Im Oktober 2007 stieß ich auf ein Buch von Dietmar Bittrich, in dem er auf launige Art und Weise über das Wesen des Reisens schrieb.

Im Rahmen meiner Recherchen für meine Reise nach Triest stieß ich auch auf Dietmar Bittrich, der 1958 in Triest geboren wurde. Das war aber schon die einzige Gemeinsamkeit mit dieser Stadt. Interessant wurde er aber für mich durch seine Bücher.

So schrieb er eines über das Reisen und natürlich war ich neugierig, was er darüber zu erzählen wusste. Also nahm ich eines schönen Reisetages sein Buch mit dem Titel 'Dann fahr doch gleich nach Haus! - Wie man auf Reisen glücklich wird' in die Hand.

Irgendwie klang der Titel widersprüchlich. Aber der Klappentext versprach Aufklärung. Rund 80% der Reisenden sollen sich laut diesem einig sein, dass die Heimkehr das Schönste an einer Reise wäre.

Das legt den Schluss nahe, gleich zu Hause zu bleiben. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. In rund vierzig Abschnitten erzählte mir nun Bittrich in seinem Buch worauf es beim Reisen ankommt und warum es trotzdem nicht klappt.

Und der Autor hatte wahrlich nichts ausgelassen. So las ich über den Trennungsschmerz am Beginn der Reise genau so viel wie über den krönenden Abschluss einer jeden gebuchten Reise: Das Formulieren des Beschwerdebriefes an das Reisebüro.

Und das tat der Autor ohne im Laufe des Buches Atem zu holen. Die rund 160 Seiten waren gefüllt mit ständig neuen Details über das Kontra bei Reisen. Praktisch war nahezu jeder einzelne Satz eine weitere neue Begründung zu Hause zu bleiben.

Da wird von Fluggästen erzählt, die komplexe Gegenstände einchecken wollen. Natürlich stehen sie beim Einchecken alle vor einem. Und die Fluggäste, die hinter einem stehen, versuchen die ganze Zeit auch nichts anderes als genau das zu ändern.

Natürlich las ich mit gesteigertem Interesse seine Ansichten über das Reisen mit der Bahn. Zum Beispiel von so Entsetzlichkeiten, wie etwa, dass man ein 6 Personen Abteil womöglich noch mit jemanden teilen müsste.

Allerdings traf das ja auf mich nie ganz zu. Ich habe bisher mein Abteil immer gerne geteilt. Entweder mit meinen Büchern und meinem restlichen Gepäck, oder mit einer hübschen jungen Dame, sofern eine solche gerade nach einem freien Platz suchen sollte.

Vieles aus seinen Zeilen kam mir trotzdem sehr bekannt vor. Ja, es stimmt. Das Unangenehme an jedem Urlaub ist der Tag davor. Wenn man merkt, das man im Büro noch so viel zu erledigen hätte. Und sich wünscht, seinen Urlaub nie angemeldet zu haben.

Und dann gibt es noch den Tag danach. Wenn man wieder ins Büro zurück kommt. Und nichts von den mühevoll übergebenen Arbeiten wurde von den Kollegen erledigt. Warum nicht? 'Na, du hast vergessen, uns dein Kennwort für die Datei xyz.doc zu geben'...

Aber auch seine Schilderungen von Hotels stießen bei mir auf Erinnerungen. Man kann in manchen Hotels 24h am Tag einchecken. Aber wenn ich dann um 18:37 einchecke, ist garantiert auch eine Reisegruppe da, die alle ihre Schlüssel will ... und das 2x,  weil das erste Zimmer ja nicht passt.

Natürlich hatte Bittrich auch die Schlacht am kalten Büfett erwähnt, wobei ich die Beschreibung des Frühstücks als besonders gelungen empfand. Ja, wer kennt sie nicht? Die leeren Platten, wo vom Lachs nur noch die Petersilie zu sehen ist. Darum sage ich ja auch immer: 'The early guest catches the salmon'.

Auch teile ich seine Erkenntnisse bzgl. dem Wiener Schnitzel. Wir lachen ja über jene, die überall Wiener Schnitzel bestellen. Aber das hat auch Vorteile. Man weiß gleich, ob die Küche was taugt, während man ja bei 'Tintenfisch nach Art des Hauses' nicht genau weiß, aus welchem Grund jetzt einem so übel wurde.

Bittrich drückte das natürlich humorvoller und dennoch analytischer aus. So wies er mich darauf hin, dass das, was ich gerne als Landesspezialität bestelle, früher meistens die lokale Speise der Bauern und Knechte war.

Bei dem Kapitel über das gemeinsame Reisen machte ich dann eine Entdeckung. Ich hatte die ganze Zeit den Titel falsch interpretiert.

Der Satz bezog sich nämlich auf die oft übliche Auseinandersetzung zwischen Ehepaaren auf Reisen. Und da soll ja  öfters der Satz fallen: 'Dann fahr doch gleich nach Hause'.

Aber irgendwie hatte mir die ursprüngliche Botschaft  des Spruches besser gefallen und deshalb ignoriere ich mal die jüngste Erkenntnis.

Nach nicht mehr als zwei Stunden hatte ich das Buch ausgelesen und mich dabei köstlich amüsiert. Aber der Autor hatte trotzdem nichts bei mir erreicht. Ich fuhr nicht nach Hause .... ich fuhr wie geplant nach Triest.

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Dann fahr doch gleich nach Haus!
Dietmar Bittrich
Hoffmann und Campe
ISBN 3-455-09352-3

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