesgalerie. Ergänzt wird das Ganze noch um ein kleines Vivarium.

Das Museum war so wie viele andere Museen in einem großen wunderbaren Gebäude am Rande des Maschparks untergebracht. Das eher kleine Vivarium hatte ich schnell durch und marschierte in Richtung Völkerkunde weiter.

Im Bereich der Völkerkunde wurde leider gerade umgebaut, so das ich nur einen kleinen Teil der Exponate sehen konnte. Besonders in Erinnerung blieben mir dabei Informationen über das Tätowieren. Jugendliche gaben dabei an, das sie sich mit dem Tätowieren an bestimmte Ereignisse erinnern wollen. Ein Grund auf den ich selbst nicht gekommen wäre.

Bei den Indianern erfuhr ich einiges über das traditionelle Fest namens Potlatch. Das ist so eine Art Fest des Schenkens, wobei man mit Hilfe der Geschenke auch ein wenig den Rank unter den Stammesmitgliedern absteckte. Kurios fand ich dabei die ausgestellten modernen Geschenke zum Potlatch. Da werden doch glatt einfachste Kaffeekannen verschenkt. Diese Geschenke waren wohl nicht für den Häuptling gedacht?

In der Abteilung über Eskimos erfuhr ich etwas über deren Kleidung aus Därmen, die wasserdicht sein soll. Schon interessant, wie man auch ohne Chemie so eine Aufgabenstellung bewerkstelligen kann. Im südamerikanischen Teil gab es eine Mumie zu sehen, die einer menschlichen Leiche aber schon recht nahe kam. Merkwürdig, dass man nicht mehr von Leichenschändung spricht, sobald die Leiche entsprechend alt geworden ist.

Im Bereich der Naturkunde erfuhr ich einiges über die Tierwelt, wobei mir besonders gut jener Teil gefiel, der sich mit der Natur innerhalb von Niedersachsen beschäftigte. Da gab es auch das eine oder andere recht lebensnahe Diorama zu sehen. Eine gute Übersicht bekam ich vor allem über die Pilze und wie diese funktionieren. Zum Beispiel wurde auch erklärt, wie ein 'Hexenring' entsteht.

Besonders gelungen fand ich auch eine Art Globus, wo die Erhebungen und Tiefen der Erde als Relief aufgetragen waren. Diese Art der Darstellung hilft einem wirklich die Form der Erde zu 'begreifen' Unwillkürlich suche ich bei solchen Darstellungen immer nach dem versunkenen Atlantis ohne es aber jemals zu finden.

Der Höhepunkt im Bereich der Naturkunde war aber der Raum über ein freundliches Sauriertier namens Iguanodons. Das Museum verfügte schon längere Zeit über eine Rekonstruktion von diesem Saurier, die sich aber im Laufe der Zeit als veraltet erwies. Das Museum machte aber aus der Not eine Tugend und zeigt nun rund um diese 'museale' Rekonstruktion eine Ausstellung über den Fortschritt bei der Rekonstruktion dieser Saurier. Glänzende Idee.

Der interessanteste Bereich im Museum war für mich aber die Urgeschichte, sowie die Geschichte der Sachsen von der Frühgeschichte bis ins Mittelalter. Hier wurden auch so Themen über die wechselnden Siedlungsformen während der zu- und abnehmenden Eiszeiten behandelt.

Diese Beschreibungen fand ich vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion über die Erderwärmungen interessant. Erderwärmungen gab es nämlich schon damals, nur gab es keine USA, der man die Schuld dafür geben hätte können.

Den Teil über die Geschichte der Sachsen sah ich mir am genauesten an, da er mir recht übersichtlich und umfassend erschien. Außerdem wollte ich immer schon wissen, warum es gleich drei Bundesländer mit 'Sachsen' in Deutschland gibt und es auch so etwas wie einen angel'sächsischen' Sprachraum gibt.

Nun, alle meine Fragen wurden nicht geklärt, aber ich bekam einen guten Überblick über die Wanderbewegungen der Sachen bis hin an die englische Küste und über die Sachsenkriege durch Karl dem Grossen. Auch über die Kleidung erfuhr ich einiges neues, vor allem mit welchen gefinkelten Methoden die Forscher von heute versuchen die Kleidung von damals zu rekonstruieren.

Der Teil über die Römer wies für mich auch einige Überraschungen auf. Die Gebiete der Sachsen waren von den Römern ja nicht dauerhaft besetzt, aber sie hatten trotzdem viele Kontakte zu einander. So wurde auch sehr gut erklärt, unter welchen Umständen römische Gegenstände in Gebiete Deutschlands vordringen konnten, ohne das es die Legionäre selbst geschafft hätten.

Als Glanzstück dieser Gegenstände war der Hildesheimer Silberschatz ausgestellt, ein wunderbares Service, welches wohl mal einem höheren Offizier gehört haben mag, oder vielleicht auch eine Gabe an einem germanischen Anführer war. Überrascht war ich aber von einem schlichten Grabstein. Er war für den römischen Soldaten C. Romanius Capito gemeißelt worden, der laut Inschrift aus meiner engeren Heimat Steiermark stammen soll.

Zum Abschluss der Geschichte der Sachsen gab es noch die berühmte Ebstorfer Weltkarte zu sehen. Das ist eine jener Karten wo man grundsätzlich Jerusalem in die Mitte des Blattes platzierte und den Rest der Welt rundherum. Hilft beim Betrachten natürlich nicht wirklich weiter, aber immerhin konnte ich so Städte wie Riga erkennen. Hannover konnte ich leider nicht entdecken, obwohl die Welfenstädte prominent vertreten sein sollen.

Nach einer kurzen Labung in dem in einem Wintergarten sehr schön gelegenen Café marschierte ich in das oberste Geschoss, wo mich im Treppenhaus eine gewisse majestätische Atmosphäre empfing. Jedenfalls hatte man von dort einen guten Blick auf den Maschpark und auf die faszinierende Fassade des Neuen Rathauses.

Im obersten Geschoss ist nun die Gemäldegalerie des Niedersächsischen Museums untergebracht. Der Geräuschpegel  war hier deutlich niedriger, alte Meister scheinen die Besucher nicht so anzulocken wie alte Saurierknochen. So halten in den Räumen mit wunderbaren mittelalterlich Flügelaltären wie dem Göttinger Barfüßer Altar und edlen Ölgemälden lediglich meine Schuhe, die aber leider auf dem Parkettboden eher unedel quietschten.

Bei mittelalterlichen Werken mit christlichen Motiven fällt mir immer eines auf. Grausamkeit war damals fast präsenter als heute. Vor allem die zahlreichen Darstellungen an Folter und die wirklich widerwärtigen Fratzen der Folterknechte findet man heute selten. Aber es gab auch schöne Motive, zum Beispiel sehr gut gebaute Frauen in ihrer prallen Nacktheit. Zum Beispiel 'Venus und Amor' von Lukas Cranach. Fürsten von damals kannten also das Prinzip des Pin Up Girls schon.

Alte Bilder könnten übrigens auch für Reiselustige eine wertvolle Informationsquelle sein. Sie zeigen oft wie es früher an einem Ort mal ausgesehen hat. So erfuhr ich durch das Bild Piazza Navona von Paolo Panini, das man diesen Platz in Rom früher gerne für allerlei Vergnügungen zur Gänze unter Wasser setzte.

Im Flügel mit den modernen Teil stieß ich auf die Verpackungsarbeiten von der gerade zu Ende gegangenen Ausstellung über Max Liebermann und hatte erstmals Gelegenheit zu sehen, wie kompakt Gemälde für den Transport verpackt werden. Aber natürlich blieben noch genug Bilder zum Betrachten da.

Von all den gezeigten Exponaten wird mir wohl die gelungene Präsentation des veralteten Iguanodons und die sehr informative Darstellung der Geschichte Sachsens wohl lange in Erinnerung bleiben.

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