Im Jänner 2008 besuchte ich eine Ausstellung in der Albertina, die mir Werke aus der Sammlung Batliner zeigte. Sie gilt als eine der wichtigsten Privatsammlungen Europas.

Genau genommen wurde ja nicht die Privatsammlung Batliner gezeigt, die die Albertina im Mai 2007 als Dauerleihgabe erhalten hatte. Vielmehr war es eine Kombination aus ausgewählten Stücken der Sammlung mit Stücken aus den Beständen der Albertina.

Ergänzt um weitere Stücke aus der Sammlung Forberg eröffnete sich mir eine Ausstellung von Werken von Monet bis Picasso. Wie ich später erfuhr, betrachteten Rita und Herber Batliner zwei Werke von diesen Künstlern als die Eckpunkte ihrer Sammlung.

Zwei Eckpunkte, zwischen denen sich eine Weiterentwicklung in den Ausdrucksformen der Malerei ereignete. Und über genau diese Weiterentwicklung wurde mir nun mit Hilfe der ausgestellten Werke erzählt. Die Albertina war also wieder ein guter Lehrer für mich.

Der Lehrer war besser gesagt der Audio Guide, den ich wegen seiner Fülle von Informationen schon routinemäßig dazu nehme. Diesmal war er besonders clever ausgeführt.

Nach fast jeder Bildbesprechung gab er mir auch die Möglichkeit durch Eingabe einer zusätzlichen Zahl etwas über die Stilrichtung zu erfahren, aus der das Kunstwerk entsprang.

So arbeitete ich mich von Saal zu Saal, vom Impressionismus, über den Neoimpressionismus, den Fauvismus - ich überspringe jetzt ein paar -ismus - bis zum Spätwerk des Picasso durch. Mit dessen Werk der Bogen in der Ausstellung auch endete.

Dazwischen gab es paar persönliche Highlights für mich. So hatte ich von Henri de Toulouse-Lautrec bisher immer nur die berühmten Werke aus dem Milieu des Pariser Nachtlebens gesehen. Hier sah ich nun erstmals seine Jugendwerke. Zum Beispiel 'Der Schimmel Gazelle', den er mit 17 malte.

Im Raum des Neo-Impressionismus sprangen mir gleich einige Bilder von Paul Signac entgegen. Hell und freundlich schienen seine Gemälde eine ganze Wand zu erleuchten, darunter auch ein schönes Motiv von Venedig. Durch die spezielle Pinselführung wundervoll entfremdet und doch wieder ein Abbild der Realität.

Interessiert hörte ich mir nun via Audio Guide an, was die Neo-Impressionisten an den Dingen anders sehen als die Impressionisten. Und woher die Fauvisten ihren Namen hatten. Und warum sich einige deutsche Expressionisten in Dresden "Die Brücke" nannten, andere in München aber "Der blaue Reiter"

Bei vielen Werken half mir der Audio Guide auch die Sorgen und Nöte der Maler zu verstehen. Wenn zum Beispiel Edvard Munch versuchte eine Winterlandschaft so zu malen, wie er sie empfand, nicht so wie sie wirklich aussah. Und tatsächlich ließ mich sein ausgestelltes Werk ein wenig frösteln.

Bei den ausgestellten surrealistischen Werken blieb ich lange vor einem Werk des Künstlers René Magritte stehen, der 1953 'Die verwunschene Gegend' gemalt hatte. Was mich an den Surrealisten immer gefreut hat: Sie sind in der Lage nicht vorhandenes glasklar darzustellen.

Das ist dann bei Aktionskünstlern schon weniger sicher. In dem Werk 'Ant 88' hatte Yves Klein sein Modell sich zuerst in Farbe wälzen und dann auf ein Blatt Papier abrollen lassen. Das Ergebnis sah ich dann in der Ausstellung und ich spürte stark, dass ich mich von diesem Maler nicht portraitieren hätten lassen wollen.

Ich näherte mich dem Ende der Ausstellung, die ganz dem Ausstellungstitel entsprechend den Werken von Picasso gewidmet waren. Und zwar konkret dem Spätwerk des großen Meisters. Hier gab es aber keine Überraschungen mehr für mich, da ich schon was ähnliches in der Ausstellung 'Malen gegen die Zeit' gesehen hatte.

Auf meinem Rückweg durch all die Werke kam ich wieder an das Bild von Paul Signac vorbei, dessen Farben ich am Anfang so bewundert hatte. Die Farben des Bildes von Venedig hatten sich gewandelt. Sie waren trüber geworden. Ob das an meiner inzwischen eingetretenen Müdigkeit lag?

Die Impressionisten sagten mal, die Farben eines Objektes ändern sich mit dem Stand der Sonne, darum könne man das selbe Objekt öfters und verschieden malen. Mir kam in diesem Augenblick in den Sinn, auch die Müdigkeit lässt uns Menschen Farben anders sehen.

Und während ich noch darüber nachdachte, ob ich vielleicht die Kunstrichtung 'Impressioni di uno stanco'  begründen sollte, eilte ich zum Ausgang der Albertina meinem Abendessen zu...

Zurück nach oben

Weitere Reisenotizen und Links
Webseite der Albertina

© Impressum

 

 

Mehr Reisenotizen über
Ausstellungen
Wien