In der Landesausstellung 2007 zeigt das Stuttgarter Naturkundemuseum am Löwentor die Entwicklung der Saurier von der Urzeit bis heute. Zahlreiche Panoramen aber auch spektakuläre Funde der jüngsten Vergangenheit bereichern die Ausstellung.

Der Titel der Ausstellung klang schon mal ansprechend. Hieß es nicht bisher, die Saurier wären ausgestorben weil zu groß, zu dumm und den sich ändernden Lebensumständen überhaupt nicht angepasst? Was soll da nun ein Erfolg sein? Zur Klärung dieser Frage löste ich eine Eintrittskarte zum Saurierpreis von 8 Euro und begab mich auf den Weg zur Lösung dieser Frage.

Trotz des uralten Themas war das Ausstellungsgebäude erfrischend modern. In großen weiten Räumen standen die Vitrinen, Dioramen und Schautafeln. Groß und weit musste so ein Ausstellungsgebäude wohl zwangsläufig sein, weil Saurier brauchen bekanntlich viel Platz, auch wenn sie schon tot sind.

Dafür war es aber dann zwischen den Vitrinen umso lebendiger. Die Ausstellung war wohl zweifellos der Hit bei den Kindern. Hätte ich bei so einem komplexen Thema gar nicht vermutet. Aber die Beschreibungen waren zweisprachig formuliert. So gab es für die Kinder eine eigene Beschreibung des Dargestellten und auch einen eigenen Audio Guide.

Die Beschreibungen für die Erwachsenen hatten es aber in sich. Da wurde an Fachbegriffen nicht gespart, kein Zusammenhang ausgelassen. Doch gab es mehrere rote Fäden in der Ausstellung, die mir halfen durch das komplexe Thema durchzusteigen.

Jede Sektion der Ausstellung begann mit einem Text über die aktuelle Verteilung der Kontinente über die Erde. Diese klebten ja ursprünglich aneinander und trieben erst mit der Zeit auseinander. An Hand von ständig wiederkehrenden Landkarten konnte ich dabei gut erkennen, wie sich das auf die Umstände in Süddeutschland auswirkte. Wie sich in unseren Breiten das Meer, der Sumpf, die Wälder und Wüsten abwechselten.

Allein durch diese Darstellung war rasch klar, warum zum Beispiel manche Steine dunkler waren als andere und warum man in bestimmten Schichten Lurche und dann wieder Fische fand. Größte Attraktion waren je Sektion aber wohl die Dioramen, wo man die verschiedenen Saurier als Modell in  einer rekonstruierten Landschaft  stehen oder schweben sah.

Dieselben Tiere traf ich dann als fossile Reste in den einzelnen Vitrinen an, wobei zusätzliche Erklärungen zu verstehen gaben, wo sich diese Tiere gerade in der Kette der Evolution befanden, was sie ausgezeichnet hat, was sie von anderen Tierarten unterschieden hat. Da gab es schon merkwürdige Dinge zu sehen. Wie zum Beispiel das dritte Auge bei manchen Krokodilformen auf der Schädeldecke. Das Vieh konnte also auch nach oben sehen!

Die gezeigten Überreste hatten übrigens nicht etwa die Qualität von ein paar hingeworfenen Hühnerknochen, nein, manche Tiere waren fast vollständig erhalten geblieben und lagen da wie hingemalt. Und durch die guten Beschreibungen blieb kein Detail unerwähnt.

Bei einem Saurier hatte man Knochenbrüche festgestellt, die aber wieder verheilten. Kreuze zeigten mir an, wo ich sie im steinernen Gerippe finden würde. Bei einem anderen Tier stellte man eine Schwangerschaft fest, die sich als eine Vielzahl von kleinen Knochen inmitten des großen Gerippes abzeichnete.

Zwischendurch gab es wieder Ecken mit Bezug zur Gegenwart. Verschiedene Fundsituationen wurden nachgestellt. Mit Werkzeugen und Arbeitsmaterial, ganz so wie es eben auf solchen Ausgrabungsorten aussieht.

Als Ergänzung dazu der für mich persönlich interessanteste Teil der Ausstellung. Die Präsentation des Materials, mit dessen Hilfe man die Fossilen untersucht und präpariert. Schon während meines  Rundgangs hatte ich mich gefragt, wie kann man so präzis die Überreste einer Pflanze oder eines Tieres aus dem Stein herausholen? Nun wusste ich die Lösung.

Ein sehr gut aufgebauter Trickfilm offenbarte mir die Methoden dazu, von der mechanischen Präparation über das Vakuuminisieren bis hin zum gefährlich klingenden Säurebad. Und gleich daneben in einem großen Regal gab es dann all die dafür notwendigen Chemikalien, Bohrer, Schleifer, Sandstrahler usw. aus nächster Nähe zu sehen.

Heftig gearbeitet wurde übrigens in dieser Ausstellung auch. Gleich an mehreren Stellen gab es Stationen, wo vor allem die Kinder zum Zug kamen. Da konnte das Suchen nach Spuren ausprobiert werden, oder das Rekonstruieren von Skeletten. Oder das Suchen von Splittern im Sand. Letztere Splitter durfte man auch nach Hause mitnehmen, obwohl ich bezweifle, dass sich in den kleinen Kisten ganze Saurier finden lassen würden.

Übersehen hätte ich fast die Antwort, was jetzt eigentlich so toll an der Evolution der Saurier war. Zwar war der Aufbau der Ausstellung schon sehr gekonnt gemacht, verschiedene Entwicklungen nachvollziehbar erklärt. Aber haben die Saurier wirklich überlebt?

Und ja, in einer der letzten Sektionen kam ich dann auf den Vogel! Manche Saurier hatten inzwischen Federn bekommen, waren flügge geworden. Und so manche dieser Tiere wurden - zumindest in der Rekonstruktion - zu grotesken Figuren. Das struppige Federkleid wurde nur noch durch den irren Blick und die abstehenden Federn am Kopf an Skurrilität überboten. Wer noch Ideen für ein irres Partydress braucht, sollte sich diesen Teil der Ausstellung unbedingt ansehen.

Aber was habe ich gelernt? Aus diesen Sauriern haben sich später die Vögel entwickelt und die wecken mich jeden Tag mit ihrem fröhlichen Gezwitscher vor meinem Fenster. Also haben die Saurier in ihrer Spätform tatsächlich überlebt, sogar in meinem Garten. Für diese Erkenntnis hat sich die Reise zu dieser Ausstellung allemal gelohnt...

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Saurier vor dem Museum
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