Im Februar 2008 besuchte ich im Kunsthistorischen Museum in Wien eine Ausstellung über den Künstler Arcimboldo.
Eine der ersten Künstler, die ich mir während meiner Schulzeit merken konnte, war Giuseppe Arcimboldo. Das lag damals an seiner für mich kuriosen Methode Gesichter von Menschen mit Hilfe von Obst und anderen Gegenständen abzubilden.
Leider konnte ich seine Werke damals nur in meinem Schulbuch für Bildnerisches Erziehen bewundern. Darum freute ich mich umso mehr, seine Bilder nun im Kunsthistorischen Museum in Wien sehen zu können.
Geboren wurde Arcimboldo im Jahre 1526 in Mailand, wo er sich zunächst mit religiöser Malerei beschäftigte. Unter anderem fertigte er einen prächtigen Wandteppich an, den ich in der Ausstellung bewundern konnte.
Im selben Raum erfuhr ich auch einiges über die Vorbilder von Arcimboldo und über verschiedene Theorien, wer ihn alles zu seinen späteren Werken inspiriert haben könnte.
Darunter auch eine Beschreibung von Leonardo da Vinci. Dieser schilderte darin, wie man ein Fabelwesen so zeichnen kann, dass es real wirken würde. Indem man es aus Körperteilen von Tieren zusammenstellt, die es wirklich gibt. Ganz schön clever...
1562 wurde Arcimboldo dann vom Maximilian II nach Wien gerufen, wo er auch für die nächsten 25 Jahre blieb. Seinen Gönner portraitierte er dann noch auf normale Art und Weise, wie ich an Hand einiger Beispiele sehen konnte.
Allerdings war man sich nicht immer einig, ob ein Werk nun von ihm stammte oder von anderen. Obwohl er ja gerne seinen Namen in die Werke einbaute und ich mir den Spaß machte in seinen Werken nach genau diesen Hinweisen zu suchen.
In Wien beschäftigte er sich nicht nur mit der Malerei. Er betätigte sich als Organisator von Turnieren und Hochzeiten, entwarf Wappen und Kostüme. Diese Entwürfen war ein eigener Raum gewidmet, wo ich auch einen Brief in seiner Handschrift lesen konnte.
Weiteres beschäftigte er sich um die kaiserlichen Kunstsammlungen und beobachtete die Natur. Dazu wurde in der Ausstellung eine Sammlung von wundervollen Gegenständen gezeigt, die seinerzeit wohl Glanzstücke dieser Sammlungen gewesen sein mögen.
Dabei wiesen mir die ausführlichen Beschriftungen und der Audio Guide immer wieder darauf hin, wo sich gewisse Methoden von Arcimboldo schon in Werken anderer Künstler wieder fanden.
Zum Beispiel sah ich ein Öllämpchen, welches die vier Elemente ebenfalls symbolhaft darstellte. So stand es auf eine Art dünnen Baumstamm (Erde), der in eine Vogelkralle (Luft) auslief. Das Öl selbst brannte (Feuer) in einer muschelförmigen Schale (Wasser).
Derartig eingestimmt traf ich dann auf die berühmtesten Bilder von Arcimboldo. Auf die Darstellungen der Jahreszeiten und der vier Elemente in Form von Köpfen, die aus einer Vielzahl von Objekten gebildet worden waren.
Irgendwie erinnerte es mich jetzt an die Ausstellung über den Symbolismus, die ich erst vor kurzem gesehen hatte. Denn auch hier gab es ja die Idee, das Thema des Gemäldes quasi durch die Blume darzustellen.
Arcimboldo bewies hier viel Phantasie, geradezu erstaunlich wie er die besonderen Merkmale der Tiere zu Merkmalen der Gesichter werden ließ. Da wirkte es dann schon fast banal, dass das "Wasser" als Halskette eine Kette aus Perlen trugt.
Wie ich bald darauf lernte, tat er dies aber nicht planlos. Sondern er baute absichtlich viele exotische Tiere und Pflanzen in diese Bilder ein, weil er um das Interesse seiner Auftraggeber an den verschiedenartigen Formen der Natur wusste.
So waren seine Werke nicht nur bloße Kunstwerke zum Schauen, sondern - meiner Meinung nach - durchaus geeignet, zum Beispiel den Kindern des Kaiserhofes zu erklären, was ein Maiskolben ist oder wie eine Robbe aussieht.
Ein Brahms Tierleben für Kaisersprössling sozusagen. Wobei es aber nicht stören durfte, dass die Größenverhältnisse nicht stimmten. So hätte bei einem dieser Bilder die Robbe bequem in der daneben dargestellten Muschel ein Bad nehmen können...
Aber das waren nicht die einzigen Spielereien von Arcimboldo. Ein Bild von einem Korb voller Früchte entpuppte sich als weiteres Gesicht, nachdem ich es in einem Spiegel auf den Kopf gestellt betrachten konnte.
So wurde aus dem Korb voller Gemüse ein Gemüsegärtner und aus einem leckeren Braten ein Koch. Wobei mir das Gesicht des Koches ehrlich gesagt so wenig zusagte, dass ich mich bei einem entsprechenden Mahl freiwillig auf das Gemüse konzentriert hätte.
Denn nicht immer waren die Gesichter nobel. Während ich über das Gesicht eines Bibliothekars schmunzeln musste (ein Staubwedel bildete seinen Bart und die Lesezeichen eines Buches bildeten in grandioser Weise seine Finger), war mir bei anderen Bildern nicht so danach.
Hier war die abgebildete Person manchmal abgrundtief hässlich und laut Beschreibung entsprach das Bild auch der Wirklichkeit. Für mich bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass diese Gesichter eben nur aus Gegenständen zusammengesetzt waren.
Und so beendete ich staunend meinen Rundgang durch die Ausstellung, um im prächtigen Stiegenhaus des Kunsthistorischen Museums dann endgültig sprachlos zu werden.
Als besonders gelungene Ergänzung wurden hier großformatige Fotos von Bernard Pras gezeigt. Schon von weitem erkannte ich die dargestellten Personen wie etwa Albert Einstein oder Salvatore Dali.
Doch es waren keine Gemälde! Nein, es waren Fotos von realen Gegenständen, die wie auf einen Müllhaufen ins Gelände gelegt worden waren und durch die Linse eines Fotoapparates betrachtet eindeutig ein Gesicht eines berühmten Mannes darstellten.
Schier sprachlos war ich dabei von einem Gesicht (Tom Murphy) wo der schwarze Kopf mit Kraushaar allein durch den Schatten einer Toreinfahrt gebildet wurde, während der restliche Körper durch Gegenstände, die vor dieser Einfahrt lagen, entstand.
Ich dachte ja immer, der Kunst fällt nix mehr neues ein. Und ab heute weiß ich, es wird immer was neues wunderbares geben und somit wird das nicht meine letzte Ausstellung über Kunst gewesen sein...
Weitere Reisenotizen und Links
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