Das Automobilmuseum in Wolfegg ist mit seinen rund 200 Exponaten eines der größten privaten Automuseen in Deutschland. Gegründet wurde es von Fritz B. Busch, der sich auf dem Gebiet des Motorsports auch als Schriftsteller und Journalist einen Namen gemacht hat.
Der Anmarsch gestaltete sich für mich etwas verwirrend, war doch im Ort Wolfegg, das Museum gleich in zwei verschiedene Richtungen ausgeschildert. Doch die Lösung dieses Rätsels war schnell gefunden: Das Museum verteilt sich auf zwei Gebäude, die sich in kurzer Entfernung zueinander befinden.
Das ältere Museumsgebäude I befindet sich seit 1973 in einem Nebengebäude des fürstlichen Schlosses von Waldburg - Wolfegg. Dort stehen eng verschachtelt glanzvolle Limousinen, Motorräder und Traktoren auf zwei Ebenen.
Das jüngere Museumsgebäude II war thematisch etwas anders strukturiert. Hier kann man ein wenig in Nostalgie schwelgen, als man noch mit wenigen PS zum Sommerurlaub nach Italien fuhr. Ergänzt wird diese Schau durch einige Werbefilme aus jener Zeit und einen Überblick über das journalistische Schaffen von Fritz B. Busch.
Aber zunächst mal zurück in das erste Museumsgebäude. Hier standen sie nun dicht an dicht gedrängt die zahlreichen Automobile, die der leidenschaftliche Sammler im Laufe der Zeit erworben hatte. Das ist auch das Persönliche an diesem Museum: Hier spürt man, das jede dieser Karossen eine Geschichte für den Sammler bedeuteten.
Und diese Geschichten kann man auch nachlesen! Neben den sonst üblichen technischen Beschreibungen gibt es auch kleine Geschichten zu dem jeweiligen Wagen zu lesen. Teils vom Sammler selbst verfasst, teils von Besuchern eingereicht. Da erfährt man so einiges, zum Beispiel wer mit diesem Wagen wo zum ersten Mal auf Urlaub fuhr.
Auch interessante Infos zum Zeitgeist kann man dadurch erfahren. Zum Beispiel, das nach einem Unfall zwischen zwei Trabanten stets darauf geachtet wurde, alle abgefallenen Teile einzusammeln. Oder dass man wenig begeistert war, wenn der Gerichtsvollzieher ein allzu tolles Auto fuhr, und dieses Just all zu oft vor der eigenen Haustür parkte.
Doch das waren nicht die einzigen persönlichen Noten in dieser Sammlung. Fahrzeuge, die gerade 100 Jahre alt geworden waren, wurden mit entsprechenden Schildern hervor gehoben. Und bei einem Wagen, der sich einmal im Besitz von Hans Albers befand konnte man Stimmung in die Halle bringen, in dem man per Knopfdruck seine Lieder abspielte.
Von den Jubilaren blieben mir besonders der 100jährige Piccolo Voiturette und ein 85jähriger Opel in Erinnerung. Letzterer vor allem wegen seiner wunderbaren Elleganz. Zufällig ist er derselbe Jahrgang wie Herr Busch selbst.
Etwas weniger elegant waren dann die ausgestellten Traktoren und Zugmaschinen. Diese wirkten zum Teil schwer wie Dampfwalzen. Als Kontrast dazu gleich eine Ecke weiter der eine oder andere Trabant. Hier bliebt mir ein Anhänger in guter Erinnerung, der scheinbar aus 'halben' Trabanten improvisiert wurde. Daraus lerne ich, dass man früher nicht nur halbe Hähnchen, sondern auch halbe Autos kaufen konnte.
Im Museumsgebäude II ging es dann thematisch um die Reise nach Italien. Da fuhr man ja früher mit Moped, Motorrand, Wagen oder auch mit Wohnwagen hier. Und genau einige dieser Wohnwagen waren hier zu sehen. Interessant dabei der Blick in die damalige Raumaufteilung und dem typischen Design von damals. Aber auch eine gut bepackte Vespa gab es zu Bewundern, bewundernswert vor allem für deren Transportleistung bei solchen Urlaubsfahrten.
Im Museumsshop gab es neben dem üblichen Spielzeug für Groß und Klein auch einige Werke von Fritz B. Busch zu erwerben. Ich kaufte mir den Katalog zum Museum, der - und auch hier blieb sich das Museum treu - wieder mit schönen Geschichten zu den einzelnen Modellen versehen war.
Insgesamt war der Besuch in diesen beiden Ausstellungsgebäuden ein sehr schönes Erlebnis. Neben den nostalgischen Gefühlen, die solche Autos ohnehin auslösen, trugen die originellen Beschreibungen dazu bei, etwas über die Fahrzeuge aber auch Fahrweisen von Oma und Opa zu erfahren.
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