Das Allgäuer Bergbauernmuseum in Diepolz zeigt in seinen Ausstellungsräumen und dem Freigelände unter welchen Bedingungen die Landwirtschaft im Allgäu funktionieren musste. Dabei ist es sehr gut gelungen, sowohl Landschaft aber auch so manches Tier dem Besucher nahe zu bringen.

Die Anfahrt gelang rasch, denn das Museum war gut ausgeschildert. Seine Lage zum Glück nicht hoch oben in den Bergen, doch immerhin so gelegen, das man einen guten Blick auf die Berge wie zum Beispiel die Allgäuer Hochalpenkette hat.

Das Museum war eine Mischung aus Ausstellungsräume und Freilichtmuseum. Und auch in den einzelnen Gebäuden mischten sich Theorie und Praxis auf interessante Art und Weise.

Das Eingangsgebäude war recht modern ausgeführt und zeigte die Allgäuer Bergbauernwelt in ihrer Theorie. Dazu dienten neben originalen Werkzeugen auch die eine oder andere Installation. Neben der Dauerausstellung gab es auch eine Sonderausstellung zu sehen, in der ich etwas über den Allgäuer Bauern und Künstler Gallus Witzigmann erfuhr.

Was in der Dauerausstellung gut raus kam, war die Entwicklung vom blauen Allgäu zum grünen Allgäu. Ursprünglich wurde im Allgäu sehr viel Flachs angebaut, dessen blauen Blüten damals der Landschaft sicher einen besonderen Reiz gegeben haben mag. Aber vom Reiz allein kann man bekanntlich nicht leben und so bestand bald die Notwendigkeit für neue Agrarprodukte.

Dabei entwickelte sich die Milchwirtschaft im Allgäu und in weiterer Folge auch die Käseproduktion. Besonders forciert wurde diese Entwicklung von dem Allgäuer Großbauern und Politiker Carl Hirnbein. Dieser baute mit dem Grüntenhaus auch das erste Hotel in den Allgäuer Alpen und war somit auch Initiator für den Fremdenverkehr.

Diese und andere Themen wurden in der Dauerausstellung mit Schaustücken aber auch mit Gemälden abgedeckt. Zum Thema Käse überraschten mich die Verpackungen von Allgäuer Produkten, die scheinbar bis weit in den asiatischen Raum exportiert werden.

Längere Zeit verbrachte ich vor zwei TV Geräten, die mit ihren Filmen spannende Einblicke in die Bergbauernwelt gaben. Bei einem Film wurde gezeigt, wie die ganze Familie Brot buk bzw. den Flachs mit einfachsten Werkzeugen bearbeiteten. Und dieser Film war keineswegs aus dem frühen 20. Jahrhundert, sondern erst in den letzten Jahren gedreht worden.

Bei dem anderen Film wurde gezeigt, wie Bergbauern mitten im tiefsten Winter Heu von den verschneiten Almen ins Tal transportierten. Angeblich geht das im Winter leichter, aber der Transport der meterhohen Heuballen auf Schlitten erschien mir keinesfalls als weniger gefährlich.

Nach diesen Eindrücken ging es raus ins Freie. Den der überwiegende Teil des Bergbauernmuseums besteht aus einem Freigelände. Auf diesem kann man sowohl spielerisch als auch sportlich unterwegs sein. Entweder man schaukelt ein wenig auf dem Abenteuerspielplatz der Kinder herum oder man nimmt den Rundkurs rund um das Freilichtareal.

Dabei kommt man an verschiedenen Stationen vorbei, wie etwa dem Bauerngarten, der Imkerei, der Heuschinde, oder dem Rindenkoben. Letztere war eine Art Unterstand für die Holzknechte, wenn sie während der Arbeit von schlechtem Wetter überrascht wurden. Leider herrschte zum Zeitpunkt meines Besuches zumindest sehr kaltes Wetter, weshalb ich die Runde nicht ausdehnte.

So verzichtete ich auf die Möglichkeit den Walderlebnisparcours zu durchschreiten oder mich vom höchsten Punkt des Geländes dem Alpenpanorama zu widmen. Auch der Besuch in der 1872 errichteten Höfle-Alpe und der darin enthaltenen Sennküche fiel deshalb aus. Dieses Gebäude stand  ursprünglich bei Oberstdorf und wurde 2001 auf das Gelände des Bergbauernmuseums verpflanzt.

Dafür zog ich mich längere Zeit in den Museumsbauernhof zurück, der noch immer bewirtschaftet wird. Dieser wurde an dieser Stelle schon im Jahre 1787 erwähnt und hatte die Form eines typischen Allgäuer Einhofes, wo Haus, Stall und Scheune unter einem Dach zu finden ist. Und seit neuestem ist noch was unter demselben Dach: Ein Museum über die Kulturgeschichte der Kuh.

Dadurch hatte ich das für mich erstmalige Erlebnis, in der einen Hälfte des Hauses mich mit den verschiedenen Rassen und Formen der Rinder auf Schautafeln zu beschäftigen, um dann in der anderen Hälfe des Gebäudes genau diese Tiere beim gemächlichen Kauen ihres Futters zu bewundern. Ich habe zwar keine Ahnung was diese über die zahlreichen neugierigen Gesichter, Hände und Kameras denken, jedenfalls scheint es sie nicht beim Wiederkäuen zu stören.

Die Kinder hatten jedenfalls auch in dem Museumsbauernhof ihre große Freude, gab es ja hier auch die Möglichkeit Ziegen zu streicheln und von einer erhöhten Plattform mal so richtig ins Heu zu hüpfen. Ein Sport, den ich übrigens als Kind sehr gerne bei meinen 'Urlauben am Bauernhof' praktizierten. Wobei damals der Sport eher darin bestand, sich nicht vom Bauern erwischen zu lassen.

Neben den Informationen über die speziellen Bedingungen für die Landwirtschaft im Allgäu beeindruckten mich bei diesem Allgäuer Bergbauernmuseum vor allem das Nebeneinander von Theorie und Tier und die zahlreichen Möglichkeiten für die Kinder auch mal auf einem Museumsgelände rumtoben zu dürfen.

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