Vom 30. März 2007 bis 20. August 2007 werden im Gartenpalais Liechtenstein rund 200 Werke des Biedermeiers aus der Sammlung des Fürsten von und zu Liechtenstein gezeigt.
Wien ist mal wieder im Biedermeier Fieber. Zuletzt war das 1815 bis 1848 und zeigte sich in einem Rückzug der Bürger ins Private. 2007 zeigt es sich in Form mehrerer Ausstellungen. Zuletzt in der Albertina, nun im Palais Liechtenstein.
Bevor ich aber das Palais betrat machte ich einen kleinen Spaziergang durch einen herrlichen Park zwischen den einzelnen Gebäuden des Palais. Ein kleiner Teich lud zur Umrundung ein und die zwischen den Bäumen auftauchenden Fassaden der Palais verlangten nach einem Foto.
Dann ging ich in das Palais hinein, das erst vor ein paar Jahren frisch renoviert worden war. Die Sonderausstellung befand sich in den Räumen im Erdgeschoss und in der Bibliothek des Hauses. Die Bibliothek sollte dann auch meine Überraschung des Tages werden.
Die Ausstellung handelte im Wesentlichen vom Biedermeier, bezog sich aber auch auf die Familie Liechtenstein. Die ja auch die ausgestellten Werke zusammengetragen hatte.
Bereits im ersten Raum begann die Beschreibung der Familie. Ein großes Schlachtenbild erinnerte daran, dass es ein Liechtenstein war, der Napoleon eine empfindliche Niederlage beifügte. Später folgten noch einige Portraits aus der Familie.
Der Rest der Ausstellung gliederte sich aber mehr und mehr in Themengebiete des Biedermeiers. Da gab es Portraits von Zeitgenossen zu sehen. Portraits, die sich mehr und mehr vom Repräsentativen hin zum Authentischen entwickelten.
Aber auch Landschaftsdarstellungen waren zu sehen. Italienische Landschaften, aber auch Landschaften aus so nahen Gebieten wie das Salzkammergut.
Ein Kuriosum waren für mich die Zimmerbilder. Hier wurden ganze Zimmer abgebildet. Aber keine beliebigen Zimmer. Sondern Räume aus dem eigenen Palais oder der geräumigen Stadtwohnungen. Damit konnte man früher innerhalb des Adels angeben, heute macht man das bekanntlich mit Polaroid Fotos.
Es waren übrigens auch Gegenstände ausgestellt wenn auch nur wenige. Zum Beispiel einige Stühle, diese allerdings in verschiedenen Stadien des Verfalls. Oder ein Vogelkäfig, der sich auch auf einem der Zimmerbilder wieder fand.
Am interessantesten fand ich einige Genre Bilder, wo Szenen aus dem Volke dargestellt wurden. Bein einem musste ich doch sehr schmunzeln, wurde da die Szene einer Testamenteröffnung dargestellt. Ein ärmlich gekleidetes Paar mit Kind schien alles geerbt zu haben, die schon etwas reichere Verwandtschaft warf zumindest böse Blicke auf das Paar.
Noch dazu wurde auf dem Gemälde gut mit dem Licht gespielt. Das glückliche Paar steht in einer erhellten Ecke des Raumes, die neidvolle Verwandtschaft scheint im Dunkel leise zu vergehen. Hinweise auf solche Situationen gab es übrigens auf dem preiswerten Audio Guide zu 1 Euro öfters.
Nach all diesen Gemälden gelangte ich in die Bibliothek des Hauses, wo noch einige Bilder, zum Beispiel von Burgen zu sehen waren. Und dazu auch Porzellan. Aber wer mich kennt, weiß, dass ich dem Porzellan nicht viel Aufmerksamkeit schenkte. Denn die Bibliothek stand nun im Mittelpunkt meines Interesses.
Sie wirkte in ihrer Bauart noch so richtig schön alt, wo man über eine schmale Wendeltreppe in die Galerie gelangte. Und wo die alten Folianten noch von einem Drahtgeflecht gegen neugierige Hände geschützt sind. Allein der Geruch war schon einmalig, warum ist noch keiner auf die Idee gekommen, diesen Geruch als Parfum für Leseratten zu vertreiben?
Längere Zeit verbrachte ich nun meine Zeit die hier gesammelten Werke zu begutachten. Was war wohl das älteste Werk, was das jüngste Werk? Was wurde wirklich gelesen, was wurde nur wegen des schönen Einbandes gekauft? Das mit dem schönen Einband war dann gar nicht so weit hergeholt. Laut Audio Guide waren die Bände nach ästhetischen Grundsätzen sortiert....also nach dem Einband...
Mit dieser Erkenntnis endete mein Besuch in der Biedermeierausstellung. Vieles kannte ich schon von anderen Ausstellungen über Rudolf Alt oder Waldmüller. Die Überraschung war für mich die Bibliothek und nicht zu vergessen ... die kräftigen Deckengemälde, wie man es eben nur in kürzlich renovierten Gebäuden sehen kann....
Weitere Reisenotizen und Links
Webseite der
Ausstellung