Vom 17.06.2007 bis 06.01.2008 wird im Historischen Museum der Pfalz in Speyer eine Ausstellung über Attila und den Hunnen, sowie deren Hilfsvölker gezeigt.

Attila, der Hunnenkönig! Früher musste man nicht mehr sagen, sofort war klar, das war ein unangenehmer Knabe. Wie unangenehm, das wollte ich in der Ausstellung  erfahren. Schon der Einstieg war gelungen: Am Boden liegt in der Vitrine ein Schädel, getroffen von einem der gefürchteten Pfeile der Hunnen.

Die Ausstellung war aber auch was ganz besonderes. Noch nie hatte ich eine Kombination von soviel verschiedenartigen Materialien und sinnvollen Sinneseindrücken erlebt wie diesmal. Sogar der Boden änderte sich von Raum zu Raum, manchmal wirkte er weich wie auf einer Wiese, manchmal auch hart oder sandig.

Dazu Waffengeklirre in den Räumen über den Krieg oder schnaubende Pferde wenn es um das Reiten geht. Besonders eindrucksvoll jener Bereich, wo man - symbolisch - die Burg Attilas betritt und den Schmuck seiner Frauen bewundern kann. Der Raum hatte sich dazu in eine Art lange hölzerne Halle verwandelt, so wie es wohl bei Attila gewesen sein mag.

Auch der Geruchssinn bliebt nicht unbespielt. Im Bereich über die Lebensweise der Mongolen steht eine Jurte, in deren Innerem sich Sättel, Decken, Gerät und Waffen stapeln. Aber auch ganz viel Stoff, der einen Geruch ausstrahlt, wie es Stoffe so an sich haben. Ein Manko bleibt mir aber auch in Erinnerung: Die Beschreibungen zu all diesen schönen Sachen sind sehr klein ausgefallen.

Dafür sind ausgestellte Gegenstände umso prachtvoller. Da gäbe es den Schmuck der Damen am Hofe Attilas. Ein Stück schöner als das andere. Ich meine jetzt den Schmuck, nicht die Damen. Obwohl das sicher aus zutreffen würde. Oder auch nicht. Zum Thema Schönheitsideal gibt es nämlich merkwürdige Hinweise: Seltsam deformierte Schädel.

Laut Erklärung galt man als Hunne erst so richtig schön, wenn Nase und Stirn eine Linie bildeten. Dazu band man den kleinen Kindern ein Brett vor den Kopf um die gewünschte Schädelform zu erzielen. Eine dumme Sitte der Hunnen? Wohl kaum, erfuhr ich doch erst vor kurzem bei einer anderen Ausstellung, das dies auch bei dem Volk der Maya üblich war (siehe Maya, Könige aus dem Regenwald).

Aber bekanntlich lässt sich über Geschmack nicht streiten. Dafür wurde über andere Dinge umso mehr gestritten. Zum Beispiel über Grenzen und Tribute. Immer wieder fielen die Hunnen in das Römische Reich ein und forderten Land, Gold oder beides. Interessant einige Ausführungen, dass es zeitweise tatsächlich billiger war, den Tribut zu zahlen, als eine Verteidigungsarmee zu unterhalten.

Wenn aber die Hunnen trotzdem das Land der Tributzahler verheerten, taten sie es nicht alleine. Eine der spannendsten Eindrücke der Ausstellung für mich waren die ausgestellten Waffen und die verständlichen Erklärungen, aus welchen Gründen diese Waffe einem Hunnen oder einem verbündeten Goten, Rugier oder Alanen gehören würde.

Ein sonst von mir selten gesehenes Thema war auch vorhanden: Die spirituelle Welt der Hunnen und das Wirken ihrer Schamanen. Dazu ein paar eindrucksvolle Kleidungsstücke dieser Schamanen. War ich schon vom Thema überrascht, amüsierte mich ein Hinweis umso mehr: Vor der Schlacht bei den Katalaunischen Feldern sagten eben diese Schamanen ihrem Anführer Attila eine Niederlage voraus. Hat er darauf gehört? Nein! Und so verliert er diese Schlacht, wobei in der Ausstellung eher von einem Unentschieden die Rede war.

Aber es ist egal, zwei Jahre später stirbt er ohnehin. Ausgerechnet in der Hochzeitsnacht mit seiner jungen Gattin Ildigo. Passend dazu die Hinweise auf die Grabriten der Hunnen. Als Höhepunkt eine Grabkammer, die man auch betreten kann. Diesmal nicht eine dieser sterilen Kammern, wie man es von anderen Ausstellungen gewohnt ist. Stattdessen ein verwinkelte Höhle, wo man nicht vergessen hat, von der Höhlendecke Wurzeln von Bäumen reinragen zu lassen...

Wie gesagt, die Gestalter haben sich allerhand einfallen lassen, um hier für Abwechslung zu sorgen. Bei den ausgestellten Gegenständen fiel mir aber auf, dass vieles aus dem 20. Jahrhundert stammte, und somit nur spekulativ den Gegenständen von damals gleichgesetzt wurden. Dafür gab es aber gegen Ende der Ausstellung einige originale Kessel zu sehen.

Für eine Hausfrau nix besonderes, für einen Hobbyhistoriker aber schon. Denn das eine Ausstellung über die wilden Scharen der Hunnen mit Wasserkesseln endet (hinterher kommt lediglich noch der Tod Attilas), ist schon eine kleine Ironie....

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