Bei einer Ausstellung über Gemälde schätze ich nicht nur die Einzigartigkeit der Werke, sondern auch eine didaktische Aufbereitung des Themas. Sehr gut gefiel mir deshalb die jüngst besuchte Ausstellung im unteren Belvedere in Wien.

Die Ausstellung lautete mit dem vollständigen Titel: 'Wien - Paris, Van Gogh, Cézanne und Österreichs Moderne, 1880 - 1960' und zeigte mir die Zusammenhänge zwischen Werken der österreichischen Moderne und französischen Vorbildern.

Aufgeteilt war die Ausstellung auf zwei Gebäudeteile des Belvederes. Während die Werke der Impressionisten noch im Unteren Belvedere zu finden waren, hingen die surrealistischen, kubistischen und abstrakten Gemälde in der Orangerie gleich daneben.

Diese Wahl der Gebäude hatte für mich den kleinen Nachteil, dass ich beim Gang durch die Jahrzehnte auch mal einen Gang durch die winterlichen Temperaturen Wiens gehen musste, denn es gab keine überdachte Verbindung zwischen den beiden Ausstellungsbereichen. Aber kühle Temperaturen erhöhen bekanntlich die Lernfähigkeit.

Und zu Lernen gab es einiges. Durch die Anordnung der Werke von österreichischen und französischen Künstlern nebeneinander konnte ich gut die Vorbildwirkungen bestimmter Künstler auf die Werke anderer Maler erkennen. Zusätzlich zum optischen Effekt half mir noch ein sehr guter Audio Guide bei der Aufdeckung der Zusammenhänge.

Zusätzlich zum Lerneffekt gab es auch schöne Meisterwerke von Van Gogh, Paul Cézanne oder Henri Toulouse-Lautrec zu sehen. Auf der österreichischen Seite fielen mir Werke von Gustav Klimt, Oskar Kokoschka, Herbert Boeckl und Josef Engelhart auf.

Was mir durch die Anordnung der Werke entlang einer Zeitleise besonders gut auffiel: Die Art und Weise eine Sache darzustellen, veränderte sich von 1880 bis 1960 fast durchgängig. Ohne das Ergebnis bewerten zu wollen, war es doch auffällig wie Motive von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer unklarer und verwaschener wurden.

Wobei es aber auch interessant zu sehen war, wie sich Motive wandeln können. Nicht immer wurde das Großartige dokumentiert, auch Kraut und Rüben Bilder kamen vor. Wobei ich hier erfahren durfte, dass dieser Begriff nicht despektierlich gemeint ist. Tatsächlich gab es auch Künstler, die die Abbildung von landwirtschaftlichen Szenerien populär machten.

Als Freund der Fotografie war ich dann aber besonders erfreut, auch auf diesem Gebiet etwas sehen zu können. Gezeigt wurden Werke österreichischer Architekten, darunter auch Bauten der Weltausstellung 1937 in Paris. Hier war es für mich interessant zu sehen, was damals Österreich ausgestellt hatte.

Insgesamt war die Ausstellung nicht nur wegen der gezeigten Werke sondern vor allem durch die in der Ausstellung gezeigten Aussage sehr interessant. Denn die darin gereichten Informationen halfen mir nun auch die Geschichte der österreichischen Moderne um eine Facette besser zu verstehen.

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